„Das ist zunächst einmal Mathematik“: Warum der ADFC den E-Bike-Boom nicht als alleinige Ursache für die vielen Unfälle gelten lässt.
Explodierende E-Bike-UnfälleADFC Köln reagiert: „Das fängt beim Banalen an“

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Immer mehr Pedelec-Unfälle in Köln, immer mehr Verletzte verzeichnet die Polizei (Symbolbild).
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Immer mehr Pedelec-Unfälle in Köln, immer mehr Verletzte – die Zahlen der Polizei sind eindeutig. Doch für den ADFC Köln ist damit längst nicht alles erklärt. Sprecher Christoph Schmidt macht klar: Der Boom allein ist nicht das Problem.
Zwischen 2019 und 2025 ist die Zahl der bei Pedelec-Unfällen verunglückten Menschen in Köln drastisch gestiegen.
Bisherige Präventionsarbeit reicht nicht aus
Bei den unter 65-Jährigen ging es von 64 auf 271 Fälle hoch, bei den Senioren ab 65 von 19 auf 68 – ein Plus von rund 323 beziehungsweise 258 Prozent. Und wenn es Ältere erwischt, endet der Sturz häufiger schwer: 2025 wurden 17,6 Prozent der verunglückten Senioren schwer verletzt oder getötet, bei den Jüngeren waren es 8,9 Prozent.
Für Schmidt sind diese Zahlen kein Grund für einfache Erklärungen. „Natürlich ist der Anstieg erklärbar: Es werden inzwischen sehr viele Pedelecs verkauft, und sie ersetzen zunehmend das klassische Fahrrad – teils auch andere Verkehrsmittel. Wenn ein Verkehrsmittel viel häufiger genutzt wird, ist es statistisch auch an mehr Unfällen beteiligt. Das ist zunächst einmal Mathematik.“
Der Punkt ist aber: „Unsere Infrastruktur hält dieser Entwicklung nicht stand“, sagt Schmidt.
Und er wird konkret. Es sind oft die kleinen Dinge, die für Radfahrende gefährlich werden: „Das fängt beim Banalen an: Bordsteine müssen ordentlich abgesenkt sein, es darf keine Stolperfallen geben, und bei Baustellen dürfen Absperrfüße nicht in den Radweg ragen. Mit 25 km/h fallen solche Probleme stärker ins Gewicht als mit 15. Dazu kommen zu schmale Wege und Engstellen – dort kollidieren Radfahrende auch untereinander. Die Infrastruktur muss zu den Mengen und Geschwindigkeiten passen.“
Einen Rat hat der ADFC-Sprecher auch für ältere Fahrende, die neu aufs E-Bike umsteigen: „Es ist aus meiner Sicht nicht sinnvoll, jahrelang kaum Rad zu fahren, sich dann im Rentenalter ein Pedelec zu kaufen und sofort alle Möglichkeiten auszureizen. Reaktionsfähigkeit und Routine sind nicht immer wie früher – und die Infrastruktur stellt vielerorts Fallen. Deshalb: langsam herantasten, üben, Unterstützungsstufen so wählen, dass die Beschleunigung nicht zu stark ist, und die 25 km/h nicht automatisch ausfahren.“
Deutliche Worte findet Schmidt zum Schluss – und nimmt Behörden in die Pflicht: „Uns reicht die bisherige Präventionsarbeit nicht. Es gibt Vorgaben – Schrittgeschwindigkeit beim Abbiegen, 1,5 Meter Überholabstand –, aber sie werden zu selten kontrolliert und zu wenig kommuniziert.“

