Köln – Seine Kritik sorgt für Wirbel im Netz: Der finnische Student Juuso Nisula kam nach Köln, um an der Uni BWL zu studieren. Doch sein Urteil über die Zeit in der Domstadt fällt gar nicht positiv aus...
Auf seinem Blog „Muuttolinnun tarinoita“ zieht Nisula öffentlich über die Zustände an der Uni zu Köln her und rät allen Lesern: „Studiert nicht in Deutschland.“ Er wünschte sich die deutsche Effizienz, bekam allerdings nur Vorlesungen, die Monologe gewesen seien, ein Prüfungsamt, das Klausuren an Karneval plane und Dozenten, die Hausarbeiten nur auf Papier oder CD entgegennehmen würden. Und weil der BWL-Student nicht nur über das Uni-System lästern möchte, hat er zu jedem Mangel einen Lösungsvorschlag:
Nisula vermutet, dass die Pädagogik seit der Unigründung im Jahr 1388 nicht mehr geändert wurde. Die Vorlesung besteht aus einem anderthalbstündigem Monolog, der mitgeschrieben werden muss. Verpasst man kurz etwas oder ist zu langsam, fehlen Notizen und an der anschließenden Übung kann nicht richtig teilgenommen werden. Außerdem müssen diese Notizen zur Klausurvorbereitung genutzt werden. Ein paar Monate nach der Vorlesung müssen diese Hieroglyphen entziffert werden.
Die Lösung:
Die Vorlesung ins Internet stellen! So haben die Übungen auch viel mehr Wert.
Es fehlte Nisula an der persönlichen und akademischen Weiterentwicklung. Er schrieb in zehn Fächern acht Klausuren, vermisste allerdings Fallbeispiele, Präsentationen, Essays, Lerntagebücher, kritisches Denken oder Feedback. Es geht nur darum, alles verzweifelt auswendig zu lernen.
Die Lösung:
Nisula wünscht sich Hausaufgaben, um auch während des Semesters etwas lernen zu können und möchte Methoden und Theorien auch praktisch anwenden.
In Köln ist eine Klausur ein Rennen gegen die Zeit. Man hat meistens 60 Minuten für 20 Fragen. Dabei geht es nicht darum, das Verständnis zu testen, sondern nur darum, in möglichst viel Zeit möglichst viele Fragen zu beantworten.
Die Lösung:
Verständnis-Fragen! Nisula wünscht sich Klausuren, die über Stunden angesetzt sind und ihn an seine geistigen Grenzen bringen.
Der Studierendenausweis ist ein Stück Papier, das nicht laminiert werden darf. Da es ohne Foto gedruckt wird, muss immer der Personalausweis mitgeführt werden. Für die Mensa, die Bibliothek und den Kopierer gibt es Extra-Karten. Und einen Prüfungsausweis, um einen Klausurraum betreten zu können!
Die Lösung:
Eine Studentenkarte für alle Bereiche!
Aber hier bleibt Nisula fair: Die Uni Köln plant die Einführung einer solchen Karte für das Wintersemester 2015/16.
Dort arbeiten Leute, die die Klausuren organisieren und den Prüfungsmonat so einteilen, dass die Klausuren auf die Karnevalstage fallen. Wenn du um Rat bittest, musst du dir „Nicht mein Problem“ anhören. Außerdem weigert sich das Amt, E-Mails zu schreiben.
Die Lösung:
Nisula fordert eine Abschaffung des Prüfungsamtes. Überall anderswo läuft es ohne Amt und es läuft besser.
Verschiedene Online-Systeme sollen den Studierenden helfen, doch alles ist ein absolutes Chaos. Die englischen Links funktionieren nicht und oft weiß man nicht, wo man etwas findet. Hausarbeiten musste Nisula auf Papier abgeben und nicht als PDF-Datei, die Quellen sollten auf einer CD abgespeichert und abgegeben werden.
Die Lösung:
Benutzer-Feedback, Übersetzungen und die Alternative für CD's erspart sich Nisula dann doch...
Es gibt keine Räume, die für freie Arbeit genutzt werden können. Es gibt kaum freie Computer oder Arbeitsplätze. Die einzigen Arbeitsplätze gibt es sonntags nur in der Bibliothek, wo es an Steckdosen mangelt.
Die Lösung:
Mit der Studentenkarte sollte man auch sonntags in die Uni kommen.
Kommunikation gibt es nicht. Kurz vor dem Semester weiß man nicht, welche Kurse es geben wird. Klausurnoten kommen Monate später an und Kurse werden plötzlich nicht mehr auf Englisch sondern auf Deutsch gehalten.
Die Lösung:
Informationen pünktlich weiterreichen.
Das sagt die Uni Köln
Die Universität zu Köln hat auf den Blogbeitrag von Nisula reagiert. Auf Facebook postete die Uni einen Bericht der „Zeit“ über den Blogbeitrag. In dem Artikel nimmt die Uni zu den Vorwürfen Stellung. Die Prorektorin für Internationales erklärt: „Wir werden ab dem kommenden Semester mehr Seminare anbieten, auch die Anzahl der englischsprachigen Angebote wird ausgedehnt. Und, ja, über die Ästhetik von E-Learning Plattformen kann man streiten, aber unsere Infos.“
Die Prorektorin stellt in dem Bericht außerdem klar: „Wir heißen Studierende aus aller Welt willkommen und sind eines der wenigen Länder, welches eine anerkannte Ausbildung OHNE Studiengebühren anbietet.“
Studenten stimmten der Kritik zu
Unter dem Post wird nun wild diskutiert. Die meisten Studenten, die dort kommentierten, stimmten der Kritik zu.
Kommentare wie „Unikarte kommt ja bald, alles andere stimmt und wird sich wahrscheinlich nie ändern“, „Kommt mir ziemlich bekannt vor. Seit meinem Abschluss im Jahr 2000 scheint sich gar nichts geändert zu haben.“ oder „Universitäten in Schweden und Dänemark sind auch frei von Studiengebühren und da läuft es trotzdem besser. Schlecht Ausrede Uni Köln“ spiegeln die Stimmung der Studenten wieder.
Daraufhin reagierte die Universität erneut auf Facebook. „Wir nehmen das ernst. Eine Sache nur: Die Studierenden der Doppelmasterstudiengänge an der WiSo-Fakultät werden von den Mitarbeiter/innen des Zentrums für internationale Beziehungen (ZIB) persönlich betreut.“ heißt es. Außerdem habe jeder Studierende einen persönlichen Ansprechpartner. „In dem konkreten Fall haben wir nachgefragt. Juuso Nisula hat während seines Studiums leider nie direkt seine Probleme angesprochen. Wir hätten ihm helfen können.“
(thd)

