„Respektlos und egoistisch“ Ukraine-Krieg: Kölns Jecke diskutieren über Karnevals-Absage

Der Krieg in der Ukraine überschattet den Karneval. Sollte man trotzdem feiern? Die Jecken sind in ihren Meinungen gespalten.

Das Timing für den Kölner Karneval hätte schlechter kaum sein können: Als die Jecken an Weiberfastnacht (24. Februar) nach einem Jahr Corona-Auszeit wieder in die tollen Tage starten wollten, drückten die Nachrichten der ersten Kriegshandlungen der russischen Streitkräfte in der Ukraine ordentlich auf die Stimmung.

Das Festkomitee plädierte frühzeitig für die Fortführung des Straßenkarnevals, sagte aber den Rosenmontagszug im RheinEnergie-Stadion ab. Stattdessen soll mit einer Demo in der Innenstadt ein Zeichen der Solidarität und des Friedens gesetzt werden.

Krieg und Karneval: Jecke sind gespaltener Meinung

Alles zum Thema Ukraine
  • Ukraine-Krieg Heftiger Beschuss auf Großstadt – Gouverneur ruft Einwohner zur Flucht auf
  • Ukraine-Krieg Nord- und Ostsee von Russland besetzt: Diese Deutschland-Karte geht unter die Haut
  • Bei „Markus Lanz“ Wladimir Klitschko bittet Scholz plötzlich um Verzeihung
  • „Das wurde erzwungen“ Putin mit unfassbaren Aussagen über seinen Krieg in der Ukraine
  • Sorge vor Gas-Stopp Habeck spricht in ARD-„Tagesthemen“ extreme Maßnahmen für Deutsche an
  • Vika (28) musste flüchten, jetzt will sie helfen Ukrainerin startet ganz besondere Aktion in Köln
  • „Anne Will“ Expertin reißt der Geduldsfaden: „Russland macht die Ukraine platt“
  • Kremlkritiker spricht Klartext über Putin „Der Westen begeht einen dramatischen Fehler“
  • Melnyk will sich entschuldigen „Hat viele nicht nur in Deutschland vor den Kopf gestoßen“
  • „Jeder Quadratmeter“ Scholz findet in seiner Regierungserklärung martialische Worte

Mit der aktuellen Lage befindet sich der Karneval in der Zwickmühle. Wie viel Alaaf ist erlaubt, wenn bei einem Krieg in Europa zahlreiche Menschenleben auf dem Spiel stehen? EXPRESS.de hat sich an Weiberfastnacht bei den Jecken umgehört.

Waldemar Kutzmutz feiert Weiberfastnacht in Köln mit Freundinnen.

Waldemar Kutzmutz feiert Weiberfastnacht mit einigen Freundinnen am Hauptbahnhof.

Waldemar Kutzmutz (45), Kranführer aus Dormagen, feiert mit seinen Freundinnen Silvana, Natascha und Nicole auf dem Bahnhofsvorplatz. Aus seiner Box schallt „Ein bisschen Liebe“ von Nicole. „Das ist kein Zufall”, sagt er. „Wir sind mit unseren Gedanken bei den Menschen in der Ukraine. Wir hatten heute Morgen überlegt, ob wir überhaupt feiern wollen. Aber was willst du machen? Nach einer so langen Pause wegen Corona haben wir uns dann dafür entschieden.“

Isabella und Laura feiern Karneval in Köln.

Isabella und Laura kamen aus Karlsruhe nach Köln.

Isabella und Laura (beide 24) sind an Weiberfastnacht aus Karlsruhe nach Köln gekommen und feiern in der Altstadt. Laura: „Wir haben von der Situation in der Ukraine heute morgen erfahren. Das war schon ein Schock. Wir denken natürlich an die Menschen dort. Wir versuchen aber, den Tag und die fünfte Jahreszeit zu genießen.“

Alex (hinten) feiert an Weiberfastnacht 2022 mit seinen Freunden an der Zülpicher Straße.

Alex (hinten) feiert an Weiberfastnacht 2022 mit seinen Freunden an der Zülpicher Straße.

Ähnlich klingt es bei Alex, den wir mit seinen Freunden an der Zülpicher Straße treffen: Wir sind richtig happy, dass wir heute Karneval feiern können und fühlen uns absolut sicher, auch in den Kneipen. Die politische Situation in Russland und der Ukraine hat man natürlich heute im Hinterkopf. Aber wir feiern trotzdem.”

Wegen Krieg in Ukraine: Jecke diskutieren auch auf Facebook über Karneval

Etwas ausgewogener wird auf der Facebook-Seite des EXPRESS diskutiert. Viele Jecke sprechen sich für Feiern an Karneval aus, andere haben aufgrund der aktuellen Lage durchaus Bedenken.

„Man sollte es (Karneval, d. Red.) absagen! Das Leben besteht nicht nur aus Party, man nennt es auch Empathie und Rücksichtnahme“, schreibt eine Userin zwischen hunderten Kommentaren. „Karneval in allen Ehren, aber in der aktuellen Situation einfach nur respektlos und egoistisch“, ergänzt ein Facebook-Nutzer.

Doch die Meinungen sind gespalten, wie der Beitrag einer anderen Userin zeigt: „Bei allem Respekt. Wir haben zwei schlimme Jahre hinter uns, Corona, Todes- und Krankheitsfälle in Familie und Freundeskreis. Angst vor Arbeitsverlust, Existenzängste. Wir haben uns auf die paar Tage ‚Karneval light‘ gefreut. Gerade der kölsche Fasteleer mit seinen Liedern hat auch viele leise Töne und kann Sorgen und Nöte mal für eine kurze Zeit vergessen lassen. Darum werde ich Karneval ein wenig feiern.“

Der Karneval 2022: Er war schon vorher, wegen Corona, eine Entscheidung des Gewissens. Aufgrund der aktuellen Lage in der Ukraine ist er es umso besser. Und wie so oft in diesen Fällen: Meinungen gibt es viele, eine zu 100 Prozent richtige Entscheidung wohl nicht.

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.