Ist das rechtens? Kölner Arztpraxis auf Liste von Verein, der gegen Maskenpflicht ist

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Dieser Demonstrant hält Corona offenbar für eine Lüge. Er ist mit seiner Meinung nicht allein an der Deutzer Werft. Das Foto wurde am 23. Mai in Köln aufgenommen.

Köln – Für viele sind Atemschutzmasken ein Segen, der uns und andere vor dem Coronavirus schützen soll. Für andere ein Fluch, der uns von der Regierung aufgebrummt wurde. In Köln kam es schon zu Demonstrationen gegen die Verordnungen von Bund und Land. Besonders die Maskenpflicht im Unterricht in Schulen in NRW sorgt bei vielen „Masken-Gegnern“ für Unmut. Ein Bündnis von Medizinern will bei der Maskenbefreiung helfen.

Auf der Internetseite des Vereins „Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie, e.V.“ gibt es eine Liste von Ärzten in Deutschland, die einem bei Wunsch auf eine Maskenbefreiung helfen können – in Form eines Attests. Liegt dies vor, so muss keine Maske getragen werden.

Kölner Ärztin: „Es gibt keine generelle Befreiung von der Maskenpflicht“

In der Liste ist auch eine Ärztin aus Köln. Auf EXPRESS-Anfrage erklärt sie: „Es geht nicht um eine generelle Befreiung von Masken. Nur wenn eine Befreiung der Maskenpflicht aus gesundheitlicher Sicht notwendig ist, können Patienten ein Attest bekommen.“

Als Ärztin habe sie einen hippokratischen Eid abgelegt, „um Schaden von Patienten abzuwenden“.

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Etwa 300 Demonstranten versammelten sich am 23. Mai an der Deutzer Werft, um gegen die Corona-Maßnahmen von Bund und Land zu demonstrieren. Am 11.11. soll es wieder eine Demo dort geben.

Laut der Ärztin gebe es immer noch viele Ärzte, die kein Attest ausstellen würden, auch wenn es notwendig sei, so die Kölner Ärztin. Sie sagt: „Es gibt genug Leute, die Angst haben, mit der Regierung Probleme zu bekommen, wenn sie ein Attest ausstellen. Daher haben sich Ärzte und Mediziner zusammengeschlossen.“

Weitere Ärtze in Bergisch Gladbach, Düsseldorf oder Ratingen

Auch werden auf der Internetseite Ärzte aus Bergisch Gladbach, Ratingen oder Düsseldorf aufgelistet. Eine Ärztin aus einer anderen Stadt wird auf der Seite des „Widerstand 2020“ in dem Bericht „So befreit Ihr Eure Kinder von der Maskenpflicht in der Schule“ als „Ärztin des Vertrauens“ genannt. Dazu gibt es einen Link für einen Attest-Vordruck, der ausgefüllt und unterschrieben werden muss. Der Beitrag ist mittlerweile von der Seite verschwunden.

Hinweis auf Seite von „Widerstand 2020"

Wie EXPRESS erfuhr, soll dieser fertige Vordruck nach Aussage der Ärzte lediglich dazu dienen, längere Wartezeiten zu vermeiden. Eine Untersuchung des Patienten fände trotzdem statt. Und die Termine sind beliebt, eine der Praxen gibt an, bereits bis Oktober ausgebucht zu sein. Bei Nachfrage wird man auf die Seite des „Widerstand 2020“ verwiesen, man solle einen der anderen Ärzte kontaktieren.

Ärzte tauchen in Telegramm-Gruppen auf

In Telegramm-Gruppen werden immer wieder Ärzte gesucht, die die Kinder von den Masken befreien können. Aus „Sorge“ um das Wohlergehen des Kindes. Die Namen von der genannten Liste tauchen dabei auch immer wieder auf.

Als Grund für ein Attest müsse dabei nicht immer eine physische Vorerkrankung vorliegen. Auch psychische Erkrankungen oder Ängste wie Klaustrophobie (die Angst vor Enge) könnten eine Begründung sein.

Ärztekammer Nordrhein will Netzwerk überprüfen

Der Ärztekammer Nordrhein ist dieses „Netzwerk“ bislang nicht bekannt gewesen. Eine Sprecherin betonte gegenüber dem EXPRESS: „Wir werden den Fall zur berufsrechtlichen Prüfung an unsere Rechtsabteilung weiterleiten.“ Eine der betroffenen Ärztinnen sprach von einem „Drohbrief“, in dem von der Ärztekammer darauf hingewiesen wurde, dass das Ausstellen falscher Atteste strafbar sei.

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