Steckt mehr dahinter? Sebastian Vettel: Disqualifikation mit fadem Beigeschmack

Aston Martin-Fahrer Sebastian Vettel nimmt an einer Pressekonferenz auf der Rennstrecke Hungaroring in Budapest teil.

Sebastian Vettel, hier am 29. Juli 2021, wurde nach seinem zweiten Platz in Budapest nachträglich disqualifiziert.

Sebastian Vettel belegte im Chaos-Rennen von Budapest den zweiten Platz. Im Nachhinein wurde er jedoch noch disqualifiziert – wegen zu wenig Benzin im Tank. Eine Entscheidung mit fadem Beigeschmack.

Budapest.  Die Nachricht über die Disqualifikation vom Ungarn-GP erreichte Sebastian Vettel (34) am Sonntagabend (1. August 2021) im Flieger Richtung Schweiz. Und sie ließ ihn vom Glauben abfallen. Wegen eines Regel-Streits um läppische 0,7 Liter Benzin sollte er seinen zweiten Platz verlieren.

Oder steckt noch etwas anderes dahinter? Mit seinem Regenbogen-Protest gegen die homophobe Politik von Ungarn-Präsident Viktor Orban (58) hatte er auch den Weltverband FIA provoziert.

Formel 1 bestraft Sebastian Vettel nach Benzin-Check in Ungarn

Die Fakten: Nachdem Vettel seinen Aston Martin auf der Ehrenrunde wegen einer defekten Benzinpumpe abgestellt hatte, konnten die FIA-Kontrolleure statt der vorgeschriebenen 1,0 nur 0,3 Liter aus dem Tank entnehmen.

Doch Teamchef Otmar Szafnauer (56) beharrte: „Nach unseren Berechnungen sollten sich noch 1,44 Liter Benzin im Auto befinden. Und zwar nachdem die 300 Milliliter an Probe entnommen wurden.“ Sein Verdacht: „Es sieht danach aus, dass die Förderpumpen das Benzin nicht aus dem Auto kriegen.“

Problem: Das interessiert die FIA nicht. Im Reglement steht klar, dass die Kontrolleure den einen Liter Sprit aus dem Tank entnehmen können müssen – deshalb die Disqualifikation.

Aston Martin protestiert gegen Sebastian Vettels Disqualifikation

Dagegen reichte Aston Martin dennoch einen Protest ein, weshalb die FIA Vettel auf dem offiziellen Endklassement vorerst weiter als Zweiten führt.

Szafnauer erklärt: „Das Auto wurde von der FIA beschlagnahmt. Wir müssen beweisen, dass das Benzin noch da war, und dass 300 Milliliter genug sind für eine repräsentative Probe. Das wird die Basis unseres Protests sein.“ Die Regel mit der Vor-Ort-Entnahme relativiert der Teamchef: „Das ist eine alte Regel, die zurückreicht in die Zeit, bevor wir all die Messungen und Sensoren hatten.“

Aber Regel ist nun mal Regel, deshalb werden die Chancen für einen erfolgreichen Protest als gering eingestuft. Und dann besteht da noch der Verdacht, die FIA habe Vettel für seine Regenbogen-Shirt-Aktion bei Ungarns Hymne einen schmerzhafteren Denkzettel verpassen wollen als die erste Verwarnung.

Sebastian Vettel höhnte: „Sollen sie mich doch disqualifizieren“

Pikant: Vettel hatte vor der Zeremonie im Sky-Interview mit Simon Lazenby zugegeben: „Ich habe das Regenbogenshirt bei der Nationalhymne angelassen und gehört, dass ich dafür eine Geldstrafe bekommen soll. Sollen sie mich doch disqualifizieren, sie können tun und lassen, was sie wollen. Ist mir egal, ich würde es wieder tun.“

Sebastian Vettel kniet vor dem Rennen in Budapest in einem Regenbogen-Shirt auf der Rennstrecke zur Unterstützung der Black-Lives-Matter- und der LGBTQ+-Bewegung nieder.

Sebastian Vettel zeigte sich in Budapest am 1. August 2021 mit einem Regenbogen-Shirt, als Zeichen der Unterstützung für die LGBTQ+-Bewegung.

Das war eine ähnliche freche Provokation der FIA wie Vettels Beschimpfung des verstorbenen Renndirektors Charlie Whiting (†66) im Mexiko-GP 2016 („Hier ist eine Nachricht für Charlie: Fuck off!“), für die er sich zwar später entschuldigte, aber auch danach immer wieder als Provokateur auffällig wurde.

Vettel leistete sich auch 2019 Provokation der FIA

So auch 2019 in Montréal, als er sich nach einem Verteidigungsmanöver gegen Lewis Hamilton (36) von der Rennleitung um den Sieg betrogen fühlte und dessen Nummer-1-Schild vor seinen Ferrari stellte. Vielleicht will ihm die FIA mit der Ungarn-Disqualifikation eine letzte Warnung erteilen, sonst droht bald eine Rennsperre.

Während sich Vettel bisher jeglichen Kommentar verkniff, sprang ihm Rivale Hamilton bei: „Es tut mir so leid für Seb“, schrieb er auf Instagram: „Es ist immer eine Ehre, mit dir auf dem Podium zu stehen. Du hast dir dieses Resultat verdient.“

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