Über 100 Tote Tragödie bei Fußball-Spiel: Ausschreitungen fordern zahlreiche Opfer

Stadion-Tragödie im indonesischen Fußball: Bei beispiellosen Auseinandersetzungen zwischen Fans und Sicherheitskräften starben nach dem Spiel des FC Arema gegen Persebaya Surabaya weit über 100 Menschen.

Völliges Chaos und dramatische Opferzahlen prägen die Bilder einer beispiellosen Tragödie im indonesischen Fußball. Bei Ausschreitungen rund um das Erstliga-Spiel zwischen dem FC Arema und Persebaya Surabaya (2:3) kam es am Samstag (1. Oktober 2022) zu enthemmter Gewalt und einem massiven Polizei-Einsatz. Den lokalen Behörden zufolge kamen dabei weit über 100 Menschen ums Leben.

Die Tragödie in Malang war eine der schwersten Sportstadion-Katastrophen der Welt. Das Kanjuruhan Stadion fasst insgesamt 42.000 Zuschauer und war nach Angaben der Behörden ausverkauft. Laut Polizei stürmten 3000 Menschen den Platz. „Wir möchten darauf hinweisen, dass nicht alle anarchisch waren, es waren nur etwa 3000, die das Spielfeld betraten“, sagte der örtliche Polizeichef Nico Afinta.

Stadion-Tragödie in Indonesien nach Derby-Niederlage

Weltweit gilt das Unglück im britischen Hillsborough-Stadion im Jahr 1989 als eines der verheerendsten, als beim Zusammenbruch der Tribünen 97 Fans des FC Liverpool ums Leben kamen. 2012 starben in Port Said in Ägypten bei Stadion-Ausschreitungen nach einem Fußballspiel 74 Menschen. 1964 wurden bei einer Massenpanik während eines Olympia-Qualifikationsspiels zwischen Peru und Argentinien im Nationalstadion von Lima 320 Menschen getötet und mehr als 1000 Personen verletzt.

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Videos in den sozialen Netzwerken zeigten chaotische Szenen, als zunächst Fans im Kanjuruhan-Stadion über Zäune kletterten und auf den Rasen stürmten, ehe sie von der Polizei zurück auf die Tribünen gedrängt wurden. Feuerwerkskörper flogen, die Einsatzkräfte setzten Tränengas ein. Viele Opfer sollen in der Folge qualvoll durch Ersticken gestorben sein.

Chaotische Szenen und ein Brandherd im Kanjuruhan-Stadion in Indonesien, wo über 100 Menschen bei Tumulten ums Leben gekommen sind.

Völliges Chaos im Kanjuruhan-Stadion in Indonesien, wo tragische Szenen am Samstag (1. Oktober 2022) weit über 100 Todesopfer forderten.

Ersten Berichten zufolge soll es zudem mindestens 180 Verletzte geben, die in Krankenhäusern der Stadt Kepanjen im Südosten der Insel Java behandelt werden. „Bei diesem Vorfall sind 127 Menschen gestorben, von denen zwei Mitglieder der Nationalpolizei sind“, bilanzierte die Polizei in einer ersten Einschätzung auf einer Pressekonferenz am Sonntagmorgen (Ortszeit). 

Wie die Behörden später meldeten, sei die Zahl der Toten auf mindestens 174 gestiegen. 34 Menschen seien noch im Stadion für tot erklärt worden, die große Mehrheit der Opfer sei wenig später im Krankenhaus oder auf dem Weg in die Kliniken verstorben, so Nico Afinta, Polizei-Direktor von Ost-Java.

Wie die indonesische Zeitung „Kompas“ berichtete, gilt die Partie zwischen den beiden rivalisieren Klubs als „Ost-Java-Derby“. Die Stimmung beim heimischen Anhang sei nach der knappen Heim-Niederlage, der ersten Derby-Pleite auf heimischem Rasen seit 23 Jahren, entsprechend aufgeheizt gewesen.

Gewalt-Eskalation bei Stadion-Tragödie in Indonesien

Beim Platzsturm sollen die Fans der Zeitung zufolge mit Fackeln geworfen und Jagd auf eigene sowie gegnerische Spieler gemacht haben. Trainerbänke, Banden und Werbetafeln wurden in Mitleidenschaft gezogen, im Stadion und außerhalb wurden Einsatzfahrzeuge der Polizei umgeworfen und in Brand gesetzt.

Die Lage sei vollends außer Kontrolle geraten, als Sicherheitskräfte große Mengen an Tränengas in Richtung der Tribünen schossen und sich Panik breitmachte. Viele Menschen hätten unter Atemnot gelitten, in direkter Folge des Tränengas-Einsatzes das Bewusstsein verloren und seien schließlich an Sauerstoffmangel gestorben, gestand Polizei-Chef Afinta ein.

Fans stürmen im Vorlauf der Stadion-Tragödie von Indonesien den Rasen.

Ihren Anfang hatte die Stadion-Tragödie in Indonesien genommen, als Fans aus Frust über die Heimniederlage des FC Arema den Rasen stürmten.

Der offizielle Twitter-Account des Gast-Teams aus der Millionenstadt Surabaya berichtete zunächst, dass sich die Mannschaft im Stadion verschanzt habe. „Betet für das Team“, hieß es in einem Eintrag. Erst eine Stunde später gab der Klub Entwarnung und berichtete von der erfolgreichen Evakuierung.

Der indonesische Fußball-Verband (PSSI) setzte den Spielbetrieb in der ersten Liga für eine Woche aus. Arema wurde die Austragung von Heimspielen für den Rest der Saison untersagt. Zudem habe der Verband ein Untersuchungsteam eingesetzt, das noch am Sonntag seine Arbeit aufnehmen sollte.

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