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Dank Havertz hat's „Klick gemacht“ Maina über Fast-Rauswurf, Sprint-Geheimnis & FC-Neustart

Linton Maina vom 1. FC Köln behauptet den Ball gegen Benedikt Saller.

Linton Maina beim Pokalspiel gegen den Zweitligisten Jahn Regensburg am 30. Juli 2022.

Linton Maina war der erste Sommer-Neuzugang des 1. FC Köln. Der schnelle Außen will seine Karriere am Geißbockheim neu ankurbeln, nachdem es bei Hannover 96 zuletzt nicht mehr rund lief.

Linton Maina (23) will seine Fußball-Karriere beim 1. FC Köln wieder in Schwung bringen. Nachdem er bei Hannover 96 einst als „das größte Talent des Vereins“ galt, bekam sein rasanter Aufstieg in den vergangenen beiden Jahren eine erste Delle. Unter Steffen Baumgart (50) will der pfeilschnelle Außen nun zu alter Stärke zurückfinden. 

Beim Pokal-Aus in Regensburg deutete der Offensivmann nach seiner Einwechslung bereits an, dass er eine Verstärkung sein kann. Maina gehörte zu den wenigen Kölner Lichtblicken an diesem bitteren Nachmittag.

Im Interview mit EXPRESS.de spricht Maina über jugendlichen Leichtsinn, den Weg raus aus der Komfortzone und den Neustart in Köln.

Linton Maina: „Bin froh, dass es Klick bei mir gemacht hat“

Linton Maina, Sie gehörten letzte Saison zu den schnellsten Spielern der 2. Liga. Mit 12 wurde Ihnen in der Sportschule noch vorgehalten, Sie seien zu langsam. Kaum vorstellbar.

Linton Maina: Es ist aber tatsächlich so passiert, das war in meiner Heimat Berlin. Ein Trainer hat mir gesagt, ich sei zu langsam. Deshalb musste ich einmal die Woche zum Sprinttraining. Ich weiß nicht, ob es dann daran lag, jedenfalls bin ich mit der Zeit immer schneller geworden.

Sie sind dann mit 15 Jahren auf das Internat von Hannover 96 gekommen. Dort wären Sie beinahe rausgeflogen. Wie kam es dazu?

Maina: Ich war mit den Spielern, die nicht aus der Gegend kamen, in einem Haus in einem ganz kleinen Dorf in der Nähe von Hannover. Das war für mich eine komplett fremde Welt. Wir hatten kein Internet, keine Möglichkeit, etwas zu unternehmen und waren meistens auf uns alleine gestellt. Da habe ich als 15-Jähriger auch mal Mist gebaut. Dazu kam noch das Heimweh. Ich habe meine Freunde und das Leben in Berlin vermisst. Wenn ich damals nicht U-Nationalspieler gewesen wäre und „DAS“ Talent bei Hannover, wäre ich wahrscheinlich rausgeflogen.

War der Zeitpunkt zu früh, an dem Sie von zu Hause weg sind?

Maina: Das würde ich nicht sagen. Ich wusste, worauf ich mich einlasse. Wir alle sind diesen Schritt freiwillig gegangen, um Profifußballer zu werden. Ich glaube aber, es ist generell ein schwieriges Alter. Wir waren jung und hatten Flausen im Kopf. Rückblickend kann ich sagen, dass ich den Ärger der Trainer oder der NLZ-Leitung total verstehen kann. Ich bin froh, dass es irgendwann Klick bei mir gemacht hat.

Wann war dieser Moment, in dem Sie wussten, dass Sie etwas verändern müssen?

Maina: Anfangs habe ich gar nicht realisiert, dass ich meine Karriere aufs Spiel setze. Bis mein damaliger Trainer Christoph Dabrowski (Anm. d. Red. inzwischen Trainer von Rot-Weiss Essen) mir den Kopf gewaschen hat. Und so richtig verstanden habe ich es dann in der U19. Ich war Jugend-Nationalspieler und habe unter anderem mit Kai Havertz und Arne Maier zusammengespielt. Da habe ich mir gesagt: Du spielst mit denen in einer Mannschaft, da fehlt nicht viel. Das war ein Ansporn für mich, die Sache noch ernster zu nehmen.

Linton Maina: „Ich habe mich immer auf mein Talent verlassen“

Gab es, trotz Ihres riesigen Talents, jemals die Angst zu scheitern?

Maina: Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich in der Jugend immer auf mein Talent verlassen. Ich habe im Vergleich zu meinen Teamkollegen immer weniger gemacht, egal ob es Kraft-Training oder Prävention war. Ich habe immer gedacht, irgendwie werde ich das schon schaffen. Erst im ersten Jahr bei den Profis habe ich mein Verhalten komplett geändert. Dort wurde ich aber auch von den Trainern an die Hand genommen.

Gäbe es heute irgendetwas, das Sie ihrem jüngeren Ich sagen würden?

Maina: Ich würde dabei nicht in die Jugend zurückgehen. Ich würde eher die eine oder andere Entscheidung aus den letzten beiden Jahren anders treffen. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, hätte ich den Schritt raus aus der Komfortzone schon früher wagen sollen. Ich hatte nicht immer die nötige Einstellung und stand mir daher oft selber im Weg.

Wenn man Sie zu Ihrer Zeit in Hannover googelt, reichen die Beschreibungen von „Größtes Talent des Vereins“ bis „Symbol der Krise“. Woher kommt die große Diskrepanz?

Maina: Da sieht man, wie schnelllebig das Fußball-Geschäft ist. Erst war ich der Hoffnungsträger des Vereins und keine zwei Jahre später der Sündenbock. Ich war zum damaligen Zeitpunkt gerade einmal 20 Jahre alt. Ich kann verstehen, dass sich viele mehr von mir erhofft haben, aber es ist in der Zeit nun mal auch viel schiefgelaufen. Ich hatte zum ersten Mal in meiner Karriere mit Verletzungspech zu kämpfen, hatte in den vier Jahren sieben verschiedene Trainer und habe geschätzt mit über 70 verschiedenen Spielern zusammengespielt. Dass ich mit 22 Jahren der dienstälteste Profi im Verein war, sagt glaube ich alles.

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Linton Maina mit FC-Coach Steffen Baumgart (am 27. Juni 2022) auf dem Trainingsplatz am Geißbockheim

Linton Maina mit FC-Coach Steffen Baumgart (am 27. Juni 2022) auf dem Trainingsplatz am Geißbockheim

Der Druck auf Sie war von Anfang an groß. Sie wurden zwischenzeitlich mit Leroy Sané verglichen. Was macht das mit einem?

Maina: Ich muss ganz ehrlich sagen, so etwas ist immer an mir abgeprallt. Ich habe mir nie einen Kopf um die Erwartungen von außen gemacht. Ich habe mich auch nie als den Hoffnungsträger begriffen, den viele in mir gesehen haben. Ich war einfach froh, dass ich es dorthin geschafft habe, wo ich immer sein wollte und nicht daran gedacht, zu versagen.

Linton Maina: „Der 1. FC Köln ist der richtige Ort für mich“

Nun haben Sie sich für den Neustart in Köln entschieden. War der Schritt notwendig, um die Karriere wieder in Gang zu kriegen?

Maina: Es war jetzt einfach an der Zeit, mich zu verändern. Ich wollte etwas Neues. Und ich war von Beginn an überzeugt, dass der FC der richtige Ort dafür ist. Ich habe vergangene Saison viele Spiele gesehen und war begeistert von der Art und Weise, wie sie Fußball gespielt haben. Ich habe große Lust, ein Teil davon zu sein.

Köln liegt also außerhalb Ihrer Komfortzone?

Maina: Definitiv. Ich komme hier in eine neue Mannschaft. Ich muss mir hier erstmal den Respekt verdienen. Das ist genau das, was ich wollte. Ich will diese neue Herausforderung annehmen und hier wieder in die Spur finden.

Hat Ihre Vergangenheit in den Gesprächen mit Steffen Baumgart eine Rolle gespielt?

Maina: Ich denke, er hat schnell gemerkt, wie ich ticke. Er hat mir sofort das Gefühl vermittelt, dass er sich selbst ein Bild von mir machen will. Für ihn hat es keine Rolle gespielt, was schon alles über mich geschrieben wurde. Das war sehr wichtig für mich, weil ich mir natürlich auch immer Gedanken darüber mache, was mein Gegenüber von mir denkt, wenn er all das liest. Ich habe von Anfang an das Vertrauen gespürt. Ich versuche, das jetzt mit Leistung zurückzuzahlen.

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