1
In Kooperation mit Evergrowing

Jung, gesund, erfolgreich – und trotzdem nicht abgesichert? Warum viele das BU-Risiko unterschätzen

Foto: Dr. Schlemann

Ein Gespräch mit Dr. Berndt Schlemann

Berufsunfähigkeit wird häufig mit schweren Unfällen oder einem hohen Alter in Verbindung gebracht. Viele junge Berufstätige gehen deshalb davon aus, dass das Thema sie noch nicht betrifft. Gleichzeitig steigen mit dem Berufseinstieg, einer Immobilie oder der Familiengründung oft die finanziellen Verpflichtungen.

Wir haben mit Dr. Berndt Schlemann, Geschäftsführer und Volljurist mit den Schwerpunkten Berufsunfähigkeit, private Krankenversicherung und Altersvorsorge, darüber gesprochen, warum das Risiko häufig unterschätzt wird und weshalb gerade junge und erfolgreiche Menschen genauer hinschauen sollten.

Herr Dr. Schlemann, warum beschäftigen sich viele junge Menschen kaum mit dem Thema Berufsunfähigkeit?

„Weil sie sich gesund fühlen und Berufsunfähigkeit häufig als ein Problem der Zukunft betrachten“, erklärt Dr. Schlemann. „Gerade ein früher Abschluss bietet aber oft Vorteile. In jungen Jahren bestehen häufig noch keine oder nur wenige gesundheitliche Einschränkungen, sodass die Gesundheitsprüfung oftmals einfacher verläuft. Gleichzeitig sind die Beiträge in vielen Fällen günstiger als bei einem späteren Abschluss.“

Dr. Schlemann erklärt: „Viele denken: Ich arbeite im Büro, also kann mir das kaum passieren. Das greift aber häufig zu kurz.“

Wer sich frühzeitig mit dem Thema beschäftigt, stellt außerdem fest, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung umso individueller geplant werden kann, je länger noch alle Optionen offenstehen. Nach Einschätzung von Dr. Schlemann gibt es die beste Berufsunfähigkeitsversicherung nicht als allgemeingültige Lösung. Entscheidend ist vielmehr, welche Absicherung langfristig zur individuellen Situation passt.

Welche Ursachen führen heute besonders häufig zu einer Berufsunfähigkeit?

Dr. Schlemann sagt: „Psychische Belastungen im Berufsalltag, anhaltender Stress oder chronische Beschwerden spielen heute eine deutlich größere Rolle als viele vermuten. Auch Rücken- und Bewegungsbeschwerden, wiederkehrende Erkrankungen oder die Kombination aus körperlicher und mentaler Belastung könnten dazu führen, dass der eigene Beruf nicht mehr wie gewohnt ausgeübt werden kann.“

Viele Menschen unterschätzten außerdem, wie stark sich dauerhafte Belastungen auf die eigene Leistungsfähigkeit auswirken können.

Gerade in wirtschaftsstarken Regionen wie Nordrhein-Westfalen mit vielen Pendlern, anspruchsvollen Büroberufen und einer hohen beruflichen Dynamik beobachtet Dr. Schlemann, dass Stress und dauerhafte Belastungen zunehmend zum Thema werden.

Wer über Jahre unter hohem Druck steht, bemerkt die Folgen häufig erst dann, wenn die Gesundheit bereits beeinträchtigt ist.

Herr Dr. Schlemann, warum wird das Thema oft zu lange aufgeschoben?

„Weil Berufsunfähigkeit für viele Menschen weit weg erscheint. Dabei wird häufig übersehen, dass sich viele Vorteile gerade dann nutzen lassen, wenn man noch gesund ist. Mit zunehmendem Alter oder nach gesundheitlichen Beschwerden kann es schwieriger werden, einen passenden Versicherungsschutz zu erhalten.“

Gleichzeitig veränderten sich die finanziellen Verpflichtungen oft schneller als das eigene Bewusstsein für mögliche Risiken.

„Mit dem ersten größeren Einkommen, einer Immobilie oder einer Familie steigt die finanzielle Verantwortung häufig deutlich an. Viele Menschen stellen sich erst spät die Frage, wie sie diese Verpflichtungen bei einem längeren Einkommensausfall erfüllen würden.“

Warum unterschätzen gerade erfolgreiche Berufstätige das finanzielle Risiko?

„Mit zunehmendem Einkommen steigen häufig auch die laufenden Ausgaben und langfristigen Verpflichtungen.“

Dazu gehören beispielsweise:

  • Immobilienfinanzierungen oder höhere Wohnkosten
  • Private Altersvorsorge
  • Familiäre Verpflichtungen
  • Laufende Verträge und Investitionen
  • Ausgaben für Lebensqualität und Vermögensaufbau

„Viele Menschen stellen erst spät fest, wie stark ihr gesamter Lebensstandard vom regelmäßigen Einkommen abhängt“, sagt Dr. Schlemann.

Selbst gut aufgebaute Rücklagen seien häufig nicht dafür ausgelegt, einen längeren Einkommensausfall vollständig aufzufangen. Gerade junge Berufstätige gingen oft davon aus, dass genügend Zeit bleibe, sich später mit solchen Fragen zu beschäftigen.

Viele suchen nach der günstigsten Lösung. Ist das der richtige Ansatz?

„Nicht unbedingt“, sagt der Experte von Schlemann.com. „Entscheidend sei weniger der niedrigste Beitrag als die Frage, wie gut die Absicherung langfristig zur eigenen Lebenssituation passe.“

Dabei spielen unter anderem folgende Fragen eine Rolle:

  • Welche Höhe der Absicherung wird tatsächlich benötigt?
  • Wie flexibel ist der Vertrag bei Veränderungen?
  • Wie transparent sind die Bedingungen?
  • Welche Risiken sollen langfristig abgesichert werden?

Nach Einschätzung von Dr. Schlemann gibt es deshalb auch nicht die eine pauschal beste Lösung für jeden Menschen. „Eine gute Absicherung orientiert sich immer an der individuellen Lebenssituation und nicht ausschließlich an Rankings oder Einzelbewertungen.“

Was raten Sie jungen Berufstätigen als ersten Schritt?

Dr. Schlemann empfiehlt zunächst eine ehrliche Bestandsaufnahme. „Wie lange würden vorhandene Rücklagen reichen? Welche laufenden Verpflichtungen bestehen? Und welche finanziellen Folgen hätte ein längerer Einkommensausfall? Viele wichtige Entscheidungen lassen sich leichter treffen, solange noch keine gesundheitlichen Einschränkungen bestehen. Genau dann ist der Handlungsspielraum häufig am größten.“

Für Dr. Schlemann bleibt deshalb eine zentrale Erkenntnis: „Gesundheit lässt sich nicht vollständig planen – der Umgang mit finanziellen Risiken jedoch häufig schon. Wer sich frühzeitig mit dem Thema beschäftigt, schafft oft mehr Handlungsspielraum und langfristig mehr Sicherheit.“