Corona-Rassismus? Irre Panik in Köln: Mutter flüchtet mit Tochter vor Chinesen

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Yen Souw Tain, Chef des Heng Long Supermarktes Köln.

Köln – Die weltweite Angst vor dem Coronavirus hat zu einem bizarren Vorfall in dem bekannten Kölner Asia-Markt „Heng Long“ an der Aachener Straße nahe Universitätsstraße geführt.

Die panische Szenerie wirft ein Schlaglicht darauf, dass die ganz subjektive Sorge vor einer Ansteckung offenbar in generelle Ausgrenzung und Rassismus umschlagen kann.

Coronavirus: Angst in Köln

Das war passiert: Den bekannten Markt, der seit 20 Jahren als Institution für asiatische Spezialitäten in Köln gilt, betrat eine Mutter mit ihrer Tochter. Bei dem Kauf von Sojabohnen, der offenbar im Eiltempo ablief, forderte sie ihr Kind auf, sich den Schal vor den Mund zu halten, um sich bei den Verkäufern nicht mit dem Virus anzustecken.

Die Tochter habe noch gefragt, ob denn alle Chinesen krank seien. Schnell bezahlten die beiden und eilten aus dem Laden. 

Die Nix-wie-Weg-Aktion der beiden brachte Geschäftsführer Yen Souw Tain auf die Barrikaden. Er fühlte sich als Chinese diskriminiert, rassistisch beleidigt und als Mensch zweiter Klasse degradiert. Die Wut des 32-Jährigen war so groß, dass er auf Facebook einen eindringlichen Appell an die Öffentlichkeit richtete. Überschrift: Wir sind nicht der Virus! Die Resonanz ist heftig.

Coronavirus: Asiaten in Köln ausgegrenzt

Yen Souw Tain ist immer noch perplex und berichtet dem EXPRESS von einer „Schockstarre“, die er angesichts des Vorfalls erlebt habe.

„So etwas ist uns in Köln noch nie passiert. Noch nie mussten wir uns mit dem Thema Rassismus auseinandersetzen”, sagt er.

„Aber die Realität sieht für Chinesen, Koreaner oder Thailänder derzeit ganz anders aus. Viele werden jetzt in der Öffentlichkeit ausgegrenzt.“

Der Supermarkt neben der Aral-Tankstelle ist seit Jahren Anlaufpunkt für Asiaten, die in Köln leben oder arbeiten: „Viele private Kunden, aber auch Gastronomen oder Studenten, die aus China kommen, kaufen bei uns ein. Das Thema bewegt alle.“

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In diesem Supermarkt an der Aachener Straße passierte der Zwischenfall.

Tains Familie hat auch Verwandte in China und macht sich große Sorgen. „Sie leben allerdings in der Nähe von Hongkong, wo der Virus sich offenbar noch nicht so stark verbreitet hat. Wir können nur hoffen, dass sich die Lage bald beruhigt.“

Coronavirus: Reaktionen aus Köln

Die Reaktionen auf den Facebook-Post sind teilweise heftig. Ein User schreibt: „Waren erst am letzten Wochenende Chinesisch essen – in Mailand! Die Besitzerin klagte auch bereits über ausbleibende Gäste. Schlimm!“

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Ein anderer fragt: „Unglaublich. Wie würden die sich fühlen, wenn in Deutschland ein Virus ausbricht und deswegen weltweit alle Deutschen, andere Europäer und europäisch aussehenden Menschen gemieden werden würden?“

Manche nehmen die Sache mit schwarzem Humor: „Ich habe eine alte chinesische Vase. Ist die ansteckend?“

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