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Trotz Überhol-Orgie in MelbourneNorris und Co. beklagen Sicherheitsmängel

Aktualisiert

Die Formel 1 bot zum Start in Australien zwar viel Spektakel, es klappte aber noch längst nicht alles reibungslos.

Die Freude war groß bei Fahrern und Fans über das Spektakel mit 120 Überholmanövern zum Start in die neue Formel 1 in Melbourne. Doch es gab auch Frust und Furcht.

Frust vor allem bei Nico Hülkenberg (38), der wegen eines Audi-Defekts nicht starten konnte, und Aston-Martin-Kurzarbeiter Fernando Alonso (44). Furcht gab es bei einigen Fahrern und Teamchefs, die Sicherheitsmängel beklagten. Dabei geht es um drei Rennphasen, in denen die neuen Hybrid-Boliden anders zu fahren sind als ihre Vorgänger.

Heiße Szenen direkt beim Rennstart in Australien

Start-Gefahr: Weil einige Fahrer ihre Batterie in der Einführungsrunde nicht genug aufladen können, kommen sie schlechter vom Fleck. Vorne rasten die Ferraris von Charles Leclerc und Lewis Hamilton mit Raketenstarts an den vor ihnen platzierten Autos vorbei.

Weiter hinten konnte Franco Colapinto (Alpine) dem fast stehenden Racing Bull von Liam Lawson nur haarscharf ausweichen. „Wir sind beim Start nur knapp an einem Unglück vorbeigeschrammt“, sagt McLaren-Teamchef Andrea Stella, der an die FIA-Regelhüter appelliert: „Die Sorge bleibt bestehen. Deshalb sollten sie etwas unternehmen, bevor etwas passiert.“

Und das Problem geht nach dem Start weiter. Williams-Pilot Carlos Sainz mahnt: „Die größte Sorge für mich beim Rennen ist die erste Runde. Mit dem SLM fühlte es sich wirklich unsicher an, als alle auf der Gegengeraden waren.“

Beim Straight-Line-Mode klappen Front- und Heckflügel runter, weshalb das Auto deutlich an Abtrieb verliert. Das macht es schwieriger, den Boliden zu kontrollieren, was in der chaotischen Anfangsphase schnell gefährlich werden kann. Sainz: „Meiner Meinung nach sollten wir für Rennen keine aktive Aerodynamik benötigen.“

Das SLM ist aber aufgrund der schwächeren Motoren und des Wegfalls des DRS (Drag Reduction System) unabdingbar. Die Lösung sei nur ein „Pflaster“, weil der Motor zu schwach sei und das auf Kosten der Sicherheit.

Lando Norris klagt über willkürliche Power-Spitzen

Geraden-Gefahr: Durch das unterschiedliche Energiemanagement der Fahrer, sprich das Nutzen ihres Elektro-Boosts (bis zu 450 PS), kommt es zu heiklen Situationen beim dichten Hinterherfahren.

Stella: „Diese Geschwindigkeitsunterschiede machen das Ganze unvorhersehbar. Lando (Norris) hat insbesondere betont, wie tückisch es ist, wenn man Autos sehr dicht hinter sich hat, die vielleicht noch elektrische Leistung freisetzen oder eben nicht mehr.“

Überhol-Gefahr: Norris mahnt, dass der Boost-Modus keinen ausreichenden Unterschied macht, um das fehlende DRS auszugleichen, da die Autos ohnehin nicht genug Energie übrig haben, um sie zu verbrauchen: „Es ist einfach sehr künstlich. Alles hängt davon ab, was die Power Unit gerade macht, und manchmal wirkt das fast willkürlich. Du wirst dann einfach von fünf Autos überholt und kannst gar nichts dagegen tun.“

Das sei auch noch gefährlich: „Du kannst dabei 50 km/h Differenz haben. Wenn du damit jemandem auffährst, gehst du einfach nur fliegen – und dann fliegst du über den Zaun. Du kannst dir selbst und auch anderen ziemlichen Schaden zufügen.“

Selbst Heißdüse Max Verstappen kann einer potentiell gefährlichen Überhol-Orgie nicht viel abgewinnen: „Wenn euch das Rennen gefallen hat, okay. Aber wenn ich so etwas will, spiele ich Mario Kart. Ich persönlich kann es nicht genießen.“

All dies steht Hülkenberg im 2. WM-Lauf in Schanghai (Sonntag, 8 Uhr, Sky) noch bevor). Audi-Teamchef Jonathan Wheatley erklärte den Ausfallgrund: „Während der Einführungsrunde verloren wir die Telemetrie am Auto von Nico. Das bedeutet: Wir bekamen keine Daten mehr vom Fahrzeug und wussten nicht, was genau passiert.“

George Russell jubelt bei der Formel 1.

Formel 1 als Überhol-Spektakel

Russell siegt, Hamilton hadert – Verstappen flucht