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SC-West-Präsident rechnet abKreisliga-Skandal: Geretteter Klub Letzter – „absolut unfair“

Kurt Nürnberg, Präsident des SC West Köln, an der Sportanlage Apenrader Straße

Copyright: Christian Krämer

Kurt Nürnberg, Präsident des SC West Köln

Abstieg nach Skandal-Entscheidung: SC-West-Präsident Kurt Nürnberg blickt zurück und übt scharfe Kritik am Verband.

Dieser Skandal hat die Kölner Kreisliga erschüttert: Der SC West Köln aus Ehrenfeld musste vor knapp dreieinhalb Monaten runter in die Kreisliga B. Den Ausschlag gab ein umstrittenes Wiederholungsspiel zwischen dem FC Pesch II und Olympia Köln, das 4:2 endete.

Seinen Anfang nahm die Posse am letzten Spieltag der Saison in der Kreisliga A. Olympia führte kurz vor Schluss mit 4:3 bei Pesch II. Dann brach der Schiedsrichter (19) die Partie ab, weil er sich von einem Pescher Spieler bedroht fühlte. Zunächst wurde das Spiel mit 2:0 für Olympia gewertet, der Spieler bekam eine Sperre für sechs Partien. Pesch wäre damit abgestiegen, der SC West hätte die Klasse gehalten.

Pesch II durch Wiederholungsspiel gerettet – jetzt abgeschlagen Letzter

Doch dabei blieb es nicht. Das Bezirkssportgericht kassierte das Urteil mit der Begründung, der Schiedsrichter habe nicht alle Mittel ausgeschöpft, um die Partie fortzusetzen. Wiederholt wurde die Begegnung im Juli, also bereits in der neuen Spielzeit. Pesch schickte seine Landesliga-Mannschaft auf den Rasen und gewann 4:2. Für den SC West hieß das: Abrutschen auf einen Abstiegsplatz. Sämtliche Anträge gegen die Wertung des Wiederholungsspiels oder auf eine Aufstockung der Kreisliga A wurden abgeschmettert.

Was das für den Traditionsverein bedeutet, hat Präsident Kurt Nürnberg (73) nun ausführlich gegenüber unserer Redaktion erläutert. „Die Folgen sind schon erheblich“, sagt er. Mittlerweile hat der Klub zwei Kreisliga-B-Mannschaften. Weil es im Sommer keine Planungssicherheit gab, seien die Spieler aus der Kreisliga A natürlich woanders hingegangen. „Dann mussten wir eine neue Mannschaft zusammensetzen. Das haben wir auch geschafft, aber alles auf den letzten Drücker.“

Eigentlich sei die Reserve ja der Grundstock für die erste Mannschaft. Jetzt spielen beide Teams auf einer Ebene, und die Spieler der Zweiten fühlen sich teilweise nicht gerecht behandelt. Denn für die Erste gibt es eine Siegprämie, für die Zweite nicht. Obendrein kickt die Reserve in der rechtsrheinischen Staffel, muss deshalb auch noch längere Fahrten auf sich nehmen.

„Das ist schon manchmal chaotisch. Da muss man sehr auf den Umgang mit den Jungs achten“, sagte der Präsident. Und es bleibt eine Frage offen: Was passiert, wenn die zweite Mannschaft aufsteigt? Wird sie dann zur ersten? „Das ist alles ein Rattenschwanz dieses Abstiegs.“

Nürnberg geht es um mehr als um die Tabelle. „Für mich geht es hauptsächlich um die Themen Gerechtigkeit und Anstand“, betont er. Genau das hat er vor einigen Wochen auch auf einer Verbandstagung angesprochen: „Muss eine Entscheidung immer ,gerecht‘ sein – oder reicht es manchmal nicht, wenn wir sie für richtig, vernünftig und anständig halten?“

Zwar seien die unzähligen Vorschriften und Paragrafen im Amateurfußball nötig, um für Ordnung und gleiche Voraussetzungen zu sorgen, doch sie könnten nicht jede Lebenssituation vorhersehen. Wenn etwa ein Entscheidungsspiel erst sechs Wochen nach dem regulären Saisonende stattfinde, hätten sich die Teams durch Abgänge, Neuzugänge, Verletzungen und andere Umstände womöglich grundlegend verändert.

Es reiche aus seiner Sicht nicht, zu fragen, was ein Paragraph erlaube, sondern was unter den Umständen verantwortbar und fair sei: „Denn Paragraphen geben uns den Rahmen. Den Anstand in Ihrer Bewertung müssen die Verantwortlichen aufbringen.“

Von Verbandseite habe er danach „viel Ignoranz“ vernommen – „da wurde dieser ganze Vorgang aus dem Sommer noch einmal verteidigt. Das war schon sensationell, diese fehlende Einsicht. Das sind Funktionäre, die es teilweise schon seit Jahrzehnten machen und nichts verändern wollen. Die kleben an ihren Posten.“ Dass sich durch seinen Vortrag zeitnah etwas ändern könnte, glaubt er nicht: „Ich glaube, dass es nur Blabla ist.“

Was seinen Ärger nachträglich zusätzlich befeuert: Pesch ist in der Kreisliga A abgeschlagen Tabellenletzter. „Wäre Pesch mit dieser Truppe im Wiederholungsspiel gegen Olympia angetreten, wären sie abgestiegen – und nicht wir. Das ist absolut unfair und hat etwas mit Anstand zu tun“, betonte Nürnberger. (red)