Eine Ex-Mitarbeiterin der Kölner CDU steht vor Gericht. Es geht um Unterschlagung und Diebstahl.
26.000 Euro für Karnevalstickets unterschlagen?Kölner CDU zerrt Ex-Sekretärin vor Gericht

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Die Beschuldigte mit ihrer Verteidigerin Eva Kuhn beim Prozess im Kölner Amtsgericht.
Aktualisiert
Schwere Vorwürfe stehen im Raum, mit denen sich eine ehemalige Assistentin (50) der Kölner CDU-Kreisgeschäftsstelle seit Donnerstag vor dem Amtsgericht auseinandersetzen muss. Die Sekretärin der Geschäftsführung soll laut Anklage in zahlreichen Fällen Gelder von Parteimitgliedern und Sympathisanten veruntreut und in den Tresor der Dienststelle gegriffen haben.
Selbst vor der Kaffeekasse der Kollegen und Kolleginnen soll sie nicht Halt gemacht haben, so die Staatsanwaltschaft. Die Angeklagte selbst äußerte sich zum Prozessbeginn nicht.
Anklage: Gelder für Karnevalstickets in die eigene Tasche gesteckt?
Die damalige Assistentin war offenbar auch für die Verwaltung von Eintrittsgeldern für zwei Karnevalsveranstaltungen zuständig. Dabei handelte es sich um die Sitzung der Kölner CDU im Maritim-Hotel am 12. Januar 2024 und die Veranstaltung „Löstige Demokraten“ im Rahmen der „Lachenden Kölnarena“ am 1. Februar 2024.
Das Vorgehen bei der Maritim-Sitzung soll wie folgt gewesen sein: Mitglieder der Partei kamen in die Geschäftsstelle, orderten ihre Karten und bezahlten die Summen bar. Es gab dabei Großbestellungen von fast 6000 Euro, aber auch kleinere Summen bis 50 Euro. In einigen wenigen Fällen sollen die Gelder für die Tickets sogar auf das private Konto der heute 50-Jährigen geflossen sein.
Die so erhaltenen knapp 26.000 Euro soll die Angeklagte für sich behalten und ihre „berufliche Stellung bewusst ausgenutzt“ haben, wie es in der Anklageschrift heißt. Die Staatsanwältin erklärte in Saal 15 des Gerichts, dass die Frau sämtliche Gelder für andere Zwecke ausgegeben habe.
Des Weiteren wird der Sekretärin vorgeworfen, Eintrittskarten für die „Lachende Kölnarena“ mit einem Gesamtwert von 10.248 Euro angenommen und unterschlagen zu haben. Das für die CDU vorgesehene Kontingent der Lanxess-Arena soll sie privat weiterveräußert und das Geld ebenfalls für sich behalten haben. Ein Apple MacBook im Wert von 1000 Euro soll die CDU-Mitarbeiterin ebenso entwendet und sogar die Kaffeekasse der Kollegen und Kolleginnen in der Geschäftsstelle geleert haben, in der sich 208 Euro befunden haben sollen.
Selbst das Geld für ein Abschiedsgeschenk soll sie gestohlen haben
Insgesamt 49 Fälle von Unterschlagung und Diebstahl führt die Staatsanwaltschaft auf. Der letzte Vorwurf wiegt besonders schwer: Aus einem verschlossenen Tresor soll die Assistentin 200 Euro gestohlen haben. Laut Anklage stammte das Geld aus einer Sammlung unter Kollegen und Kolleginnen und war für ein Abschiedsgeschenk für die scheidende Geschäftsführerin Paloma Krassa bestimmt. Zum 1. Dezember 2023 hatte der langjährige Journalist Bastian Ebel den Posten von Krassa übernommen.
Ebel war es auch, der die Anzeige gegen die Sekretärin erstattete, woraufhin diese ihren Job verlor. Aufgefallen war das mutmaßliche Defizit auf dem Geschäftskonto durch eine interne Revision. „Das neue Controlling der CDU Köln hat vollumfänglich gegriffen. Wir arbeiten einige Vorgänge gezielt, akribisch und konsequent auf“, teilte der damalige CDU-Vorsitzende Karl Mandl mit, der zu dem Zeitpunkt noch relativ neu im Amt war. Sowohl Mandl als auch Ebel sind inzwischen nicht mehr für die Kölner CDU aktiv.
Verteidigerin Eva Kuhn kündigte an, dass ihre Mandantin sich zu den Vorwürfen äußern werde, aber nicht sofort. Zuerst wolle sie Sebastian Benz, den Schatzmeister der Kölner CDU, in den Zeugenstand rufen. Dieser solle zunächst darlegen, welche Konten es bei der CDU Köln damals gab und wie generell mit Barzahlungen verfahren wurde. Kuhn deutete auf ein offenkundiges Chaos hin, das zu dieser Zeit bei der Kölner CDU geherrscht haben soll. Dies sei ja bekannt.
Gericht genervt: Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen
Die Staatsanwältin wollte das Verfahren hingegen abkürzen. Die Angeklagte könne ja wenigstens zugeben, dass sie die Barbeträge für die Karnevalssitzungen erhalten habe. Dann müsse man nicht jeden Zeugen und jede Zeugin hören. „Oder stellen Sie das in Abrede?“, fragte die Anklägerin mit scharfem Blick zur Verteidigerin. „Ich stelle hier heute gar nichts in Abrede“, erwiderte Kuhn. Sie beharrte jedoch darauf, dass ihre Mandantin vorerst schweigen werde. Die Staatsanwältin reagierte mit Unverständnis und las eine E-Mail der Angeklagten vor, in der diese die Vorwürfe ihren Vorgesetzten gegenüber bereits zugegeben haben soll. Demnach habe sie auch 700 Euro zurückgezahlt und versichert, den restlichen Schaden ebenfalls zu begleichen.
Auch Richter Daniel Menzel seufzte, nun doch mehrere Verhandlungstage für die Befragung der Zeugen und Zeuginnen einplanen zu müssen. „In der Zeit könnte ich 20 andere Verhandlungen durchführen“, sagte er. Die Fragen seien laut Menzel dabei überschaubar: „Hat sie da Geld entgegengenommen und ist es an die CDU gegangen?“ Die genaue Summe scheint laut den Angaben der Anwältin aber offenbar strittig zu sein – Kuhn möchte einen Einblick in die Kassenbücher haben. Der Prozess wurde vertagt.
Kölner CDU damals „in keinem guten Zustand“
Dass zu dem Zeitpunkt tatsächlich ein großes Durcheinander bei der Kölner CDU herrschte, hatte der damalige Chef Mandl selbst eingeräumt: „Nach meiner Wahl zum Kreisvorsitzenden fand ich die Partei in keinem guten, teils ungeordneten Zustand vor: nicht eingezogene Mitgliedsbeiträge, hohe Schulden, tiefe Gräben innerhalb der Partei und ein schlecht erkennbares politisches Profil.“ Er habe die Partei nach seinem Amtsantritt wieder nach kaufmännischen Maßstäben auf Kurs gebracht.
Im September 2023 hatte Schatzmeister Benz sogar von einer möglichen Insolvenz der Partei gesprochen – zum Entsetzen einiger Mitglieder auf einer öffentlichen Parteiveranstaltung. Die Kölner CDU soll jahrelang ausstehende Mitgliedsbeiträge nicht eingefordert haben. Die Summe belief sich auf 260.000 Euro. Zudem gab es Verbindlichkeiten in Höhe von 212.000 Euro. Ein Großspender sorgte dafür, dass die Kölner CDU nach eigenen Angaben im Juni 2024 wieder schuldenfrei war (red).
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