Ob Black-Friday-Schnäppchen oder der erste Glühwein: Tausende strömten am Samstag in die Kölner City und sorgten für pures Chaos. Mittendrin ein Mann mit einer schweren Mission – und einer klaren Meinung.
Shopping am Advents-WochenendeTausende strömen in die Kölner City

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29.11.2025, Köln: 1. Adventssamstag in der City: So voll ist die Stadt. Schildergasse. Foto: Martina Goyert.....
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Während sich am ersten Adventssamstag die Menschenmassen durch die Schildergasse schieben, hat einer die Nase gestrichen voll. „Das ist ungefähr der bescheuertste Tag, um so etwas zu machen“, stöhnt Jan N. (26) und setzt seinen riesigen Karton am Wegesrand ab.
Darin: eine neue Siebträgermaschine für Espresso, geschätzte sechs Kilo schwer. Die Arme schmerzen, der Weg vom Mediamarkt auf der Hohe Straße ist ein einziger Hindernislauf. Aber das Warten auf den Paketboten? Keine Option! „Online waren mir die Versandzeiten zu lang“, erklärt er im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.
So wie Jan N. wollten am Samstag (29. November 2025) noch viele andere ihr Glück versuchen. Die Geschäfte lockten einen Tag nach Black Friday mit letzten Rabatten und die Händler und Händlerinnen hofften zum Start ins Weihnachtsgeschäft auf klingelnde Kassen.
Doch der Ansturm bei schönstem Wetter hatte seinen Preis. Gegen 15 Uhr war die Stadt brechend voll. Vor den Parkhäusern am Neumarkt stauten sich die Autos, viele Fahrer und Fahrerinnen gaben entnervt auf und suchten woanders ihr Glück. Am Theaterparkhaus leuchtete es unbarmherzig rot: „besetzt“.
Trotzdem reihten sich Wagen an Wagen in die Warteschlange, blockierten die Straße. Die Kennzeichen verrieten: Die Menschen kamen von überall her – aus der Umgebung, aus Hamburg, Berlin und sogar aus Belgien, Nordfrankreich oder den Niederlanden.

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Jan N. hat sich eine Siebträgermaschine im Black-Friday-Angebot gekauft. Er hat die Menschenmengen unterschätzt und braucht eine Pause.
Ein paar Stunden früher auf dem Neumarkt: Auf dem „Markt der Engel“ ist es zwar gut besucht, aber noch ist Platz zum Atmen. Ein echter Hingucker: Florian, Imke, Sabine Breitenbach und Nina Glöckler mit ihren selbstgemachten Tannenbaummützen.
Nina Glöckler aus Bayern hat die kleinen Kunstwerke liebevoll für das jährliche Geschwistertreffen gehäkelt. „Einen Monat habe ich für sie gebraucht“, verrät sie. Eine Passantin aus Amsterdam will sie sofort kaufen – doch die Mützen sind unverkäuflich und Teil eines Spiels: „Wem eine Kugel kaputtgeht, muss die nächste Runde Glühwein ausgeben“, lacht Glöckler.

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Florian Breitenbach (v.l.n.r.), Nina Glöckler, Imke Breitenbach und Sabine Breitenbach: Für ihr jährliches Geschwistertreffen hat Nina Glöckler extra Tannenbaummützen gehäkelt.
Fotografin und Händlerin Heike Frielingsdorf kennt den Trubel seit zehn Jahren. „Der Geschenkedruck ist in den letzten zwei Wochen vor Weihnachten groß. Es ist dann nicht unbedingt voller als heute, aber die Leute kaufen einfach mehr“, sagt sie.
Ihre Köln-Motive seien bei Kunden und Kundinnen sehr beliebt. „In den ersten Wochen schauen die Leute, merken sich den Stand und kommen später wieder.“

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Händlerin und Fotografin Heike Frielingsdorf betreibt seit zehn Jahren ihren Stand auf dem Weihnachtsmarkt.
Auch Beate (67) aus Olpe ist mit ihren Freundinnen begeistert. Sie beenden ihre Flusskreuzfahrt auf dem Rhein mit einem Abstecher in die Domstadt. „Ich liebe die Weihnachtsmärkte in Köln, das sind die schönsten für mich“, schwärmt sie.
Weiter auf der Schildergasse. Hier tobt das Leben! Es scheint, als gäbe es für Straßenmusiker und Straßenmusikerinnen Hochsaison. Alle 20 Meter ein anderer Sound: „Jingle Bells“ als Balkanversion, gefolgt vom Leierkasten-Mann und einer weiteren Band, die „Feliz Navidad“ schmettert. Die Passanten und Passantinnen filmen, werfen Münzen in die Hüte oder ziehen unbeeindruckt weiter.

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Beate (67, l.) aus Olpe macht mit ihren Freundinnen einen Stopp in Köln. Sie haben eine Flusskreuzfahrt auf dem Rhein gemacht.
Um Aufmerksamkeit buhlen auch religiöse Gruppen mit „Gratis-Bibeln“ oder Gesängen. Mittendrin zieht Aynie (29) aus dem Libanon einen schwarzen Trolley hinter sich her. „Den Koffer habe ich dabei, um die neuen Sachen dort zu verstauen“, erklärt sie. Sie ist zu Besuch in Köln, die Stadt für sie ein Shopping-Paradies.
Auf der Hohe Straße sieht man allerdings wenige Menschen mit vollen Tüten. Hier bilden sich Schlangen vor allem vor den Imbissbuden. Zwischen Leerständen und Baustellen, die die Gasse noch enger machen, staut es sich gewaltig.
In jeder Nebenstraße wachen Sicherheitskräfte in gelben Westen. Ihr Auftrag: Im Fall eines zu großen Andrangs oder gar einer Panik sollen sie eingreifen und notfalls die Zugänge sperren. Noch ist es ruhig, doch die Anspannung steigt mit jeder Stunde.

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Martin Larkman (M.) und Vicky Aidoos (2.v.r) mit Familie aus dem englischen Suffolk sind extra für die Kölner Weihnachtsmärkte angereist.
Am Weihnachtsmarkt am Dom schließlich das große Finale: Am Eingang knubbelt es sich, ein einziges Geschiebe zwischen Koffern und Kinderwägen. Man hört Niederländisch, Französisch, Englisch – Deutsch nur vereinzelt. Ein stechender Käsegeruch vom Raclette-Stand hängt in der Luft, nicht jeder rümpft erfreut die Nase. Vor den Essens- und Glühweinständen ist der Andrang am größten.
Zum ersten Mal überhaupt in Deutschland sind Martin Larkman und Vicky Aidoos mit ihrer Familie aus dem englischen Suffolk. Ihr Hauptgrund: die Kölner Weihnachtsmärkte! Auch den Glühwein haben sie probiert. „Wir haben den Malzwein, aber wir mögen den nicht gern. Den weißen Glühwein hier fanden wir hingegen echt gut“, freut sich Aidoos. (red)
