„Gesund gestorben, trotzdem tot“ Doc Esser über Ernährungsirrtum und kölsche Küche

Doc Esser: Dr. med Heinz Wilhelm Esser/ Foto für WDR-Sendung

Der Kölner TV-Arzt „Doc Esser“ (47) klärt über die schlimmsten Ernährungsirrtümer auf. Auf dem Foto ist er 2017 für seine TV-Show fotografiert worden. 

Doc Esser kritisiert das als gesund geltende „Superfood“, das sich sogar gesundheitsschädlich auswirken kann. Der Kölner Arzt gibt Ratschläge für eine gute Ernährung, bei der Spaß und Genuss nicht zu kurz kommen.

Köln. Der Kölner TV-Moderator und Gesundheitsexperte Heinz-Wilhelm Esser, besser bekannt als Doc Esser (47), erlebt als Arzt immer wieder zwei Extreme in Sachen Ernährung, die uns zu denken geben dürften.  Esser plädiert für einen „normalen“ Umgang mit Lebensmitteln. Und der TV-Doc kritisiert das sogenannte „Superfood“, das entgegen seines Rufs sogar gesundheitsschädlich sein kann. 

Kölner TV-Arzt Doc Esser will mit Ernährungsirrtümern aufräumen

„Ich habe nur noch zwei Arten von Patienten. Auf der einen Seite die Menschen, die wirklich nicht gesund leben, weil sie zu viele Fertigprodukte konsumieren, viel rauchen, sich zu wenig bewegen – und dann Wohlstanderkrankungen wie zum Beispiel Diabetes Mellitus bekommen. Doch auf der anderen Seite stehen die Selbst-Verbesserer und Dauer-Tracker, die Schritte zählen, sich gar nichts gönnen und total kasteien“, beschreibt Doc Esser das Phänomen.

„Klar, die werden uralt, aber stellen dann später fest: Gesund gestorben ist trotzdem tot. Wo war denn eigentlich die Lebensqualität?“, so Esser über die zweite Fraktion. Damit sich die Waage in Ernährungsfragen  besser hält und die Gesellschaft auch keinen Ernährungsirrtümern mehr aufsitzt, die übertrieben oder sogar gesundheitsschädlich sind – gibt er gegenüber EXPRESS.de Ernährungstipps.

Doc Esser über „echtes Superfood“: Sauerkraut und Rote Beete

Dabei fängt Doc Esser mit dem in seinen Augen größten Ernährungsirrtum an, den sogenannten „Superfoods.“

„Einige Superfoods haben sogar eine gesundheitsschädliche Wirkung und gehen sehr ungünstige Interaktionen mit in Europa verwendeten Medikamenten ein,“ sagt der Arzt. Zum Beispiel für Patienten, die Blut-Gerinnungshemmer wie Marcumar einnehmen (umgangssprachlich: „Blutverdünner“), könne das üble Folgen haben, weil das Risiko gefährlicher Blutungen bestehe. Deswegen rät der Mediziner explizit Marcumar-Patienten gänzlich vom Chia-Samen-Konsum ab.

Doch auch Spirulina-Algen oder das Kurkuma-Gewürz sind laut Esser komplett überbewertet, weil Studien bislang nicht glasklar belegen können, dass sie wirklich gesünder als andere Lebensmittel sind. 

Auch für Menschen ohne Vorerkrankungen seien diese Lebensmittel nicht immer das Nonplusultra.

„Es gibt nicht eine Studie, die belegt, dass sogenannte Superfoods einen gesünderen und höheren Mehrwert in unserer Ernährung haben als unsere heimischen Produkte. Außerdem sind sie sehr teuer. Unsere echten Hits heißen laut Esser: Sauerkraut, Rote Beete (senkt den Blutdruck), Kürbis, Leinsamen (enthält „die guten“, ungesättigten Fettsäuren) oder Blaubeeren (Antioxidantien).

Kölsche Küche: Doc Esser bricht Lanze für Brauhaus-Speisen und mehr

Sein grundsätzlicher Tipp für eine bessere Ernährung: „Wir sollten uns wie ein Vegetarier ernähren, der ab und zu ein Stück Fleisch isst. Und ich rate dazu, dass wir uns saisonal und regional ernähren. Ich habe noch nie verstanden, warum man im Winter Erdbeeren braucht“, so Esser und bricht dann eine Lanze für die kölsche Küche, weil hier saisonale und regionale Lebensmittel eine große Rolle spielen.

Doc Esser mit seinem neuen Buch: Health Food - Rock'n Roll

Der Kölner und TV-Arzt Doc Esser (47) mit seinem neuem Buch: „Health Food - Rock'n Roll“. 

„Man muss die kölsche Küche absolut genießen. Die gehört zu unserer Tradition, und die Gerichte schmecken einfach gut. Generell konsumieren wir aber zu viel Fleisch. Wenn wir uns aber unter der Woche gut ernähren, schön pflanzlich und vegetarisch – dann kann man sich am Wochenende auch mal ungezügelt „Himmel un Äd“ oder einen Mett-Happen reinfahren“, lacht Esser. Die fleischlastige Kölner Küche, kann jedoch laut dem TV-Arzt auch mit einigen gesunden Alternativen aufwarten:

  • Ähzezupp (Erbsensuppe, aber ohne Speck!) – „Hülsenfrüchte sind ein wertvoller Fleischersatz“, sagt Doc Esser.
  • Schavu, des Kölners Wirsing (Geschmorter Wirsing mit Speck und Zwiebeln) – „supergesunde Nährstoffquelle, weil Kohl sehr kalorienarm ist und viel pflanzliches Eiweiß enthält.“
  • Quallmann met Klatschkies (Kartoffeln mit frischem Kräuterquark – kennt man auch unter dem Namen: „Folienkartoffel“) „Das sind tolle Sattmacher! Das Gericht enthält hochwertiges Eiweiß und es braucht kein Magerquark zu sein. Fettreicher Quark geht auch. Kartoffeln enthalten zwar viele Kohlenhydrate, geben aber auch viel Power. Mein Tipp: Etwas Leinöl dazu, dann hat man noch viele ungesättigte Fettsäuren dabei.“
  • Miesmuscheln alias Moschele von Kölle (in Weißweinsud mit viel frischem Wurzelgemüse, Lorbeer und Piment). Die kommen in Köln nur von September bis Februar in den Topf. „Die enthalten viel Eiweiß, wenig Fett und Vitamine (B1 bis B6). Natrium, Kalium, Phosphor und Magnesium und Kalzium sind ebenfalls enthalten. Aber: Je nach Wasserqualität können die Muscheln auch Toxine enthalten. Daher: Bei diesem Gericht aber immer aufpassen, wo die Muscheln herkommen.“

Doc Esser: Lieber weniger Fleisch – sonst steigt das Darmkrebs-Risiko

Unter der Woche sei die Devise: Je weniger Fleisch, desto besser. Wer täglich Aufschnitt auf seinem Brot zu sich nehme, müsse sich dann am Wochenende mit Fleischgerichten im Brauhaus einschränken. Noch seien die Auswirkungen von zu viel rotem Fleisch auf unser Herz-Kreislauf-System noch nicht abschließend erforscht.

Doch zum Beispiel das Risiko für Darmkrebs sei durch einen zu hohen Fleischkonsum erhöht. In Doc Essers neuem Buch: „Health Food – Rock’n Roll“ geht der beliebte TV-Arzt auf weitere Details zu einer guten Ernährung ein. Doch das Wichtigste sei: „Wir müssen Spaß an der Ernährung haben, nur dann haben wir auch Spaß am Leben und sind zufrieden“, so der abschließende Appell des Arztes.

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