Mammutprozess Mordversuch in besten Kreisen - Giftanschlag auf Kölner Arzt

Blick in ein Arztzimmer.

Ein Kölner Arzt soll von seiner Schwiegertochter vergiftet worden sein. Das Symbolfoto wurde im Januar 2019 in Thüringen aufgenommen.

Vor dem Landgericht startet in Kürze ein Mammutprozess. Es geht um einen mutmaßlichen Mordversuch in besten Kölner Kreisen.

Köln – Der Fall ist mysteriös und tragisch zugleich. In besten Kölner Kreisen soll ein betagter Mediziner einem Giftanschlag seiner Schwiegertochter zum Opfer gefallen sein. Gut ein Jahr nach der mutmaßlichen Tat muss sich die heute 41-Jährige vor dem Landgericht verantworten. Der Prozess beginnt am Freitag, 30. Juli – Tatvorwurf: versuchter Mord.

Es wird ein Mammutprozess. Vor der 5. Großen Strafkammer sind insgesamt 29 Verhandlungstage vorgesehen. Mit einem Urteil wird Ende November gerechnet. Das Opfer tritt als Nebenkläger auf.

Köln: Fiel ein Arzt Giftanschlag seiner Schwiegertochter zum Opfer?

Jan Orth, Sprecher des Landgerichts, teilte dem EXPRESS bereits im Januar auf Anfrage mit, was der Angeschuldigten vorgeworfen wird. Am 5. Juli 2020 soll sie demnach versucht haben, ihren Schwiegervater mit einer Überdosis Insulin zu ermorden. Das Opfer überlebte das mutmaßliche Attentat den Angaben zufolge nur knapp. Orth: „Neben dem Mordversuch stehen noch die Tatvorwürfe der gefährlichen und schweren Körperverletzung im Raum.“ 

Nach Aussage des Behördensprechers gehen die Ankläger von folgendem Tatverdacht aus: Gegen 16 Uhr an jenem Julitag soll die Angeschuldigte zu ihrem Schwiegervater gefahren sein. Die Besucherin hatte Muffins mitgebracht. Schließlich soll sie dem Arzt über ein Getränk heimlich das Schlaf- und Beruhigungsmittel Tavor eingeflößt haben, um ihn zu betäuben.

Köln: Tatverdächtige soll Opfer Insulinmittel verabreicht haben

Anschließend soll es ihr ein Leichtes gewesen sein, ihrem Opfer 1000 Einheiten der Insulinmittel NovoRapid und Protaphane zu verabreichen. Letzteres Medikament ist ein Humaninsulin mit langer Wirkung. Nachdem es injiziert wird, dauert es etwa eineinhalb Stunden, bis der Blutzuckerwert zu sinken beginnt. Die Wirkung hält etwa 24 Stunden an. 

Nachdem die 41-Jährige gefahren war, soll ihr Schwiegervater einen hypoglykämischen Schock erlitten haben. Dabei sank der Blutzuckerspiegel ins Bodenlose. Das Opfer wurde bewusstlos. In dem Zustand fand den Mann tags darauf seine Haushälterin. Umgehend wurde er in die Uniklinik gebracht.

Kölner Arzt überlebt, es sollen aber Schäden zurückbleiben

Zwar überlebte der Mediziner dort. Allerdings, so führt die Anklage aus, bestand zeitweilig akute Lebensgefahr. Auch sollen demnach Schäden zurückgeblieben sein. „Vor dem Hintergrund steht auch der Vorwurf der schweren Körperverletzung im Raum“, sagte Gerichtssprecher Orth.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hätte die Insulindosis beinahe ausgereicht, um einen Mord zu begehen. Bei ihrer Anklage stützen sich die Strafverfolger auf eine Reihe von Indizien. So soll sich die Tatverdächtige im Internet über den Modus Operandi informiert haben. Auch gehen die Ermittler davon aus, dass es bis zum Auftauchen der Haushälterin am Tag danach keinen weiteren Besuch mehr gegeben hat.

Kölner Arzt vergiftet? Beim Motiv wird es rätselhaft

Beim Motiv allerdings wird es rätselhaft. Bis auf Hinweise, dass zwischen der Schwiegertochter und dem Vater ihres Mannes nicht alles harmonisch verlief und auch psychische Probleme eine Rolle spielen sollen, verfügen die Ankläger über wenig Handfestes.

Jürgen Graf, Verteidiger der Angeklagten, hält die Vorwürfe für haltlos. „Meine Mandantin ist völlig unschuldig, es gibt kein Motiv, auch hat die Staatsanwaltschaft alle entlastenden Aspekte nicht in Betracht gezogen.“ Man werde die Vorwürfe widerlegen, führte der Anwalt aus.

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