Eklat vor WM-Stadion Schwere Vorwürfe nach Polizei-Einsatz entlarven Gastgeber Katar

Fans vor dem Lusail Iconic Stadium bei der WM 2022 in Katar

Fans vor dem Lusail Iconic Stadium in Katar, wo am Dienstag (22. November 2022) Argentinien auf Saudi-Arabien getroffen war.

Schon wieder Ärger für die katarischen WM-Organisatoren bei der WM 2022: Polizei und Sicherheitskräfte griffen wegen einer Fahne beherzt ein – dabei gab es dazu überhaupt keinen Anlass.

Die WM 2022 bleibt die Weltmeisterschaft der unangenehmen Randgeschichten. Nach nicht einmal einer Woche hat die schon im Vorfeld viel diskutierte Endrunde in Katar bereits eine ganze Reihe unschöner Episoden angesammelt. Und das Ende scheint längst nicht erreicht.

Einen weiteren Eklat gab es am Dienstag (22. November 2022) rund um die sensationelle Auftakt-Niederlage von Titel-Favorit Argentinien gegen Außenseiter Saudi-Arabien (1:2) vor dem Lusail Iconic Stadium, wo am 18. Dezember das Finale der WM 2022 stattfinden soll.

WM 2022: Flaggen-Zoff vor Final-Stadion in Katar

Der brasilianische Journalist Victor Pereira machte mit mehreren Videos auf seine Erlebnisse vor den Toren der größten WM-Arena aufmerksam. In einem Clip, den bis Donnerstagmorgen (8.30 Uhr) über 1,3 Millionen Menschen auf Twitter sahen, berichtete er über ein hitziges Aufeinandertreffen mit heimischen Sicherheitskräften.

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Der Auslöser: Eine Fahne, die der Reporter mit ins Stadion nehmen wollte. Pereira stammt aus Recife, stolz wollte er daher die Flagge seines Heimat-Staates Pernambuco im Nordosten Brasiliens im fernen Katar präsentieren. Das entscheidende Problem: Neben einem Kreuz, einer Sonne und einem Stern enthält sie auch einen Regenbogen. Ein Symbol, das im Emirat bekanntermaßen alle Alarmglocken schrillen lässt.

Mehrere Fans berichteten bereits von T-Shirts, Armbändern oder Hüten, die bei strengen Sicherheitskontrollen ins Netz gingen und wegen eines Regenbogen-Musters abgelegt werden mussten.

Hier sehen Sie die Flagge von Pernambuco:

Dass der Regenbogen wegen seiner Symbolik jetzt aber in vollkommen anderen Zusammenhängen ein rotes Tuch darstellt, entlarvt den Kontrollwahn und die geheuchelte Willkommens-Kultur des WM-Gastgebers.

Katar entlarvt sich mit Flaggen-Einsatz vor WM-Stadion

„Ich wurde von einigen Mitgliedern der Sicherheitskräfte attackiert“, berichtete Pereira aufgeregt in seinem Video. Nach längeren Diskussionen habe er schließlich klarmachen können, dass seine Flagge kein Symbol für die LGBTQIA+-Community darstelle. Zuvor hätten mehrere Menschen sogar aus Verachtung auf der Fahne herumgetrampelt.

Erst als er ein entsprechendes Video der Vorfälle unter strenger Beobachtung der Polizei von seinem Handy gelöscht hatte, habe man ihn gehen lassen, so Pereira. Videos umstehender Menschen geben den Verlauf der Geschehnisse und auch den Zensur-Vorwurf so wieder, wie vom Reporter geschildert.

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Mehrmals weist er sich in der gefilmten Diskussion als Journalist aus, verweist auf seine Akkreditierung, mit der er alles rund um das Stadion filmen dürfe. Doch überzeugen kann er die Ordnungshüter damit nur bedingt. 

Besonders traurig: Im Bundesstaat Pernambuco gilt der Regenbogen auf der Flagge als Zeichen für Frieden, Freundschaft und Völkervereinigung – die perfekten Werte einer Fußball-Weltmeisterschaft. Dass ausgerechnet dieses Symbol in Katar für blanke Ablehnung sorgt und Einsätze der Polizei provoziert, lässt nicht nur Journalist Victor Pereira traurig zurück. (bc)

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