Express · Community

Kommentare · 0

Express · Community

Kommentare · 0

Zum Inhalt springen

Klopps DFB-DebütNeubeginn mit Schönheitsfehlern

Jürgen Klopp hat einen ersten großen Umbruch bei der DFB-Nationalmannschaft angezettelt.

Copyright: AFP

Jürgen Klopp hat einen ersten großen Umbruch bei der DFB-Nationalmannschaft angezettelt. 

Aktualisiert:

Mit zwei Kadern in die vier Partien dieser Abstellungsphase zu gehen, war ein Risiko. Doch Jürgen Klopp hat damit bereits viel erreicht. 

Vier Spiele, fünf Punkte – das ist nicht die Quote, die deutsche Fußball-Nationalmannschaften üblicherweise erzielen. Und auch nicht die Ausbeute, die sich DFB-Bundestrainer zum Ziel setzen.

Mit bislang im Schnitt 1,25 Zählern wäre Jürgen Klopp (59) der punktschwächste Bundestrainer der deutschen Fußballgeschichte. Ein Fehlstart also in die neue Ära?

Bundestrainer ohne Angst

Eher wohl der erwartete Neubeginn mit Schönheitsfehlern. Nichts an den vergangenen Wochen war üblich. Jonas Urbig, Philipp Treu, Derry Scherhant, Mika Baur, Said El Mala, Vitaly Janelt, Bambasé Conté, Hennes Behrens, Younes Ebnoutalib, Yannik Engelhardt – zehn Spieler debütierten während Jürgen Klopps erster Abstellungsphase. Ein enormer Umbruch.

Nach der enttäuschenden WM hat der deutsche Fußball eine Reform benötigt, und Jürgen Klopp hat eine solche geliefert. Der neue Bundestrainer hat die Kraft und alle Freiheiten, die Nationalmannschaft nach seinen Vorstellungen zu gestalten.

Klopp hatte leicht reden. Man könne es gern an ihm festmachen, sollte alles schiefgehen. Nach Jahren voller Heldentaten sind seine Schultern breit genug, die Verantwortung für die deutsche Elf zu tragen. Seine Spieler dagegen gingen ins Risiko – und Klopp gab ihnen das Vertrauen, dass es schon gut werden würde.

Insofern ist Jürgen Klopp ein Glücksfall für den DFB. Wer keinen Mut aufbringen muss, weil er keine Angst zu überwinden hat, ist für einen tief gestürzten viermaligen Weltmeister unbezahlbar. Dennoch war es kühn von Klopp, mit einer Debütantentruppe durch Europa zu reisen.

Klopps Fußball, weltweit wohl noch öfter kopiert als das Trikot der deutschen Elf, trägt das stete Risiko drastischer Niederlagen in sich. Wenn das Pressing nicht funktioniere, könne es „auch mal rauschen", sagte Klopp nach dem Spiel – dem zweiten zu null nacheinander.

Dass es dem neuen Bundestrainer gelang, mit wechselndem Personal seine Spielprinzipien so konsequent auf den Rasen zu bringen, ist bemerkenswert. Dass die deutsche Elf dabei einen Hang zum Offensivspektakel zeigte, nährt die Hoffnung auf bessere Zeiten. Oder zumindest auf besseren Fußball.

Man habe ihm zu oft von Dingen berichtet, zu denen der deutsche Fußball nicht oder nicht mehr in der Lage sei. Klopp ging es deshalb zuletzt auch darum, die Kritiker und Schwarzmaler zu widerlegen. Vieles ist gelungen: Deutschland kann kämpfen, pressen, rennen, passen – und sogar verteidigen. Vielleicht kann Deutschland eines Tages sogar wieder effektiv auftreten und Spiele gewinnen, in denen man die bessere Mannschaft ist.

VEEDEL-Umfrage649 Stimmen

Bekommt Jürgen Klopp das DFB-Team wieder hin?

Wenn er es nicht schafft, dann keiner
Er ist ein gute Trainer, aber kein Wunderheiler
Ich halte Klopp für überschätzt

Die Qualität, die in den vier Partien aufblitzte, bündelt sich zur Novemberphase, wenn Deutschland mit der üblichen Kadergröße in Serbien und gegen die Niederlande antritt. Klopp wies die U21-Nationalspieler zugleich darauf hin, dass die Tür zur A-Mannschaft weit offenstehe. Er habe die U21 „noch gar nicht gesehen“, sagte er in Griechenland.

Der Umbau, das war Klopp anzumerken, hat gerade erst begonnen. Eine erste schwierige Projektphase liegt nun hinter dem Bundestrainer. Weitere werden folgen.