Mitten im Veedel Unglaublich: In dieser Kölner Straße wurde Falschgeld für halb Europa gedruckt

Blick in die Wormser Straße in der Kölner Südstadt.

Die Wormser Straße in der Kölner Südstadt am 30. Juli 2021: In einem der Häuser stand die Werkstatt eines Geldfälschers, der jetzt in U-Haft sitzt.

Es ist nach Einschätzung des Bundeskriminalamts eine der größten Falschgeld-Produktionen der vergangenen Jahre, die jetzt aufgeflogen ist. Die Fälscher-Werkstatt befand sich mitten in Köln: Von der Kölner Südstadt aus wurden Blüten in halb Europa in den Umlauf gebracht.

Köln. Einen Farbdrucker, Laptop mit Internetanschluss und ein sehr hohes Maß an krimineller Energie: Mehr braucht es heutzutage nicht, um Falschgeld herstellen zu können. Sagt Markus Hartmann von der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime (ZAC NRW), und Markus Koths vom Bundeskriminalamt sowie Kölns Kripo-Chef Klaus-Stephan Becker pflichten ihm bei.

Die Drei stehen am Freitag, 30. Juli, im Kölner Polizeipräsidium und präsentieren das vorläufige Ergebnis eines bundesweiten Ermittlungsverfahrens, das „aus dem Rahmen fällt“, wie es Becker formuliert. Denn: Von Köln aus wurden den Ermittlern zufolge mindestens 80.000 Euro Falschgeld in den Umlauf gebracht. 240.000 Euro hätten es mit den der Fälscher-Werkstatt entdeckten Materialien sein können.

Südstadt Köln: Polizei gelingt Schlag gegen Drucker von Falschgeld 

Der Ort der Blüten-Produktion, 20er, 50er und 100er-Scheine, befand sich mitten „em Veedel“, in der Kölner Südstadt. Nach EXPRESS-Informationen befand sich die Fälscher-Werkstatt an der Wormser Straße. Betrieben von einem 33 Jahre alten Mann aus dem Rhein-Erft-Kreis, der bei der Polizei kein Unbekannter ist. Nach Angaben von Kripo-Chef Becker war er erst im September 2020 aus der Haft nach zuvor begangenen Drogen-Delikten entlassen worden.

Falschgeld-Scheine liegen im Kölner Polizeipräsidium auf einem Tisch.

Einige der Blüten liegen am Freitag, 30. Juli, im Polizeipräsidium aus. Die Qualität sei nicht überragend, so die Ermittler, aber ausreichen, um damit in vielen Läden bezahlen zu können.

Schon wenig später muss sich der Tatverdächtige dem Falschgeld zugewandt haben. Im November 2020 nämlich informierte ein Kölner Geschäftsmann die Polizei, nachdem er einen Brief mit einer unzustellbaren Postadresse erhalten hatte. Nur: Der Mann hatte diesen Brief, in dem sich Falschgeld befand, gar nicht abgeschickt.

So kamen die Ermittler dem Fälscher auf die Schliche, der offenbar mit falschen Absendern die Blüten an potenzielle Kunden verschickte.

Auf einem Tisch stehen das Werkzeug der Falschgeld-Produzenten, ein normaler Drucker und ein Laptop.

Mit diesen Werkzeugen gingen die Tatverdächtigen vor: Auf dem Tisch des Kölner Polizeipräsidiums stehen unter anderem ein Farbdrucker sowie ein Laptop.

Wie die Kölner Polizei am Donnerstag bereits berichtet hatte, fanden am 14. und 15. Juli große Razzien statt. Mehr als 90 Beamte der Kölner Polizei waren beteiligt. Freitag wurden weitere Einzelheiten bekanntgegeben: Zwei sogenannte „Reseller“, also Personen, die die Blüten ankaufen und etwa im Darknet weiterverkaufen, wurden ebenso festgenommen. „Für 1000 Euro Falschgeld haben sie 200 Euro erhalten“, sagt Becker.

Klaus-Stephan Becker, Kölner Direktionsleiter Kriminalität, hält Falschgeld in der Hand.

Kölns Kripo-Chef Klaus-Stephan Becker präsentiert am Freitag, 30. Juli, den Ermittlungserfolg im Polizeipräsidium und hält einige der Blüten in den Händen.

Dabei handelt es sich um einen 40-Jährigen, der aus Baden-Württemberg stammt, sowie einen 26-jährigen Berliner. Er konnte durch sogenannte Scheinankäufe der Tat überführt werden. Er ist laut Berliner Polizei dringend verdächtig, sich mindestens 600 Falschgeldscheine („56.000 Euro“) verschafft und die Falschnoten über „Telegram“ zum Verkauf angeboten zu haben.

Falschgeld in Köln für halb Europa produziert: Drei Tatverdächtige in U-Haft

Alle drei Tatverdächtigen befinden sich in U-Haft. Mit weiteren Beteiligten in dem Fall wird gerechnet, die Ermittlungen sind nach Behördenangaben noch nicht abgeschlossen.

Viele Blüten wurden inzwischen auch in mehreren europäischen Ländern sichergestellt. Ihre Qualität ist nach Angaben der Ermittler ausreichend, um damit in kleineren Läden wie Kiosken bezahlen zu können. Gleichwohl: „Einer Überprüfung an einem der Geräte in Supermärkten etwa würden die Scheine nicht standhalten“, so Becker.

Notwendige Materialien, wie Halogramme (Glanzstreifen), stammen aus China. Das Darknet sei hier Quelle und Austausch hoher krimineller Energie. Nach Angaben des Bundeskriminalamts wurde im vergangenen Jahr 140.000 Falschnoten in Deutschland festgestellt – 71,7 Prozent mehr als im Vorjahr.

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