Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.

Die von Ihnen aufgerufene Adressse ist leider nicht (mehr) verfügbar. Wir haben Sie daher auf unsere Homepage umgeleitet.

Kommentar Ein Armutszeugnis: Spieler und Vereine lassen Kuntz vor Olympia-Turnier hängen

Die deutschen Olympia-Fahrer um Max Kruse hören der Ansprache von Trainer Stefan Kuntz zu.

Trainer Stefan Kuntz bei der ersten Ansprache seines Olympia-Teams um Max Kruse am Dienstag (13. Juli).

Das deutsche Fußball-Olympia-Team ist auf 18 Akteure geschrumpft. Schon drei nominierte Spieler haben Trainer Stefan Kuntz eine Absage übermittelt. Ein Kommentar zur Situation.

Frankfurt. Am Mittwoch (14. Juli) hebt das „Team D“, das bei den 32. Olympischen Spielen in Tokio möglichst eine Fußball-Medaille für Deutschland holen soll, vom Frankfurter Flughafen ab nach Japan. Etliche eigentlich gebuchte Tickets verfallen ungenutzt. Ein Kommentar.

Die Olympischen Spiele werden in diesem Jahr anders ausfallen als frühere Wettkämpfe. Kaum Zuschauer, keine wilden Partys im Athleten-Dorf, keine Stimmung im Deutschen Haus. Dennoch umgibt solche Spiele immer noch ein ganz besonderes Flair. Die Spieler, die 2016 unter Horst Hrubesch die Silber-Medaille in Rio de Janeiro geholt haben, schwärmen immer noch von diesem Ereignis.

Doch U21-Erfolgstrainer Stefan Kuntz (58), der erst den EM-Titel mit dem Nachwuchs gewonnen hat, anschließend wochenlang im ARD-Studio die EM der „Großen“ analysiert hat und nun die Olympia-Mission angeht, musste zuletzt im Tagesrhythmus seine Pläne über den Haufen werfen. Hamburgs Josha Vagnoman (20) meldete sich verletzt ab. Augsburgs Neuzugang Niklas Dorsch (23) will sich lieber in der Vorbereitung beim neuen Verein beweisen, statt in Tokio für Deutschland anzutreten.

Die Spieler des Olympia-Teams um Maximilian Arnold werfen sich gegenseitig den Ball zu.

Maximillian Arnold beim Aufwärm-Training der deutschen Olympia-Mannschaft in Frankfurt.

Ähnlich argumentiert nun auch der Ex-Kölner Ismail Jakobs (21). Aufgrund seines kurzfristigen Wechsels zur AS Monaco gab auch der Flügelspieler Kuntz einen Korb. Das deutsche Aufgebot schrumpfte daher auf nur noch 18 Spieler statt der erlaubten 22 zusammen. Ein Armutszeugnis für den deutschen Fußball.

Der Coach ist über die mangelnde Unterstützung nicht begeistert: „Wir mussten im Januar eine 100er Liste erstellen. Wir haben alle Spieler auf dieser Liste abtelefoniert. Diese 18 sind übrig geblieben. Einige Spieler wollten nicht, und dann haben wir einige Vereine, die mit der Unterstützung hinter dem Berg gehalten haben. Ich finde, das ist kein optimales Zeichen. Es gibt sonst wohl keine Sportart, in der nicht alle möglichen Kaderplätze besetzt werden“.

Gemeint war in dem Fall Bayern München, die Ersatz-Ersatz-Keeper Ron-Thorben Hoffmann (22) nicht fliegen lassen wollten. Routinier Max Kruse (33), der sich auf die Olympia-Herausforderung freut, sagt auch: „Ich verstehe gar nicht, wie man keinen Bock auf Olympia haben kann. Das ist ein Turnier, was man wahrscheinlich einmal im Leben mitnehmen kann.“

Die Vereine lassen Kuntz und den DFB, indem sie darauf verweisen, dass keine Abstellungspflicht besteht, im Regen stehen und riskieren mit ihrer Haltung auch eine Blamage beim Turnier. Statt ihre Spieler zu ermutigen, die Herausforderung der Sommerspiele anzunehmen, wollen sie die Kicker lieber täglich auf dem Trainingsplatz sehen. Als ob es so entscheidend für einige Akteure ist, ein Trainingslager, ein paar Testspiele oder ein paar Zweitliga-Einsätze zu absolvieren.

Die Spieler, die nun ihren Olympia-Traum sausen lassen, nur um beim neuen Verein nicht ins Hintertreffen zu geraten, werden die Entscheidung eines Tages bereuen. Zu selbstbewussten Profis gehört auch, die Herausforderung anzunehmen und nicht beim Verein zu kuschen. Kuntz sollte sich genau merken, welche Vereine und Spieler ihn nun haben hängen lassen.