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Kölner Zoch bissig wie lange nichtZugleiter muss sich gegen Kritik verteidigen

Marc Michelske hat die Persiflagewagen für den Kölner Rosenmontagszug präsentiert. Der Andrang in der Wagenbauhalle war groß, es gab viel Lob. Gleichzeitig musste sich der Zugleiter auch gegen Kritik verteidigen.

Ein paar letzte Pinselstriche fehlen noch. An der Kölner Oper müssen noch die Blätter mit den Jahreszahlen angebracht werden. Dann sind die 21 Motivwagen, die im Kölner Rosenmontagszug bestaunt werden können, fertig.

Beim Richtfest in der Wagenbauhalle des Festkomitees war die Begeisterung am Dienstag (10. Februar 2026) aber auch so schon groß. „Da ist ein Motiv besser als das andere. So bissig war der Zoch schon lange nicht mehr“, sagte Prinz Niklas I. nach seiner ersten Runde.

Kölner Rosenmontagszug 2026: 21 Persiflagewagen, 74 Festwagen

Ihm gefiel vorrangig der Adenauer-Wagen mit dem Spruch „Wat doot ihr all met Kölle?!“. Auch die Schlange Kaa, die Deutschland im blauen AfD-Würgegriff hat, sei besonders gut umgesetzt. „Es ist ein wichtiger Wagen, der hoffentlich wachrüttelt, dass die Tendenzen nicht gut sind.“

Nachdem Zugleiter Marc Michelske bereits vor einer Woche die ersten vier Motive gelüftet hatte, war nun fast der gesamte Zoch zu bestaunen. Für Aufsehen wird sicher auch der „Groko Happy Aua Club“ sorgen. Lustvoll präsentieren Kanzler Merz und Vize Klingbeil ihre Sado-Maso-Regierungsshow. Motto: „Mer dun et, och wenn et wieh deit.“

Begehrtes Fotomotiv beim Richtfest war natürlich US-Präsident Trump mit heruntergelassener Hose, dem alle das Hinterteil küssen. „Es ist schön, dass da klare Kante gezeigt wird“, sagte Musiker Wolfgang Niedecken beim Gang durch die Halle. „Karneval ist ein Fest des Frohsinns, wo nicht alles so verbissen ist. Das zeigt die kölsche Leichtigkeit.“

Motivwagen für Rosenmontag zum Thema Künstliche Intelligenz.

„Mer dun et us freie Stöck“: Dass die Menschheit immer mehr von der Künstlichen Intelligenz beherrscht wird, wird durch diesen Motivwagen dargestellt.

Der BAP-Frontmann liebt den Termin, erstmals die Persiflagewagen zu sehen. Auch wenn der Kalender prall gefüllt ist, wollte er unbedingt einen Blick auf die Werke werfen. „Ich habe auch mal zwei Wagen zum Thema Armut in Afrika gestaltet. Seitdem bin ich dem Karneval wieder nähergekommen.“

Niedecken outete sich auch als großer Fan des Düsseldorfer Wagenbauers Jacques Tilly. „Der Mann ist super und macht das wunderbar. Ich finde es auch richtig, dass er seine Wagen vorher nicht zeigt und alle vor vollendete Tatsachen stellt, sonst könnte jemand noch eingreifen.“

Motivwagen für den Rosenmontagszug zum Thema Grönland.

„Mer dun et för uns Grönland“: Eisbär und Walross machen klar, was sie von Trumps irrwitziger Idee halten, dass ihre Heimat Grönland der nächste Bundesstaat der USA wird.

Seine frechen Werke haben dem Bildhauer eine Anklage in Russland eingebracht. Gleichzeitig gab es Kritik an den Kölner Verantwortlichen, weil sie dieses Thema an Rosenmontag nicht thematisieren.

„Ich kann die Kritik nachvollziehen, aber es war kein Fehler unsererseits. Jacques Tilly hat unsere volle Solidarität. Wir haben telefoniert und ich hatte ihn auch zum Richtfest eingeladen. Er hat es aber nicht geschafft, weil sie noch im Bau sind“, sagte Michelske zu EXPRESS.de.

Zugleiter Marc Michelske wird gesegnet.

Msgr. Robert Kleine (l.) für die katholische und Dr. Bernhard Seiger für die evangelische Kirche segneten den Rosenmontagszug. Gleichzeitig wurde auch Zugleiter Marc Michelske (r.) gesegnet.

„Jacques wird die richtige Antwort geben. Ich weiß, dass er einen so guten Wagen machen wird, da freue ich mich schon drauf, den zu sehen. Ich hatte auch die Sorge, dass der Fokus der Öffentlichkeit zu sehr auf uns gegangen wäre, wenn wir was gemacht hätten. Es geht nicht um uns, sondern um Jacques Tilly, der bedroht wird. Wir geben ihm jede Rückendeckung.“

Die beiden Kölner Dreigestirne beim Durchtrennen eines Bandes.

Das kleine und große Kölner Dreigestirn durften das Band vor der Wagenbauhalle durchschneiden. Danach öffnete sich das Tor und die Wagen für den Rosenmontagszug kamen zum Vorschein.

Statt eines Putin-Wagens haben die Kölner Karnevalisten noch einen anderen Schwerpunkt gesetzt. Der Geheimwagen war am Dienstag noch abgedeckt und wird erst am Montag im letzten Moment gelüftet. Aus Angst vor möglichen Sabotageakten wird das Thema unter Verschluss gehalten. „Wir hoffen, dass der Zug ganz viele Menschen glücklich machen und zum Denken anregen wird“, sagt der Zugleiter.

Konrad Adenauer beim Blick auf Köln.

„Wat doot ihr all met Kölle?!“: Konrad Adenauer weint bittere Tränen beim Anblick seiner Stadt.

Stadtsuperintendent Bernhard Seiger, der die Wagen und die Teilnehmenden zusammen mit Domdechant Msgr. Robert Kleine segnete, verteilte schon vorab Lob. „Wir stellen fest: Manche Wagen sind ganz schön provokant und scharf. Gut, dass das so ist. Wir wissen, weltweit ist genau das infragegestellt. Meinungsfreiheit, Vielfalt des Denkens, Satire, Ironie, Witz und Humor werden bedroht“, sagte er.

Christoph Kuckelkorn mit Wolfgang Niedecken vor einem Wagen.

Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn (l.) vor dem Wagen, der zu seinem Abschied erstellt wurde. Auch BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken schaute vorbei.

„Deswegen ist es gut, dass der Karneval keine Grenzen hat und hier Dinge angesprochen und gezeigt werden, so wie es sein muss. Es ist gut für unsere Demokratie, dass wir diese Freiheit haben. Danke an den Karneval.“

Motivwagen zu Donald Trump im Rosenmontagszug.

„Mer dun et för de jode Geschmack“: Der Wagen des „Königs von Amerika“ und dessen besondere Art, Hof zu halten, hatten schon im Vorfeld für Wirbel gesorgt.

Das Festkomitee unterstützt beim Zug auch die Bemühungen der Region RheinRuhr um eine deutsche Bewerbung für die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044. Oberbürgermeister Torsten Burmester wird in einer Fußgruppe die 7,5 Kilometer lange Strecke mitgehen. Den Mottowagen „Mer dun et för Köllympia“ nahm Nationalturnerin Sarah Voss, die in Tokio und Paris am Start war, unter die Lupe.

„Ich verbinde mit Olympischen Spielen Städte, die den Sport leben und begeistert mitgehen. Es wäre so toll, wenn wir die Spiele hier nach Köln holen könnten. Wenn ich zu Gast bei den Kölner Haien bin und mir in der vollen Lanxess-Arena überlege, dass das ein Austragungsort für Turnen sein könnte, dann würden die Aktiven und die Gesellschaft davon profitieren“, sagte sie zu EXPRESS.de.

Turnerin Sarah Voss auf dem Olympia-Motivwagen.

„Mer du et för Köllympia“: Sarah Voss, Olympiateilnehmerin in Tokio und Paris, auf dem Motivwagen für die RheinRuhr-Bewerbung zu den Olympischen Spielen.

Unter den 74 Wagen befindet sich auch der des Literarischen Komitees. Für Musik sorgen darauf Chantarella, Stadtjeföhl und Rotznas. Sie gaben am Dienstag in der Wagenbauhalle schon eine Kostprobe. Auch die Redner Elmar Malburg als „Ne Kleinkarierte“ und Björn Wassong als „Ne Jeck im Rähn“ werden auf dem Wagen sein.

Bernhard Paul vor dem Wagen des Circus-Theaters Roncalli.

Zirkusdirektor Bernhard Paul präsentiert den Wagen zum 50-jährigen Bestehen des Circus Roncalli.

Die Kölsch-Rocker von Kasalla feiern im Zoch ihr 15. Jubiläum mit einem eigenen Wagen. Das Circus-Theater Roncalli geht sogar im 50-jährigen Bestehen mit. Chef Bernhard Paul schaute sich den von Pop-Art-Künstler Horst Kordes gestalteten Wagen ebenfalls vor Ort an.

„Kunst, Karikatur und Satire müssen unter Denkmalschutz stehen. Humor darf nicht berührt werden“, sagte der Österreicher. Er freut sich auch schon auf das Zugerlebnis. „Ich renne zwar das ganze Jahr mit einer roten Nase durch den Zirkus. Aber Karneval ist eine wunderbare Jahreszeit, hauptsächlich für Familien.“

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