Köln „Könnte Grund sein”: Peter Brings mit ehrlichen Worten zu Karneval und Corona

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Peter Brings im Blücherpark.

Köln – Zuhause sitzen. Im Garten abhängen. Sinnieren.

Corona zwingt uns alle zum Entschleunigen. Als EXPRESS Peter Brings im heimischen Ehrenfeld erreicht, spürt man beim Kölschrocker einen nachdenkliches Widerhall.

Das Interview mit dem Frontmann zur Corona-Krise aktuell.

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Brings: Ich bin vorzeitig aus dem Urlaub von Mallorca zurück, das war mir nicht geheuer, als die Reisewarnung für NRW kam. Ich wusste schließlich nicht, ob man dann bald überhaupt zurück kann.

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Wie erleben Sie die Krise?

Brings: So was gab's noch nicht. Ich bin nicht total am Boden, ich sage mir: Irgendwie kriegen wir das hin die nächsten paar Monate. Das Allerschlimmste wäre, dass jemand, den du kennst, nicht mehr da ist wegen Corona. Denn klar ist ja: Was in Italien passiert, macht einem Angst.

Ich sitze in meinem Garten, gehe mit dem Hündchen um den Block. Ich hoffe, dass die Kids mir nicht die Bude abreißen und dass der Wein mir nicht ausgeht. Wir werden mit der Band jetzt früher und mehr ins Studio gehen, die Konzerte werden ja verschoben.

Haben die Kölner den Ernst der Lage realisiert?

Brings: Na ja. Im Blücherpark hier sitzen viele Kids noch zusammen. Dabei ist es ist ja so, dass die Schulen geschlossen werden, eben damit die Leute nicht in großen Gruppen zusammen sind. Die Leute müssten kapieren, dass man in seiner Bude bleibt und keine Freunde trifft, die Kette muss unterbrochen werden.

Heilfroh, dass die Krise nicht in den Karneval fiel?

Brings: Für die Bands und Gastronomen speziell war es gut, dass Karneval stattgefunden hat, aber vielleicht war er mit der Auslöser für das, was jetzt passiert.

Wir haben jeden Tag sechs Wochen gespielt. Ich bin durch Massen durch mit Umarmungen und Abküssen. Da wird man schon nachdenklich.

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Brings auf dem Rosenmontagszug mit seinem Freund Volker Struth.

Hätte man früher die Veranstaltungen canceln und die Gastro schließen sollen?

Brings: Hätte, würde ... Es geht nicht darum, was wir wollen, sondern was die Experten sagen. Da hat die Kanzlerin in meinen Augen Recht. So richtig weiß keiner, was er machen soll. Man kann nur darauf hoffen, dass einer ein Gegenmittel, einen Impfstoff findet.

US-Präsident Donald Trump soll eine deutsche Firma versucht haben zu beeinflussen in dieser Sache ...

Brings: Der Trump hat sie nicht alle. Er hört nicht auf seine Wissenschaftler. Bevor er kacken geht, twittert er lieber irgendeinen Scheiß.

Der deutsche Milliardär Dietmar Hopp soll ihn dabei eingebremst haben.

Brings: Habe ich gelesen. Dieser Hopp, wenn er das Patent zugänglich macht, damit sich jeder impfen kann, dann ist er Jesus. Das, was er da getan hat, spricht für ihn, wenn er sagt: Ich möchte, dass das jedem zugänglich ist.  

Erdet uns Corona gerade als Gesellschaft?

Brings: Ja. Es ist biblisch. Das Level, auf dem wir leben, wird auf den Knochen der anderen Menschen erzeugt, das merkt man bei der Pandemie. Denn jetzt auf einmal bleibt alles stehen, das Hamsterrad bleibt stehen.

Peter Brings: An eine Pause dachten wir schon oft

Jetzt kümmern sich alle um ihre Kinder. Wissen Sie: Wir haben als Band manchmal total überlegt, ob wir mal ein halbes Jahr Pause machen sollen. Ach ne komm, war dann kurz danach die Antwort, das hat nie geklappt. Und jetzt sitzen wir da und sind gezwungen, uns das alles anzugucken.

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Der Starsänger in seinem Element.

Tun Ihnen die Gastronomen und Veranstalter besonders leid?

Brings: Ja. Meine besten Kumpels machen bekannte große Kneipen. Für sie ist es der Horror. Einer hat 40 Angestellte. Was meinen Sie, was da los ist? Wenn du als Gastronom Mieter bist ohne Einnahmen und der Eigentümer sagt: Ich brauche die Miete selbst für einen Kredit, was willst du machen? Du bist platt.

Köln wird eine solidarische Mentalität zugeschrieben. Kann das jetzt helfen? 

Brings: Solidarisch zusammenhalten muss man jetzt, ja. Ich hoffe, es geht an uns das Schlimmste vorbei. Am Ende wird man sehen, ob mer stonn zesamme ein Spruch ist – oder Köln.

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