Sehenswerter Auftakt in die neue Ära der Formel 1: In Australien gab es reichlich Racing-Action.
Formel 1 als Überhol-SpektakelRussell siegt, Hamilton hadert – Verstappen flucht

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George Russell jubelt nach seinem Auftakt-Sieg bei der Formel 1 in Australien.
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Die Silbernen dominieren den Start in die neue Formel-1-Ära, die Roten setzen empfindliche Nadelstiche und die Grünen schmieren erwartungsgemäß ab. Am Wahlsonntag in Baden-Württemberg bescherte Mercedes dem geplagten Ländle endlich mal wieder einen Triumph.
Benz-Fahrer George Russell (28) gewann den WM-Auftakt in Melbourne nach der größten Regelreform in der Geschichte vor Teamkollege Kimi Antonelli (19) und den überraschend schnellen Ferrari-Piloten Charles Leclerc (28) und Lewis Hamilton (41). Das befürchtete Desaster erlebte dagegen Altmeister Fernando Alonso (44) in der grünen Aston-Martin-Gurke.
Formel 1: Schlagabtausch im Albert Park
Es war eine doppelte Wiederauferstehung im schönen Albert Park: Nach Jahren der Dominanz von Red-Bull-Heißdüse Max Verstappen und dem ersten WM-Titel von Lando Norris im McLaren lieferten sich Mercedes und Ferrari auf dem eigentlich schwer zu überholenden Stadtkurs einen historischen Schlagabtausch.
Der erinnerte an die legendären Duelle zwischen Michael Schumacher und Rubens Barrichello sowie Mika Häkkinen und David Coulthard. Trotz erbitterter Gegenwehr von Leclerc und Hamilton erstmal mit dem besseren Ende für die Silberpfeile.
„Sehr schön, sehr schöööön. Ich mag dieses Auto, ich mag diesen Motor“, flötete Russell nach seinem sechsten Grand-Prix-Sieg, den Antonelli zum 61. Mercedes-Doppelerfolg veredelte. Allerdings erst nach Raketenstarts der Ferrari, die sie schon bei den Testfahrten in Barcelona und Bahrain gezeigt hatten.
Leclerc übernahm zunächst die Spitze und konterte Russells Geschwindigkeits-Vorteil immer wieder geschickt aus. Und auch Hamilton lieferte sich packende Duelle mit seinem jungen Mercedes-Nachfolger Antonelli.
Erst ein von der Ferrari-Crew verpasster Reifenwechsel in der Virtuellen Safety-Car-Phase wegen des Motorschadens am Red-Bull-Ford des von Rang drei gestarteten Isack Hadjar brachte Russell wieder nach vorne.
„Es war ein irrer Kampf“, sagte der Brite über die furiosen Rad-an-Rad-Duelle mit Leclerc. Der Monegasse freute sich zwar über den guten Speed, bemängelte aber: „Es ist noch schwierig, wenn es um die Vorhersehbarkeit der Überholmanöver geht. Du weißt nicht, wann die elektrische Energie auf der Geraden ausgeht, es gibt also riesengroße Unterschiede beim Tempo.“ Und er befand: „Der Sieg lag für Ferrari außer Reichweite.“
Hamilton beklagte die verpasste Chance: „Wenigstens einer von uns hätte reinkommen sollen. Wir müssen analysieren, ob das doch besser gewesen wäre.“ Generell war der in seinem ersten Ferrari-Jahr erstmals in seiner Karriere ohne Podium gebliebene Rekordweltmeister aber happy mit der neuen roten Göttin: „Es war super. Es war sehr spaßiges Rennen direkt vom Start weg.“
Sein alter Mercedes-Teamchef Toto Wolff zog den Hut vor Ferrari: „Wir wussten, dass sie beim Start stark sein würden, und genau das ist passiert. Vor dem Rennen sagten alle, wir würden angesichts unserer Longruns am Horizont verschwinden. Aber das war nicht der Fall.“
Hinter den Top vier landeten Weltmeister Lando Norris (McLaren) und Vorgänger Verstappen, der sich nach seinem mysteriösen Dreher im Qualifying wegen des plötzlich eingreifenden Elektrogenerators vom 20. Startplatz bis auf Rang sechs vorkämpfte.
Beide hatten am Samstag über die neue Auto-Generation geschimpft, nach dem Rennen flüchtete sich Verstappen in Sarkasmus: „Es war super viel Spaß. Es war eigentlich ein Toprennen.“ Und er mahnte: „Ich hoffe, dass wir im Laufe der Saison den Rückstand aufholen, denn momentan ist er noch recht groß.“
Noch frustrierter waren Audi-Routinier Nico Hülkenberg, der wegen eines Defektes am Werksauto R26 gar nicht starten konnte, und Lokalmatador Oscar Piastri. Der McLaren-Pilot verlor auf der Installationsrunde die Kontrolle und schlug in die Begrenzung ein.
Er haderte: „Es war eine Kombination einiger Dinge. Kalte Reifen, ich bin auf den Kerb gekommen. Ich hatte aber auch mehr Leistung, als ich erwartet habe.“ Das sind die Dinge, die die Ingenieure bis zum zweiten Rennen am Sonntag in Schanghai ausmerzen müssen. Kaum Hoffnung hat dagegen Alonso, der seinen Aston Martin wie Teamkollege Lance Stroll wegen des Honda-Desasters vorzeitig abstellen musste.


