Ist das bitter! Philipp Horn hat beim Massenstart beim letzten Schießen und auf der Schlussrunde den Kampf um eine Medaille verloren. In einer Wertung baut Deutschland damit seinen Vorsprung aus.
Vierter geht’s nicht!„Warum er?“ – Deutschland baut zweifelhafte Führung aus
Aktualisiert
Nah dran ist auch vorbei: Nichts tut bei Olympischen Spielen mehr weh als der vierte Platz. Diese Erfahrung musste am Freitag auch Biathlet Phillip Horn machen.
Kein Wunder, dass Platz vier gemeinhin „der undankbare“ genannt wird: eine Top-Leistung, für die es trotzdem keine Medaille gibt. Wer wüsste das besser als das Team D bei den Winterspielen von Mailand und Cortina?
Horn hadert mit Gegner auf der Schlussrunde: „Warum er?“
Keine Nation hat bisher mehr vierte Plätze zu verzeichnen als Deutschland, der Focus schreibt von den „Blechkönigen“. Zwölfmal sind deutsche Athletinnen oder Athleten in den bisher 97 Entscheidungen bis zum Freitagnachmittag haarscharf am Podest vorbeigeschrammt – Vierter geht’s nicht. Es folgen Norwegen (neun), Gastgeber Italien, die Schweiz und Frankreich (jeweils acht).
Neuestes Beispiel: Philipp Horn im Massenstart der Biathleten. Bis zum letzten Schießen lag er auf Medaillenkurs, ging trotz eines Fehlers sogar noch als Dritter in die Schlussrunde. Dort musste er den läuferisch deutlich stärkeren Franzosen Quentin Fillon Maillet aber ziehen lassen.
9,9 Sekunden fehlten Horn im Ziel zu Bronze. „Als ich aus dem Schießstand gelaufen bin und gehört habe: ‚Sechs Sekunden auf Fillon Maillet!‘ habe ich gedacht: Warum er? Warum nicht irgendjemand anderes? Er ist mit Abstand der Schnellste hier, eine absolute Maschine“, sagte Horn geknickt im ZDF-Interview.
Für Fillon Maillet war es nach zweimal Gold bereits die dritte Medaille in Antholz. Gold im letzten Männerrennen ging an den Norweger Johannes Dale-Skjevdal, der nach fehlerfreiem Schießen vor seinem Teamkollegen Sturla Holm Laegreid triumphierte.
Am härtesten hat es die Biathleten erwischt: Vanessa Voigt im Einzel und in der Staffel, dazu noch die Staffel der Männer, nun auch Horn im Massenstart – viermal gab es „Holz“.
Die Skispringer verpassten eine Medaille im Mixed-Team und im Super Team knapp, somit ist auch der gefeierte Normalschanzen-Olympiasieger Philipp Raimund zweimal Vierter geworden. Zudem erwischte es die Frauen-Staffel im Langlauf, Snowboarderin Annika Morgan im Slopestyle und Tatjana Paller im Skibergsteigen.
Sogar im „Goldkanal“ von Cortina gab es reihenweise Blech: Für die Rodel-Doppelsitzer Toni Eggert/Florian Müller, für Hannah Neise im Skeleton und für Lisa Buckwitz im Monobob.
Auch Raimund, Horn und Voigt sind nicht alleine: Zwei vierte Plätze sammelten zum Beispiel auch der polnische Eisschnellläufer Damian Zurek (500/1000 m) und die britische Freestyle-Skifahrerin Kirsty Muir (Slopestyle/Big Air). In der Frauen-Abfahrt gab es sogar zweimal Blech in ein und demselben Wettkampf: Jacqueline Wiles (USA) und Cornelia Hütter (Österreich) wurden gemeinsam Vierte. (are/sid)

