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Abriss-Plan immer verrückterKölner Brücken-Wahnsinn – Anwohner stinksauer

Die Brücke der Straße Am Flachsrosterweg in Köln-Mülheim über die dortigen Eisenbahngleise soll abgerissen werden.

Copyright: Alexander Schwaiger

Die Brücke der Straße Am Flachsrosterweg in Köln-Mülheim über die dortigen Eisenbahngleise soll abgerissen werden.

350 wütende Anwohner, ein geheimer Plan und eine Brücke, die das ganze Veedel in Aufruhr versetzt – Köln-Höhenhaus kämpft.

Paukenschlag im Veedel! Nur drei Tage nach dem Aufruf strömten am Samstag (18. April) rund 350 Bürger zur Kundgebung „Am Flachsrosterweg“ in Köln-Höhenhaus.

Der Grund: Die Stadt will ihre marode Autobrücke über die Eisenbahngleise abreißen – und durch einen Übergang ersetzen, der für Autos gesperrt bleibt. Mindestens bis 2032. Die Anwohner sind fassungslos.

Demo in Höhenhaus: „Die Brücke muss bleiben!“

Die Brücke „Am Flachsrosterweg“ ist eine der beiden Hauptrouten aus der Siedlung Schönrath. Über sie gelangen täglich Tausende zur Autobahn, nach Stammheim oder zum S-Bahnhof.

Das Mobilitätsdezernat der Stadt Köln plant nun, die marode Konstruktion abzureißen und durch einen provisorischen Übergang nur für Fußgänger und Radfahrer zu ersetzen. Für Autofahrer: Totalsperre – auf unbestimmte Zeit.

Rund 3500 Menschen sind direkt betroffen. Und der Zeitdruck ist enorm: Abriss und Neubau müssen zwischen Mai und Juli stattfinden, wenn die Deutsche Bahn die Strecke ohnehin sperrt. Wer diese Frist verpasst, riskiert, dass die Stadt einen teuren Schienenersatzverkehr selbst bezahlen muss. Im schlimmsten Fall: Die Brücke fällt einfach weg – ohne jeden Ersatz.

Was die Menge besonders aufbringt: Angeblich hatte das Mobilitätsdezernat ursprünglich vor, das Ganze als „Geschäft der laufenden Verwaltung“ durchzuziehen, also komplett an der Politik vorbei. Weil die Kosten für Abriss und Neubau über einer Million Euro liegen, war das rechtlich zum Glück nicht möglich.

Teilnehmer der Demo am Flachsrosterweg

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Teilnehmer der Demo am Flachsrosterweg

Bezirksbürgermeister Vincent Morawietz enthüllte auf der Kundgebung eine weitere Ungeheuerlichkeit: Als die Bezirksvertretung fragte, ob man sich konzeptionell mit der Verkehrssituation nach dem Abriss auseinandergesetzt habe, antwortete die Verwaltung sinngemäß: „Stimmen Sie erst mal zu, das machen wir danach.“ Eine eigenartige Reihenfolge, wie Morawietz zu Recht feststellte.

Noch brisanter: Das Dezernat plante angeblich den Abriss bereits seit Mitte 2025 – aber kein Wort davon an Politik oder Bevölkerung bis Januar dieses Jahres.

Vier Alternativen, nur eine wurde gezeigt

Stadtratsmitglied Eric Haeming und CDU-Chef Dr. Thomas Portz setzten noch einen drauf: Der Verwaltung lagen offenbar nicht eine, sondern vier Brücken-Alternativen vor – drei davon mit Autoverkehr! Dennoch präsentierte das Dezernat ausschließlich die Variante ohne Autos und versuchte, diese unter enormem Zeitdruck durchzusetzen. Heißt es in einer Mitteilung der Initiative.

Als die Bezirksvertretung dagegen eine einspurige Autobrücke mit Ampelschaltung forderte, soll das Dezernat mit einer dreisten Gegenforderung gekontert haben: Die Bezirksvertretung solle die Mehrkosten selbst finanzieren – wohlwissend, dass BVen über kein derartiges Budget verfügen.

Dr. Portz zeigte sich trotzdem kämpferisch: „Ich kann mir gut vorstellen, dass im Etat des Dezernates Mobilität die Mehrkosten durchaus gedeckt werden könnten, indem z.B. beschlossene Projekte, die günstiger abgewickelt werden können, kostenmäßig geprüft würden.“

Alexander Dick, Anwohner der Siedlung Schönrath in Köln-Höhenhaus

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Alexander Dick, Anwohner der Siedlung Schönrath in Köln-Höhenhaus

Viele Teilnehmer der Demo am Samstag kamen aus umliegenden Stadtteilen. Sie fürchten ein ähnliches Verkehrschaos in ihren eigenen Veedeln.

Die Initiatoren Alexander Dick und Mario Görög von der Anwohnerinitiative „Die Brücke muss bleiben“ zeigten sich kämpferisch. Noch am selben Tag wurde eine Petition gestartet.

Und: Ausgerechnet in diesen politisch aufgeladenen Zeiten macht Mülheim vor, was im Bund oft fehlt – SPD und CDU ziehen gemeinsam an einem Strang. „Ein gutes Gefühl für die nächsten Schritte, die wir entschlossen gemeinsam gehen werden“, heißt es in einer Stellungnahme der Initiative.

Ob das reicht, um die Brücke zu retten – das entscheidet sich in den nächsten Wochen. (mt)

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