Brunnen-BaustelleAlte Straße entdeckt: Historischer Fund am Kölner Neumarkt

Beim Bau der neuen Brunnenanlage am Neumarkt wurde ein Teil einer alten Straße, vermutlich aus dem Mittelalter, entdeckt.

Am Neumarkt in Köln wird derzeit eine neue Brunnenanlage gebaut. Bei den Bauarbeiten gelang nun ein sensationeller Fund.

von Niklas Brühl (nb)

Es ist eine Reise in die Kölner Vergangenheit: Seit Anfang März laufen die Bauarbeiten für die neue Brunnenanlage auf dem Neumarkt. Während der Bauphase gab es nun einen bemerkenswerten, historischen Fund. Denn die Bodendenkmalpflege der Stadt Köln ist während den Grabungen und im Rahmen der archäologischen Untersuchungen auf eine Straße gestoßen, die vermutlich im Mittelalter über den belebten Kölner Platz führte.

Des Weiteren gab es Funde der historischen Marktnutzung, wie beispielsweise Keramikscherben oder besondere Siegel. EXPRESS.de durfte am Mittwoch (17. Mai 2023) einen Blick auf die bedeutsame Ausgrabung werfen.

Kölner Neumarkt: Historischer Fund beim Bau der neuen Brunnenanlage

Prof. Dr. Marcus Trier, Direktor des Römisch-Germanischen Museums und Gregor Wagner, Leiter der Archäologischen Bodendenkmalpflege, ordneten den Fund am Mittwoch in die Kölner Geschichte ein.

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„Hier auf dem Neumarkt, mitten im Herzen der Stadt, ist es die erste größere Ausgrabung seit einem halben Jahrhundert. Zum Bau der KVB-Haltestelle Anfang der 1970er Jahre war das Denkmalschutzgesetz allerdings noch etwas lockerer, sodass wir, auf gut Deutsch gesagt, schlechte Karten hatten. Die archäologischen Befunde wurden damals einfach weggebaggert. Zum Glück sieht das mittlerweile anders aus“, sagte Museumsdirektor Prof. Dr. Trier.

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Der Neumarkt wurde historisch im Jahr 1076 das erste Mal erwähnt. Vermutlich jedoch bereits 50 Jähre früher im Auftrag von Erzbischof Pilgrim gebaut worden. Im Rahmen des Baus für den neuen Brunnen wurde nun eine ausgebaute und gepflasterte Straßenanlage entdeckt. Sie kann nicht genau datiert werden, führte aber, vermutlich im Mittelalter, einmal diagonal über den Neumarkt.

„Links und rechts von der Straße waren die Marktstände aufgebaut. Das verraten uns auch unsere weiteren Funde“, sagte Gregor Wagner. Entdeckt wurden neben Tierknochen und Schlachtabfällen beispielsweise auch acht Tuchplomben. Diese seien damals als Siegel an verkauften Tüchern angebracht worden, um die Qualität des Stoffes zu bescheinigen.

Funde auf dem Neumarkt: „Tragbarer Computer des Mittelalters“

„Anders als oft vermutet haben wir mit den Plomben also einen Beweis dafür, dass der Neumarkt nicht nur als Viehmarkt genutzt wurde. Hier muss ein reger Tuchhandel stattgefunden haben, denn acht Siegel auf einer Fläche von unter 200 Quadratmetern zu finden, ist bemerkenswert“, sagte Gregor Wagner.

Im Vergleich dazu sei laut Prof. Dr. Trier bei den großangelegten archäologischen Grabungen auf dem Heumarkt in der 1990er Jahren auf einer Fläche von rund 6000 Quadratmetern nur einer dieser Qualitätssiegel gefunden worden.

Scherben von alten Keramik-Gefäßen, die in einer Baustelle am Neumarkt gefunden wurden.

In der Baustelle am Neumarkt wurden außerdem beispielsweise Scherben verschiedener bemalter Gefäße gefunden.

Ein weiterer besonderer Fund: ein sogenannter Rechenpfennig, der für die Menschen damals als Rechenschieber fungierte. „Damals wurde noch mit römischen Zahlen gerechnet und wir wissen aus der Schule alle, wie lästig das manchmal sein kann. Der Rechenpfennig war so gesehen ein Teil eines tragbaren Computers im Mittelalter“, sagte Prof. Dr. Trier vom Römisch-Germanischen Museums.

Darüber hinaus wurden in der Baustelle am Neumarkt auch Scherben bunter Keramik-Gefäße aus verschiedenen Zeitepochen gefunden.

Neumarkt: Bau der Brunnenanlage kann wie geplant weiter laufen

Für den Bau des Brunnens hat der Fund im Übrigen keine Konsequenzen – er wird wie geplant fortgeführt und sei laut Stadt auch gut im Zeitplan. Zur Erhaltung des gefundenen Straßenabschnitts aus dem Mittelalter wird eine schützende Schicht über die Pflastersteine aufgetragen. Darüber entsteht dann das Brunnen-Becken.

Prof. Dr. Marcus Trier, Direktor des Römisch-Germanischen Museums, steht auf der entdeckten Straße in der Baustelle am Neumarkt.

Prof. Dr. Marcus Trier, Direktor des Römisch-Germanischen Museums, steht auf der entdeckten Straße in der Baustelle am Neumarkt.

Weitere große Grabungen auf dem Neumarkt seien aufgrund des Fundes nun nicht angedacht. Prof. Dr. Trier erklärt: „Die archäologischen Untersuchungen auf einer Baustelle hier in Köln sind immer in den Planungen inbegriffen. Es ist ein besonderer Fund, der uns viele Aufschlüsse gibt. Aber wir sind jetzt nicht aus allen Wolken gefallen.“

In einem kleinen abgesteckten Bereich werden archäologischen Untersuchungen auf dem zentralen Kölner Platz aber dennoch fortgesetzt. Dort wolle man bis zu den Bodenschichten der römischen Zeitepoche vordringen und Erkenntnisse gewinnen. Vielleicht folgt dann in wenigen Wochen schon der nächste historische Fund auf dem Kölner Neumarkt.