Ukraine Erste Ergebnisse der Referenden sind da – „Seit langer Zeit gewünscht“

Leere Ränge in Arena Klares Votum für FC-Bosse – aber auch viel Kritik am Zustand des Klubs

Dr. Werner Wolf (Vorstand) und Dr. Christian Keller (Geschäftsführer 1. FC Köln) umarmen sich bei der Mitgliederversammlung des 1. FC Köln.

FC-Geschäftsführer Christian Keller (r.) gratuliert Präsident Werner Wolf nach dessen Wiederwahl auf der Mitgliederversammlung am 20. September 2022.

Der Vorstand des 1. FC Köln bleibt bestehen. Werner Wolf, Eckhard Sauren und Carsten Wettich wurden wiedergewählt. Die Geschäftsführer fanden kritische Worte.

Mitgliederversammlungen beim 1. FC Köln – sie verkamen in der Vergangenheit nicht selten zu Krawall- oder Comedy-Abenden im XXL-Format. Doch beim Bundesligisten hat sich nicht nur auf dem Platz einiges getan. Wie sachlich die diesjährige Runde am Dienstag (20. September 2022) über weite Strecken ablief, war wohltuend.

Zur Wahrheit gehört aber auch die Tatsache, dass lediglich 913 der derzeit 123.313 Mitglieder in der Lanxess-Arena anwesend waren. Der unglückliche Wochen-Termin, die Angst vor den stundenlangen Reden und das ruhige Fahrwasser des Klubs hatten wohl viele vom Besuch abgehalten.

1. FC Köln: Mini-Kulisse bei Präsidiums-Wahl

Um 22.20 Uhr durfte sich Präsident Werner Wolf (66) freuen. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern Carsten Wettich (42) und Eckhard Sauren (50) wurde er mit 91,82 Prozent der Stimmen für drei weitere Jahre im Amt bestätigt. „Ich bin überwältigt. Wir wollen das in den nächsten Jahren zurückzahlen“, sagte Wolf.

Alles zum Thema Werner Wolf

Vorangegangen waren über vier Stunden voller Vorträge, Regularien und teils wieder kurioser Wortmeldungen. Erwartungsgemäß euphorisch wurden die Mannschaften von den Fans begrüßt. Sowohl die erfolgreichen Frauen-Teams als auch die Herren-Mannschaft sangen zusammen die FC-Hymne und blickten in die Zukunft.

„Wir können alle stolz sein, weil wir einen gemeinsamen Weg gegangen sind. Alle ziehen in eine Richtung, deshalb haben wir Erfolg“, sagte FC-Trainer Steffen Baumgart (50). „Ich hoffe, dass alle so viel Spaß haben wie ich. Wir gehen diesen Weg, von dem wir immer reden. Der wird nie zu Ende sein, aber wir gehen jeden Tag einen Schritt weiter.“

Der Coach gab seinem Team für die Leistungen die Schulnote 3. „Ich hoffe, dass es eine 2 oder 1 wird. Wenn die Jungs so weiterarbeiten, werden wir eine gute und erfolgreiche Saison spielen.“ Die Sportliche Leiterin Nicole Bender (39) sagte mit einem Augenzwinkern über die Lage der Frauen: „Nach dem ersten Spieltag schaut man eigentlich nicht auf die Tabelle, aber es ist schön, dass auch die Frauen vor Leverkusen stehen.“

Mitgliederversammlung des 1. FC Köln in der Lanxess-Arena in Köln.

Bei der diesjährigen Mitgliederversammlung am 20. September 2022 des 1. FC Köln blieben in der Lanxess-Arena zahlreiche Plätze frei.

Werner Wolf verwies noch einmal auf die schwierige finanzielle Lage des Vereins aufgrund der Corona-Pandemie. „Statt der normalen Zuschauereinnahmen bei 850.000 Fans waren es nur etwa 543.000 – das sind 36 Prozent weniger“, sagte der Präsident. Zudem verriet er, dass die Pacht-Reduzierung für das Stadion von der Stadt um ein weiteres Jahr verlängert wurde.

1. FC Köln: Prügel-Chaoten von Nizza werden rausgeschmissen

Zu den „unsäglichen Vorfällen“ rund um das Europapokalspiel in Nizza kündigte der Präsident Taten an: „Wir werden alles tun, um die Täter von Nizza ausfindig zu machen. Jeder namentlich identifizierte Täter wird von uns mit Stadionverbot, Dauerkarten-Entzug und Ausschluss als Mitglied belegt werden.“

Gleichwohl sieht Wolf langfristige Aufgaben. „Die Wurzel des Problems kann nicht mit Sofortmaßnahmen ausgerissen werden. Es braucht überlegte Ansätze.“ Daher habe er sich am Montag zusammen mit Wettich und Geschäftsführer Christian Keller (43) mit Kölns Polizei-Präsident Falk Schnabel (53) getroffen.

Beeindruckend waren vor allem die beiden Vorträge der FC-Geschäftsführer. Klar, uneitel und professionell skizzierten Finanz-Boss Philipp Türoff (46) und Keller ein schonungslos offenes Bild des Vereins. „Der FC ist seit Jahren strukturell defizitär. Es braucht immer Sondererlöse, und das sind Transfers. Wir müssen unseren Verein so aufstellen, dass Transfers Wachstum ermöglichen und nicht operative Löcher stopfen“, sagte Keller deutlich.

„Einerseits sehe ich sehr viel Positives, wie eine beeindruckende Mitglieder- und Fanbasis, die den FC lebt und fühlt, wie es nur selten im Profi-Fußball ist. Andererseits gibt es auch Aspekte, bei denen der FC deutlich zulegen muss. Köln ist viertgrößter Standorts Deutschlands. Seinen exzellenten Rahmenbedingungen ist der FC allerdings nur selten gerecht geworden.“

Dr. Christian Keller spricht auf der Mitgliederversammlung des 1. FC Köln.

Die Rede von FC-Geschäftsführer Christian Keller auf der Mitgliederversammlung wurde von den Fans begeistert aufgenommen.

Die FC-Infrastruktur werde laut Keller Erstligabedürfnissen auch nicht nur annähernd gerecht. „Das Geißbockheim ist nicht zeitgerecht. Man kann nicht mit mehr als  20 Mannschaften auf sieben Plätzen trainieren.“ Sein Ziel definierte er klar: „Wir wollen langfristig in allen Handlungsfeldern zu den Top Ten Deutschlands gehören.“

1. FC Köln: Christian Keller kritisiert Infrastruktur beim Verein

Unter dem Leitsatz „Gemeinsam gewinnen alle“ trat das Trio zur Wiederwahl an. „Diese neue Kultur war lange keine Selbstverständlichkeit. Nie waren das Vertrauensverhältnis und die Integrität innerhalb des Vereins so groß wie aktuell. Ich halte dies schlicht für den Schlüssel des Erfolgs.“

Dr. Werner Wolf (Vorstand); Eckhard Sauren (Vorstand); Dr. Carsten Wettich (Vorstand) bei der Mitgliederversammlung.

Der FC-Vorstand mit Werner Wolf, Carsten Wettich und Eckhard Sauren bei der Mitgliederversammlung des 1. FC Köln am 20. September 2022.

Auch Zukunftsfragen wurden angesprochen. „Im Zusammenhang mit Geißbockheim und Leistungszentrum ist schon einiges versprochen worden. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir innerhalb des nächsten halben Jahres eine Lösung vorstellen werden, deren Umsetzung konkret in Angriff genommen werden kann“, sagte Wolf und nannte als Alternative zum Grüngürtel das Gelände in Marsdorf.

1. FC Köln: Müngersdorf unverhandelbar, Marsdorf denkbar

Zudem kündigte er an, dass die Verhandlungen über den 2024 auslaufenden Pachtvertrag des Stadions frühzeitig aufgenommen werden. „Wir werden immer in Müngersdorf bleiben. Das bleibt für uns unverhandelbar“, sagte er. Zudem gab es vom Vorstand noch einmal das klare Bekenntnis, dass der FC zu 100 Prozent den Mitgliedern gehören soll. „Außerdem werden wir Druck machen, damit die DFL 50+1 konsequent umsetzt“, kündigte Wettich an.

Es gab auch kritische Anmerkungen aus den Mitgliederreihen. „Vieles strotzt vor Allgemeinplätzen. Der Vorstand agiert nicht transparent genug und nimmt nicht alle Mitglieder wirklich mit“, lautete ein Wortbeitrag von Philipp Herpel.

Zum Ende des fünfstündigen Abends gab es auch noch wieder was zu lachen. „Ich bin FC-Fan, aber in Leverkusen geboren. Gemeindet Leverkusen endlich ein“, forderte ein Fan. Da musste auch Wolf beim Schlusswort noch einen draufsetzen: „Schön, wenn man das letzte Wort hat. Zu Hause ist das anders.“

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.