Gewalt & Beleidigungen gegen Polizei Traurige Bilanz: Kölns Wochenende des Widerstands

Polizei_Widerstand_Symbol

Die Kölner Polizei sah sich bei vielen Einsätzen mit Widerstand aus der Bevölkerung konfrontiert. Das Symbolfoto wurde im Mai 2020 auf der Schildergasse aufgenommen.

Köln – Das erste Wochenende der Sommerferien 2020: Es war für die Kölner Polizei alles andere als leicht. Wie aus den Einsatzprotokollen hervorgeht, sahen sich die Beamten am Samstag (27. Juni) und Sonntag (28. Juni) mit einer Vielzahl von Einsätzen konfrontiert, bei denen sie selbst in den Fokus von Gewalt, Beleidigungen und Sachbeschädigung gerieten.

Gewalt und Beleidigungen: Kölns Wochenende des Widerstands

Bereits bei der Räumung des Bereichs rund um den Kölner Stadtgarten (hier lesen Sie mehr) in der Nacht auf Samstag, bei denen eine Hundertschaft zur Unterstützung des Ordnungsamts dabei war, war es zu Pöbeleien, Rangeleien, Beleidigungen, Widerständen sowie einem zerstochenen Reifen eines Polizeiwagens gekommen. Zwei Personen wurden in Gewahrsam genommen. Doch danach wurde es noch schlimmer.

Gegen 16 Uhr am Samstagnachmittag sprachten Passanten Polizei-Beamte auf der Schildergasse an. Sie fürchteten, es würde gleich zu einer Schlägerei einer größeren Gruppe kommen. Die Polizei traf eine Gruppe von etwa acht Personen an – und zog sofort deren Hass auf sich.

Polizei-Beamte werden auf Kölner Schildergasse attackiert 

„Als sich einer der offenbar am Streit Beteiligten entfernen wollte, und die Beamten ihn daran hinderten, griffen seine drei Verwandten die Polizisten an und versuchten ihn zu befreien”, heißt es im Bericht der Polizei. Alle vier Männer wurden unter heftiger Gegenwehr zur weiteren Sachverhaltsklärung zur Polizeiwache gebracht.

Am Samstagabend wählten Gäste eines Lokals auf der Luxemburger Straße den Notruf: Ein Mann (58) streite mit dem Gastwirt und sei zunehmend aggressiv. Dem ausgesprochenen Platzverweis begegnete der 58-Jährige mit Schlägen gegen die Polizisten. Bei seiner folgenden Ingewahrsamnahme spuckte, schlug und trat der mutmaßlich unter Alkohol- und Drogeneinfluss stehende Randalierer um sich.

Fiese Beleidigungen von Randalierer an der Moltkestraße

In der Nacht zu Sonntag wurde ein Einsatz-Team wegen eines Randalierers zur Moltkestraße (Belgisches Viertel) gerufen. Der 24-Jährige empfing die Beamten mit „netten” Worten: „Scheiß Drecksbullen, Scheiß Fotzenbullen, Ich ficke Eure Mütter. Ich schwöre, ich knalle Euch alle einfach ab”, soll er laut Protokoll der anwesenden Beamten gesagt haben.

Bereits am Samstagmorgen waren Streifenpolizisten einem 58-Jährigen zur Hilfe gekommen, der mit 1,9 Promille Alkohol im Blut in Ehrenfeld einen schweren Radunfall erlebt hatte (hier lesen Sie mehr). Seine Reaktion: Beleidigungen, aggressives Verhalten gegen die Beamten. Als ein Arzt ihm eine Blutprobe entnehmen wollte, biss er sogar um sich.

Tage des Widerstands: Ist Köln wegen Corona aggressiv?

„Im Vergleich zu den meisten Wochenende vorher haben sich solche Einsätze am Wochenende gehäuft”, bestätigte eine Sprecherin der Polizei gegenüber EXPRESS. Aber woran liegt es?

Machen viele Kölner die Polizei für die Corona-Maßnahmen verantwortlich? Zumindest spielt das in der aktuellen Entwicklung offenbar eine Rolle. „Einen Einsatz wie am Stadtgarten hätte es vor einem Jahr gar nicht gegeben, da diese Art des Feierns damals ja nicht verboten war”, so die Sprecherin. Es sei klar, dass dann die Gefahr steige, dass die Polizei Abneigung auf sich zieht.

Wochenende des Widerstands: Auch Ordnungsamt Köln meldet Fälle

Auch das Ordnungsamt der Stadt Köln berichtet von ähnlichen Fällen: Bereits in den Abendstunden von Freitag (26. Juni) hatten Beamte das Naturschutzgebiet Dellbrücker Heide kontrolliert. 32 Personen verstießen gegen das Betretungsverbot. Auch eine Anzeige wegen Beleidigung wurde ausgesprochen.

Und: Als die Beamten zu den Dienstwagen zurückkehrten, mussten sie nicht nur feststellen, dass alle Fahrzeuge bespuckt worden waren. Unbekannte hatten zerbrochene Glasflaschen unter die Reifen der städtischen Autos gelegt. Einen Tag später wurde eine Mitarbeiterin mit den Worten „Du Schlampe” beleidigt. (tw)

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