„Nichts attraktives mehr“ Schandfleck Neumarkt: Kölner Initiative hat klaren Plan

Montag 09.11.2020, Köln: Kölner Stadt-Anzeiger Serie Köln früher und heute: Diesmal der Neumarkt in der Kölner Innenstadt. Neumarkt Öffentlicher Platz Schandfleck Drogenhölle Angstraum. Aufgenommen am: 09.11.2020 Foto: Alexander Roll (Staff)

Auf dem Kölner Neumarkt, hier im Herbst 2020, sind nur wenig Menschen zu sehen. Gegen die Trostlosigkeit schlägt eine Bürgerinitiative Lösungen vor.

Der Neumarkt in Köln ist ein ständiges Sorgenkind für die Stadt. Die Drogenszene hat ihn fest im Griff und Passanten gehen oft mit einem mulmigen Gefühl über den tristen Platz. Das soll sich ändern, fordert die Bürgerinitiative „Zukunft Neumarkt“.

Im Mai entwickelten die Mitglieder insgesamt 16 Vorschläge zur Neugestaltung des Neumarkts und legten den Plan der Stadt vor. Schon jetzt zeigt sich eine Entwicklung.

Kölner Neumarkt aufwerten: Bürgerinitiative schlägt der Stadt Lösungen vor

„Seit etwa 30 Jahren gilt der Neumarkt als unattraktiv, schmutzig und als Drogenhotspot“, ärgert sich Walter Schuch, Vorstandsmitglied der Bürgerinitiative. „Einige Plätze in Köln haben dieses Problem, aber der Neumarkt ist einer der bekanntesten Orte.“

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Das größte Problem sei die Drogenszene. Seit Ende 2019 steht bereits ein Drogenkonsumbus in der Nähe des Platzes, der Abhängigen helfen soll. Doch das reiche nicht, betont Schuch.

„Die Szene wird nicht verschwinden, das haben wir auf dem Ebertplatz gesehen. Aber wenn der Raum wieder mehr belebt würde, sind die Drogen nicht mehr so präsent.“

Drogenhotspot Neumarkt: So könnte der Kölner Problempunkt verbessert werden

Viele Faktoren spielen dabei zusammen. Das gesamte Umfeld müsse verbessert werden, damit das öffentliche Leben auf den Neumarkt zurückkehrt.

Die Vorschläge der Bürgerinitiative reichen von der Begrünung über sanitäre Anlagen bis hin zu Fußgängerüberwegen.

Zum Beispiel könnten am Eingang der Schildergasse bewegliche Blumenkästen oder ein mobiler Fotopunkt stehen. Die „Eistüte“ auf der Neumarkt-Galerie im Hintergrund sei ohnehin ein beliebtes Fotomotiv, heißt es seitens der Initiative.

Eine Animation des Fotopunktes am Eingang der Schildergasse vor der Eistüte auf der Neumarkt-Galerie.

Die Bürgerinitiative schlägt vor, einen mobilen Fotopunkt auf die Schildergasse zu setzen. Eine Animation zeigt, wie er aussehen könnte.

Auch die Wiederbelebung des Springbrunnens in der Mitte des Neumarkts spielt wieder eine Rolle. Erst im letzten Jahr diskutierte die Stadt über einen Neustart des 1997 stillgelegten Brunnens. Außerdem könnte der große leere Platz für diverse Veranstaltungen genutzt werden. Vorschläge sind regelmäßige Märkte oder Pop-up-Gastronomie.

Der leerstehende Brunnen auf dem Kölner Neumarkt.

Der ehemalige Brunnen auf dem Neumarkt steht seit 1997 still und könnte bald wieder in Betrieb genommen werden.

Toiletten auf dem Kölner Neumarkt sind am wichtigsten

Einer der entscheidenden Punkte soll der Bau einer Toilettenanlage sein. Das sei die Basis für die Wiederbelebung des Neumarktes mit öffentlichem Leben und könne mit anderen neu geschaffenen Angeboten zusammenspielen. Dazu gehören auch die Umgestaltung der KVB-Haltestelle, Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und E-Roller sowie eine Anlaufstelle zur Touristeninformation.

Eine leere KVB-Stadtbahnhaltestelle am Kölner Neumarkt.

Die KVB-Haltestellen auf dem Neumarkt, hier ein Bild aus Herbst 2020, will die Bürgerinitiative ebenfalls verschönern.

Doch nicht nur die Verschönerung des Neumarkts ist der Bürgerinitiative ein Anliegen. Auch die Fußgängerüberwege seien ein wichtiger Faktor. So soll der verzweigte Überweg im Süd-Westen in Richtung Rudolfplatz aufgelöst werden. Stattdessen könnten zwei separate Wege über die Hahnenstraße führen. Auch im Süd-Osten in Richtung Josef-Haubrich-Hof gibt es einen Besserungsvorschlag. Dort sei der Wartebereich für Fußgänger und Radfahrer zu klein. Ein breiterer Überweg soll Abhilfe schaffen.

Einsatz zeigt Erfolg: Stadt Köln realisierte Fahrradweg am Neumarkt

In dieser Ecke des Platzes konnte die Initiative bereits einen Erfolg verzeichnen. Denn auf ihren Anstoß hin vergrößerte die Stadt den Fahrradweg auf die Straße, damit sowohl für Radfahrer als auch für Fußgänger mehr Platz bleibt.

Ein breitere Fuß- und Radweg am Kölner Neumarkt.

Auf Initiative von „Zukunft Neumarkt” verlegt die Stadt Köln den Fahrradweg am Neumarkt auf die Straße.

Seit der Eskalation der Drogensituation im letzten Jahr und der Errichtung einer interaktiven Karte für Drogenhotspots richtete die Stadt eine Arbeitsgruppe Neumarkt ein. Dort ist auch die Bürgerinitiative „Zukunft Neumarkt“ vertreten, um die Vorschläge zur Neugestaltung zu besprechen.

„Die Resonanz auf unsere Vorschläge war sehr positiv“, freut sich Schuch. Die Bürgerinitiative sei zuversichtlich, dass einige Projekte realisiert werden. Besonders die Sanitätsanlagen seien wichtig. „An den Toiletten sind wir definitiv dran“, versichert er.

„Die Stadt Köln steht einer Neugestaltung des Neumarkts selbstverständlich offen gegenüber und gestaltet diese mit“, bestätigt auch eine Sprecherin der Stadt. Beispielsweise soll es bis August ein „Kümmerkonzept“ in Zusammenarbeit mit der KVB geben. Demnach soll ein Ansprechpartner für die Bürger auf dem Neumarkt installiert werden.

„Über Jahre hat man den Neumarkt verwahrlosen lassen“, hebt Schuch noch einmal hervor. „Es gibt nichts Attraktives mehr an dem Platz.“ Das könnte sich in Zukunft ändern.

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