Jürgen Klopp versammelt erstmals seine Nationalspieler um sich. Bis zu seinem Debüt in den Niederlanden bleibt dem neuen Bundestrainer nicht viel Zeit.
Kurz vor Klopp-DebütDFB-Offensivspieler fällt verletzt aus
Jürgen Klopp (59) bemerkt zum Start seines Bundestrainer-Abenteuers an sich eine gewisse Altersmilde. „Wenn man mir gesagt hätte, wir treffen uns montags und der erste Termin ist mittags ein Fotoshooting, dann hätte die junge Version von mir den Laden auseinandergenommen“, sagte Klopp, und er lachte.
Doch der inzwischen 59 Jahre alte Hoffnungsträger des deutschen Fußballs ist auch mit Blick auf die Pflichttermine seiner Nationalspieler unmittelbar nach der Ankunft in Herzogenaurach gelassener geworden. „Die erfahrenere Version denkt: Dann planen wir den Rest einfach außen herum“, sagte Klopp.
Leipziger fällt aus
Geplant hat der 13. Bundestrainer der DFB-Geschichte in den vergangenen Tagen und Wochen viel. Vor seinem mit Spannung erwarteten Debüt am Donnerstag (20.45 Uhr/RTL) in der Amsterdamer Johan Cruyff Arena gegen den Erzrivalen Niederlande will Klopp nichts dem Zufall überlassen - die hohen Erwartungen des Fußball-Volks dämpft der vermeintliche Heilsbringer allerdings.
„Ich kann nicht versprechen, dass wir die nächsten vier Spiele gewinnen. Ich wäre schon happy, wenn man uns ansieht, dass wir es wirklich wollen“, sagte Klopp.
Nach dem dritten WM-Debakel in Serie sind die Ansprüche beim viermaligen Weltmeister bescheidener geworden. Doch Klopp soll mit seiner schier unbändigen Energie wieder für Aufbruchstimmung sorgen. „Es ist hier eine ganz hohe fußballerische Qualität, aber jetzt müssen wir erst einmal über die Art und Weise kommen“, sagte Klopp und bat um Geduld: „Wir brauchen Zeit.“
Am Montag legte er gleich los. Dabei nahm er aufgrund der Belastungssteuerung einen Platztausch vor. Flügelflitzer Karim Adeyemi (24) ersetzt Lennart Karl (18) in den ersten beiden Spielen, der Münchner ist dann im zweiten Teil dabei.
Die bereits am Sonntag angereisten Profis bat Klopp hingegen zu einer Aktivierungseinheit, die vielen neuen Gesichter um Younes Ebnoutalib (23), Philipp Treu (25) und Bambasé Conté (23) lächelten wie ihr Chef Klopp erst einmal in die Kamera. Bilder für die offiziellen Autogrammkarten und für die Einblendungen bei den Mannschaftsaufstellungen sind schließlich Pflicht.
Wer soll künftig die Nummer eins im DFB-Tor sein?
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Diese musste Marc-André ter Stegen (34) nicht mehr machen, schließlich hat der Torhüter schon 44 Länderspiele auf dem Buckel. Doch da der verletzungsgeplagte ter Stegen sein bisher letztes davon im Juni 2025 absolvierte, war er schon vor seiner Ankunft in Franken etwas aufgeregt.
„Das bedeutet mir sehr viel. Ich habe während meiner Genesung viel durchgemacht. Ich versuche immer, mein Bestes zu geben und die beste Version meiner selbst zu zeigen – und ich freue mich, wieder dabei zu sein“, sagte der Torhüter des niederländischen Rekordmeisters Ajax Amsterdam.
Klopp ernannte ter Stegen zumindest „für den Moment“ zur Nummer eins, somit wartet in seiner Wahlheimat Amsterdam ein ganz besonderes Länderspiel auf den ehemaligen Keeper von Borussia Mönchengladbach und dem FC Barcelona. Das gilt natürlich auch für Klopp, der einen heißen Tanz prognostiziert. „In Amsterdam habe ich nicht von vielen Freundschaftsspielen gehört, da geht es direkt zur Sache“, sagte der ehemalige Meistermacher von Borussia Dortmund und dem FC Liverpool.
Für die vier Nations-League-Spiele bis zum 4. Oktober hat der neue Bundestrainer ein spannendes Jobsharing-Modell entwickelt. Von seinen ursprünglich 44 nominierten Spielern waren am Montag daher nur knapp über die Hälfte beim Partner adidas zusammengekommen. Der Leipziger Brajan Gruda (22) wird aufgrund einer Bauchmuskelzerrung nicht zum zweiten Teil anreisen, eine Nachnominierung ist laut DFB nicht geplant.
Am Dienstagnachmittag bittet Klopp dann zur ersten gemeinsamen Trainingseinheit. „Wir werden alles versuchen, um eine neue Herangehensweise sichtbar zu machen“, versicherte Klopp. Er erwarte „sofort mehr“. Dabei könne es auch „etwas wild werden“, was wiederum „manchmal in Chaos enden“ könne. „Lebendig muss es sein“, sagte Klopp. Das war auch schon vor der Altersmilde sein Ansatz. (sid)
