Die Fußball-WM läuft. Und wie bei jedem großen Turnier überschlagen sich die Prognosen. Experten analysieren Kader, Algorithmen berechnen Siegchancen und irgendwo sitzt garantiert schon jemand mit einer Excel-Tabelle, die den Weltmeister vorhersagen soll.
Doch diese Vorhersage hat selbst mich überrascht.
Ein Erotikportal hat den kompletten WM-Spielplan anhand der durchschnittlichen Penisgrößen der teilnehmenden Länder simuliert. Die Regel: In jedem Duell kommt die Nation mit dem größeren Durchschnittswert weiter. Das Ergebnis? Ecuador mit 17,59 Zentimetern wird Weltmeister. Kolumbien mit 16,75 Zentimetern landet auf Platz zwei. Deutschland mit 14,48 Zentimetern verabschiedet sich bereits im Achtelfinale. Europameister Spanien scheitert sogar in der Vorrunde, Titelverteidiger Argentinien und England fliegen schon früh aus dem Turnier.
Völliger Quatsch? Natürlich. Trotzdem habe ich die Prognose bis zum Ende gelesen. Und vermutlich geht es vielen Menschen genauso. Denn eigentlich wissen wir alle, dass zwischen der durchschnittlichen Penisgröße eines Landes und der Qualität seiner Fußballnationalmannschaft ungefähr derselbe Zusammenhang besteht wie zwischen der Farbe meiner Kaffeetasse und dem Wetter am Wochenende: gar keiner.
Trotzdem liebe ich solche Geschichten. Nicht, weil sie wissenschaftlich wären. Sondern weil sie etwas schaffen, das klassische Statistiken oft nicht schaffen. Sie bringen Menschen zum Lachen. Sie liefern Gesprächsstoff. Sie sorgen dafür, dass auf einer Grillparty plötzlich alle diskutieren, ob Ecuador jetzt tatsächlich Außenseiter-Chancen hat.
Fußball lebt schließlich nicht nur von Toren und Tabellen. Fußball lebt von Geschichten. Von den Nachbarn, die plötzlich Fahnen aufhängen. Von Freunden, die für vier Wochen zu Bundestrainern werden. Von Menschen, die das ganze Jahr keinen Fußball schauen und plötzlich leidenschaftlich über Viererkette, Pressing und Elfmeterschießen diskutieren.
Und vielleicht gehört genau deshalb auch diese etwas schräge Penis-Prognose zur WM. Nicht weil sie recht haben könnte. Sondern weil wir Menschen manchmal einfach Freude daran haben, gemeinsam über herrlich sinnlosen Unsinn zu reden.
Ob Ecuador tatsächlich Weltmeister wird? Eher unwahrscheinlich. Dass aber auf irgendeiner WM-Party in Köln in den nächsten Wochen genau darüber diskutiert wird, darauf würde ich fast wetten.
Louisa Noack schreibt in ihrer Kolumne Liebe. Leben. Köln. über die kleinen, großen und manchmal ziemlich kuriosen Geschichten des Alltags. Fragen, Kritik oder Themenvorschläge? louisa@ltas.tv - der direkte Draht zu Louisa.


