Manches einfach machen, statt auf klare Regeln aus Rom zu warten: Dafür spricht sich der bekannte Sozialpfarrer Franz Meurer aus. Er hat eine klare Vorstellung davon, wie die Kirche sein sollte.
„Der größte Verzicht“Pfarrer Meurer stellt Zölibat infrage

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Franz Meurer bei seiner Abschiedsmesse in der Kirche St. Theodor am 30. August 2026.
Der deutschlandweit bekannte Kölner Sozialpfarrer Franz Meurer stellt den priesterlichen Zölibat infrage. „Es wird die Frage sein auf Dauer, ob die Kirche in einem Land wie unserem den Zölibat noch vorschreiben kann“, sagte Meurer im Interview der Woche des Deutschlandfunks.
Er halte es für eines der schwierigsten Dinge, allein zu leben. „Der größte Verzicht für mich war der Verzicht auf Familie, um dem Herrjott zu gefallen“, sagte der katholische Geistliche.
Kölner Pfarrer Meurer: Zölibat ist die größte Herausforderung
Wer im Zölibat lebt, verzichtet bewusst auf eine Ehe, eine eigene Familie und sexuelle Beziehungen.
Meurer macht sich auch für mehr Rechte von Frauen in der Kirche stark. „Wir müssen uns ja klar vor Augen führen, die Weltkirche ist der Grund dafür, dass die Frauen bei uns nicht in Ämter kommen“, sagte Meurer.
Kirche ohne Frauen sei jedoch nicht vorstellbar. Dass Frauen und Männer nicht nur die gleichen Rechte haben, sondern auch die gleichen Positionen bekommen sollten, sei in anderen Kulturen aber nur schwer zu vermitteln. Meurer plädierte dafür, manches ohne klare Regelung einfach zu machen. So predigten etwa viele Frauen in der Messe, obwohl sie das offiziell nicht dürften.
Zudem sprach sich der Geistliche, der rund 34 Jahre in den armutsgefährdeten Kölner Stadtteilen Höhenberg und Vingst tätig war, für eine arme Kirche aus: „Ja, die Kirche, die bei den Menschen ankommt, ist eine einfache Kirche.“ Die Botschaft Jesu solle zuerst durch Handeln verkündet werden und nur notfalls auch mit Worten, so Meurer.
„Ich wünsche mir eine katholische Kirche, die mehr Gas gibt in der Frage der Ökumene“, sagte Meurer. Außerdem eine Kirche, die regionaler denkt. Die Situation in anderen Ländern könne von Deutschland aus nicht geändert werden. „Das wäre ein neuer Kolonialismus.“ Aber die aktuelle Situation erfordere, dass die Kirche die Demokratie fördere. „Ich bin sehr froh über alles, was unsere katholische Kirche in Deutschland zum völkischen Nationalismus gesagt hat“, so Meurer. (kna, rnd)

