Kommentar zur Trainerwahl Bayer Leverkusen und Xabi Alonso – ein tragisches Missverständnis?

Bayer Leverkusens Trainer Xabi Alonso schaut nachdenklich aufs Spielfeld.

Bayer Leverkusens Trainer Xabi Alonso am 29. Oktober 2022 im Spiel bei RB Leipzig an der Seitenlinie.

Als sich Bayer Leverkusen Anfang Oktober von Trainer Gerardo Seoane trennte und nur einen Tag später in Xabi Alonso den Nachfolger des Schweizers präsentierte, überschlugen sich viele Experten mit Lob. Nicht einmal vier Wochen später hat sich der Wind gedreht.

Es gab vieles, das Anfang Oktober für Xabi Alonso (40) als neuen Trainer bei Bayer Leverkusen sprach. Der Werksklub hatte sich gerade von Gerardo Seoane (44) getrennt und war auf der Suche nach einem Nachfolger für den Schweizer, der die guten Leistungen und Ergebnisse der Vor-Saison nicht bestätigen konnte. Da kam Xabi Alonso Bayer gerade recht.

Der Spanier ist noch kein gestandener Trainer. Der frühere Weltklasse-Fußballer ist mit Sicherheit noch ein Trainer-Talent. Doch er ist kein gewöhnliches Trainer-Talent. Xabi Alonso ist ein Mann von Welt, so viel ist klar.

Rafa Benitez, José Mourinho, Carlo Ancelotti und Pep Guardiola als Vorbilder

Spielern wie Xabi Alonso eilt schon oft während der aktiven Zeit der Ruf voraus, in der Zukunft ein ausgezeichneter Trainer zu werden. Xabi Alonso, der als Mittelfeldstratege bei Vereinen wie dem FC Liverpool, Real Madrid und dem FC Bayern München den Taktstock in der Zentrale schwang, sollte so coachen, wie er früher selbst Fußball spielte: klug, durchdacht und mit einer stoischen Ruhe ausgestattet.

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Xabi Alonso umgibt zudem eine ganz spezielle Aura. Er sieht gut aus, ist mehrsprachig und war als Fußballer sehr erfolgreich. Er wurde von Trainer-Legenden wie Rafa Benitez, José Mourinho, Carlo Ancelotti und Pep Guardiola trainiert – und selbstverständlich auch fußballerisch geprägt. Das alles klang sehr vielversprechend und aus Leverkusener Sicht verlockend. Zu verlockend, um sich gegen ein Engagement des charismatischen Spaniers zu entscheiden.

Und Xabi Alonso zeigte sich bei seiner Vorstellung in Leverkusen optimistisch. „Als ich angefangen habe, als Trainer zu arbeiten, wollte ich immer die richtigen Schritte gehen, aber ich wollte den richtigen Moment abpassen. Jetzt fühle ich mich bereit und meine Motivation dem Klub zu helfen ist da. Ich bin froh, hier zu sein“, sagte er bei der Präsentation.

Doch die sportliche Situation sieht nur wenige Wochen später durchaus dramatisch aus. Es fällt auf: Die Chemie stimmt nicht unterm Bayer-Kreuz. Mittendrin der überfordert wirkende neue Cheftrainer, dessen Bilanz nach vier Bundesligaspielen und drei Begegnungen mit Bayer in der Champions League sehr mager ausfällt.

Lediglich beim Debüt gegen das noch schlimmer kriselnde Schalke sprang unter Xabi Alonso ein Sieg für die Leverkusener heraus. Dieser Erfolg steht drei Unentschieden und drei Niederlagen gegenüber.

Ist Xabi Alonso, der vor Bayer Leverkusen lediglich die U14 von Real Madrid und die B-Mannschaft von Real Sociedad San Sebastian betreute, ein schlechter Trainer? Für diese Beurteilung ist es noch zu früh, doch klar ist jetzt schon: Bayer kommt unter Xabi Alonso nicht vom Fleck, steckt sportlich im Bundesliga-Abstiegskampf fest. Bleiben die Rheinländer bis zur Winterpause dort, wird es für Xabi Alonso ungemütlich.

Der Spanier braucht sofortige Erfolgserlebnisse, um die aufkommenden Zweifel an seiner Person direkt im Keim zu ersticken. Gelingt ihm und Bayer das nicht, greifen auch für einen Weltstar die Mechanismen des Fußballgeschäfts.

Und am Ende stünde die Erkenntnis, dass es eben mit Xabi Alonso und Bayer Leverkusen einfach nicht gepasst hat. Manchmal ist ein Trainer eben zur falschen Zeit am falschen Ort. Auch, wenn er bei der Vertragsunterzeichnung an den richtigen Moment für diesen Job glaubte.

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