Fortuna Düsseldorf versinkt nach dem Abstieg weiter im Chaos. Durch die bevorstehende Entlassung von Sven Mislintat verliert der Verein wichtige Zeit. Ein Kommentar.
Fortuna verliert wichtige ZeitMislintat-Aus stürzt Düsseldorf weiter ins Chaos

Copyright: IMAGO/Team 2
Sportvorstand Sven Mislintat (l.) muss bei Fortuna Düsseldorf seine Koffer packen. Dadurch verliert der Vorstandsvorsitzende Alexander Jobst (M.) wichtige Zeit.

Während kurz nach dem Spiel in Fürth alles danach aussah, als ob die Verantwortlichen bei Fortuna Düsseldorf nach dem Absturz zusammen an einem Strang ziehen wollen, geht es rund eine Woche später mit dem Chaos munter weiter.
Der Aufsichtsrat hat sich laut diverser Medienberichte gemeinsam mit dem Vorstand dazu entschieden, Sven Mislintat (51) von seinen Aufgaben abzuberufen. Statt nach dem Abstieg schnell wieder Handlungsfähigkeit auszustrahlen, liefert der Klub so nur die nächste Personalrochade – und die Uhr tickt.
Fortuna Düsseldorf: Mislintat hat seinen Anteil am Abstieg
Die bevorstehende Trennung kommt für einige durchaus überraschend. Dabei ist Mislintat wahrlich nicht unschuldig am Abstieg. Zu lange hielt der Manager an Trainer Markus Anfang (51) fest, erst nach vier Pleiten in Serie musste der Coach seine Koffer packen. Anstatt dann einen klassischen Feuerwehrmann wie Friedhelm Funkel (72) zu holen, ging es in den letzten fünf Spielen mit Alexander Ende (46) Richtung Abstieg.
Von seinen Wintertransfers funktionierte zudem nur Sechser Satoshi Tanaka (23). Weder Leih-Stürmer Marin Ljubicic (24, kein Tor) noch die beiden Perspektivspieler Jordi Paulina (21) und Kilian Sauck (19) konnten der Mannschaft bei der Mission Klassenerhalt helfen.
Wenn man sich dann nach wenigen Monaten wieder von Mislintat trennt, muss der Klub erklären, warum der Manager erst den Neustart planen durfte, dafür aber einige Tage später plötzlich nicht mehr der Richtige sein soll. Stattdessen gab es bislang nur zahlreiche Medienberichte, Gerüchte und Äußerungen von Spielern über die Mislintat-Trennung.
Die Konkurrenz schläft nicht: Während die Fortuna erst noch interne Machtfragen klären muss, schaffen potenzielle Spieler, deren Berater und andere Vereine Fakten. Düsseldorf benötigt für den Neustart schnelle Entscheidungen: Verträge, Gehaltsstrukturen, Identifikationsfiguren und Abgänge. Mislintat hatte all das schon im Kopf. Jetzt muss Arabi übernehmen und neu bewerten, das kostet wertvolle Zeit.
Der neue Sportvorstand setzt sich nicht in ein gemachtes Nest, sondern startet mitten im großen Fortuna-Chaos. Arabi beginnt dadurch als neues Gesicht nicht bei null, sondern bei minus zehn. Die Unsicherheit im Umfeld ist groß. Besonders die Fans tappen durch die mangelnde Kommunikation weiter im Dunkeln.
Deswegen muss der zukünftige Fortuna-Boss jetzt mehr liefern als nur neue Spieler. Es braucht einen wasserdichten Plan für die sportliche Zukunft des Vereins. Sonst droht nach der Horror-Saison ein weiteres ganz schwieriges Jahr für Düsseldorf.
