„Fußball ist Fußball“ Ex-CL-Kicker José Holebas erklärt Wechsel in die fünfte Liga

José Holebas beim 3:1-Sieg von Olympiakos Piräus über Panathinaikos Athen sichtlich konzentriert

José Holebas beim 3:1-Sieg von Olympiakos Piräus über Panathinaikos Athen am 11. April 2021

Premier League, Serie A sowie eine WM- und EM-Teilnahme: José Holebas blickt auf eine schillernde Profi-Karriere zurück. Aktuell hat der Grieche aber auch in der Hessenliga noch viel Spaß am Fußball.

Alzenau. Linksverteidiger José Holebas (37) hat mit Olympiakos Piräus vor weniger als einem Jahr noch Champions League gespielt. Trotzdem läuft der ehemalige griechische Nationalspieler seit Ende September für den FC Bayern Alzenau in der fünftklassigen Hessenliga auf.

Für den fünffachen griechischen Meister ist das aber kein Problem, wie der gebürtige Aschaffenburger auf der Website des Vereins erklärte.

José Holebas: Aus der ersten in die fünfte Liga

Im Sommer 2020 war Holebas nach fünf Jahren beim FC Watford und zuvor einem Jahr bei der AS Rom wieder nach Griechenland zu Olympiakos Piräus zurückgekehrt. Bereits von 2010 bis 2014 lief der Grieche für den Rekordmeister auf. Gemeinsam gewannen sie vier Meisterschaften (2011 bis 2014) und holten zweimal den Pokal (2012 und 2013).

Nach dem erneuten Titel-Triumph in der Super League 1 in diesem Sommer verhandelte der Klub mit dem Linksverteidiger über eine Vertragsverlängerung. Holebas lehnte aber schließlich ab. Im Interview mit seinem neuen Arbeitgeber aus der Hessenliga erklärte er: „Piräus hatte mir einen Vertrag für eine weitere Saison vorgelegt. Allerdings haben mir die Konditionen nicht gefallen.“

Freundschaften brachten Ex-Profi José Holebas nach Alzenau

Zum FC Bayern Alzenau ist der einstige 1860-München-Kicker durch zwei alte Kontakte gekommen. Spielertrainer Peter Sprung (42) und Co-Trainer Murat Özbahar (41) seien der ausschlaggebende Grund für seine Rückkehr nach Bayern gewesen, erklärt er.

Die beiden begleiteten den damals noch unerfahrenen Holebas in seiner Kreisliga-Zeit beim SV Damm. Dort hatte der Sohn eines Griechen und einer Deutsch-Uruguayerin 2003 nach einer zwölfmonatigen Pause, die der damals 17-Jährige wegen der Schwangerschaft seiner Freundin eingelegt hatte, wieder mit dem Fußballspielen angefangen. Trotz abgebrochener Lehre und Lagerarbeit im Schichtdienst hatte Holebas sein Talent nicht verloren.

Nach einem kleinen Landesliga-Intermezzo bei Viktoria Kahl wechselte der Grieche 2006 zur zweiten Mannschaft von 1860 München. Am 21. September 2007 gab er dann sein Zweitliga-Debüt. Wenige Monate später war Holebas bereits ein fester Teil der Mannschaft geworden. 2010 zog es den Linksverteidiger dann zurück nach Griechenland. Dort etablierte er sich auch in der Nationalmannschaft, mit der er sowohl bei der Europameisterschaft 2012 als auch bei der Weltmeisterschaft 2014 in die K.o.-Phase einzog. Nach der WM wechselte er nach Italien in die Serie A, dann weiter auf die Insel zum FC Watford.

José Holebas: „Ich bin immer motiviert“

Solche Highlights wie zu Profi-Zeiten erlebt Holebas in Alzenau sicherlich künftig nicht. In seinen ersten beiden Partien spielte der Ex-Profi nicht mehr gegen Manchester City oder den FC Arsenal, sondern gegen die TSV Eintracht Stadtallendorf und den FSV Fernwald. So etwas sei dem Linksverteidiger aber auch nicht mehr wichtig. Sportlich konstatierte Holebas trocken: „Fußball ist Fußball. Ich bin immer motiviert, egal wo und gegen wen ich spiele. Das geht bei mir nicht anders.“

Ein weiterer Aspekt für den Wechsel sei die restliche Perspektive gewesen. Er habe sich zwar „noch gar keine großen Zukunftsgedanken gemacht“, aber bereits mit „Alzenau vereinbart, dass ich erste Erfahrungen als Trainer mache und die nötigen Lizenzen erwerbe.“ Alles Weitere werde man sehen. Zusätzlich ist es sicherlich nicht von Nachteil, dass die Spielstätte des kleinen FC Bayern ganz in der Nähe seiner Heimat Aschaffenburg liegt.

José Holebas' Erfahrung hinterlässt Eindruck

Beim Hessenligisten sind jedenfalls alle hellauf begeistert vom prominenten Neuzugang. „Es ist eine riesige Sache, José bei uns im Verein zu haben“, erklärte Teammanager Joachim Hock und fügte an: „Bei unseren Fans ist die Hoffnung spürbar, dass José uns sportlich voranbringen wird.“

Star-Allüren scheint der Grieche hingegen überhaupt nicht zu haben, betonte Hock: „José lässt seine eindrucksvolle Karriere überhaupt nicht raushängen. Ganz im Gegenteil! Seine bodenständige Art kommt in der Mannschaft sehr gut an. Er schlüpft immer mehr in die Rolle des Führungsspielers. Sein Ehrgeiz ist aber immer noch sehr groß, er ärgert sich auch über jedes verlorene Trainingsspiel.“

Rot im Debüt und Last-Minute-Treffer

Sportlich ist Bayern Alzenau momentan in schwierigen Fahrwassern unterwegs. Nach dem bitteren Abstieg aus der Regionalliga Südwest in der vergangenen Saison läuft es auch in dieser Spielzeit nicht rund. Aus zehn Partien nahmen die Bayern, die aufgrund der geografischen Nähe in Hessen spielen, nur elf Zähler mit. Das reicht aktuell nur für Rang acht, was in der Hessenliga die Teilnahme an der Abstiegsrunde bedeuten würde. Auch mit dem ehemaligen Profi kamen die Alzenauer bislang nicht über zwei Remis hinaus.

Gleich zum Debüt holte sich Holebas sogar einen Platzverweis ab. Gegen Fernwald machte der Grieche jedoch die Gelb-Rote-Karte direkt wieder durch einen Last-Minute-Treffer weg. In der 90. Minute netzte Holebas zum 2:2-Endstand ein. Nach dem Spiel scherzte Hock: „Vielleicht gelingt José ja schon bald auch ein Siegtor.“ Am Samstag (15 Uhr, 16. Oktober 2021) muss der Hessenligist dann gegen den Hünfelder SV ran. 

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