Köln – Das Fahndungsfoto eines mutmaßlichen Pädophilen, das die Kölner Polizei am Dienstag veröffentlichte, war frontal aufgenommen und von bester Qualität. Kein Wunder, dass bereits am nächsten Tag (24. März) der Gesuchte aus Bochum identifiziert war. Gefilmt hatte ihn der Kölner Ralf N. (32) und die Aufzeichnungen den Ermittlern übergeben.
- Kölner Polizei veröffentlichte Fahndungsfoto von mutmaßlichem Pädophilen
- Tatverdächtiger identifiziert
- Aufnahmen stammen von Kölner Ralf N.
Der 32-Jährige hatte den Tatverdächtigen gemeinsam mit einem Freund (30) in eine Foto-Falle gelockt.
Kölner Ralf N.: Auf Fakeprofilen gibt er sich als 13-jähriges Mädchen aus
Die beiden Männer erstellten Fakeprofile, auf denen sie sich als 13-jähriges Mädchen ausgeben. Unter anderem auf Snapchat, Tik-Tok und Knuddels. „Wir verhalten uns dabei passiv“, erklärt Ralf N. Trotzdem würde ihr blutjunger Lockvogel regelmäßig von erwachsenen Männern angeschrieben – mit zum Teil ekelhaften Sex-Angeboten und Penisfotos.
„Der Typ aus Bochum zum Beispiel wollte sie vernaschen“, erzählt Ralf N. Der Tatverdächtige soll der angeblich 13-Jährigen sexualisierte Chatnachrichten geschickt und sich schließlich im Juni 2020 mit ihr zu sexuellen Handlungen am Bahnhof Gelsenkirchen-Hassel verabredet haben. Umso erstaunter soll er gewesen sein, als statt einer 13-Jährigen Ralf N. und sein Kumpel auf ihn zukamen, ihn zur Rede stellten und mit Bodycams filmten.
„Er ist nur einer von 10, die wir bereits gefilmt haben“, erklärt Ralf N. Der Kölner ist eigentlich als Angestellter im Logistikbereich beschäftigt.
Kölner Ralf N. und sein Kumpel schockiert von Kindesmissbrauchs-Serien
Mit der Jagd auf mutmaßliche Pädophile begannen er und sein Freund im letzten Jahr, als die Serien von Kindesmissbrauch unter anderem in Bergisch Gladbach bekannt wurden. Ralf N.: „Fast jeden Tag las man von sexuellen Übergriffen auf Kinder. Da wollten wir den Spieß umdrehen.“
Dazu kommt, dass er eine elfjährige Nichte und einen siebenjährigen Neffen hat, die auch bei Tik-Tok aktiv sind. „Was ich da lese – da werde ich einfach nur wütend“, sagt er.
Ralf N. und sein Kumpel geben ihre Hinweise an die Polizei weiter. Chatverläufe ihres Lockvogels mit mutmaßlichen Pädophilen, Videoaufnahmen ihrer Bodycams, aber auch Autokennzeichen und Handynummern.
„Aktuell schreiben wir mit 132 Leuten“, verrät N. Alles erwachsene Männer, die denken, dass hinter dem Profil tatsächlich ein 13-jähriges Mädchen steckt ...
Appell der Pädo-Jäger: Nicht nachmachen! Auch Kölner Polizei rät dringend ab
„Uns ist bewusst, dass unsere Aktionen gefährlich sind. Daher bitten wir, das nicht nachzumachen“, appelliert Ralf N. Auch die Polizei rät von Ermittlungen auf eigene Faust dringend ab.
„Wir sind zur Strafverfolgung verpflichtet, wenn wir einen Hinweis bekommen“, erklärt Wolfgang Baldes, Sprecher der Kölner Polizei. Es sei aber gefährlich, wenn eine Konfrontation mit einem Tatverdächtigen geplant ist, so der erfahrene Ermittler: „Zum anderen können eigene Ermittlungen bereits laufende Verfahren von Polizei und Staatsanwaltschaft gefährden.“


