60 Millionen gefordert Freitag droht Deutschland der große Eishockey-Knall

Haie (2)

Die Spieler der Kölner Haie sorgen sich um die Saison. Eine komplette Absage droht. Das Foto entstand beim Heimspiel gegen Wolfsburg in der Lanxess-Arena am 25. Februar 2020

Köln – Bis Freitag, 2. Oktober, hat die Deutsche Eishockey Liga (DEL) ein Signal der Politik eingefordert. Und dieses Signal sollte klarmachen, dass bald mehr als nur eine 20-prozentige Auslastung der Arenen möglich sein wird.

Doch bis Freitag wird es wohl kein solches Signal geben, auch weil die Zahlen der Corona-Infektionen weiter steigen.

Und ob es Zusagen der Politik zu finanziellen Hilfen gibt, ist auch fraglich. Also müsste der Saisonstart (geplant am 13. November) ein weiteres Mal verschoben werden. Vielleicht wird sogar die komplette Saison abgesagt. Am Freitag droht Deutschland der große Eishockey-Knall!

Deutsche Eishockey Liga: 60 Millionen Euro Soforthilfe gefordert

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„Stand jetzt haben sich die Fakten seitens der Politik nicht geändert. Und auf das Prinzip Hoffnung werden wir nicht bauen“, sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke.

Tripcke fordert von der Politik eine wirtschaftliche Soforthilfe in Höhe von 60 Millionen Euro. Andernfalls könne nicht gespielt werden.

Das Problem: Fängt die Eishockey Liga jetzt an zu spielen und kann nur 20 Prozent Zuschauer reinlassen, steuert jeder Verein in wenigen Monaten auf die Insolvenz zu. Wer das als Klub-Verantwortlicher zulässt, macht sich im zweifelsfall sogar strafbar.

Zuletzt hatte Tripcke noch gesagt, dass eine komplette Absage der Saison derzeit kein Thema sei. Aber unwahrscheinlich ist eine Absage nicht. Sollte es bis zum 2. Oktober keine fixen Zusagen aus der Politik geben, wird zunächst der anvisierte Starttermin am 13. November nicht zu halten sein.

DEL-Boss Gernot Tripcke: „Natürlich habe ich Angst“

„Natürlich habe ich auch Angst, mache ich mir Sorgen. Es ist im Moment alles schlecht für den Eishockey-Sport, für die DEL“, sagte Tripcke bei MagentaSport. Noch schlimmer wäre es aber, „wenn wir eine Masseninsolvenz oder einen Massenexitus hätten und irgendeinen Wahnsinn machen.“

Die DEL hat ein durch die Corona-Pandemie ausgelöstes Finanzloch in Höhe von 60 Millionen Euro ausgemacht, das von der neuen Regelung einer maximal 20-prozentigen Auslastung der Hallen nicht mal ansatzweise gedeckt würde. DEL-Klubs leben bis zu 80 Prozent von den Einnahmen aus Heimspielen. Und ohne Ticket-Einnahmen und den Verkauf von Fanartikeln kann kein Spieler und kein Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle bezahlt. werden.

Eishockey: 200-Millionen-Konjunkturpaket kommt bisher nicht an

Weiteres großes Problem: Die Politik hatte zwar ein 200 Millionen Euro schweres Konjunkturpaket für Profi-Vereine abseits des Fußballs wie Eishockey, Handball und Basketball beschlossenen. Das würde pro Eishockey-Klub immerhin 800.000 Euro für entfallene Ticketeinnahmen geben. Doch die Bedingungen, um an diese Gelder zu kommen, kann bisher kein Klub erfüllen. Tripcke sagt dazu, dass es „noch keine verbindlichen Bescheide“ gäbe.

Tripckes Aussagen sorgen intern auch für Unruhe. In der Fachzeitschrift Eishockeynews bezeichnet ein namentlich nicht genannter Klubvertreter diese sogar als „peinlichen Erpressungsversuch in Richtung Politik“.

Tripcke wehrt sich gegen diese Kritik. „Es ist kein Ultimatum, sondern ein deutlicher Hinweis an die Politik, wie unsere Situation ist“, sagte der DEL-Boss: „Aus eigener Kraft können wir das aktuell einfach nicht stemmen. Wir können nicht jetzt losspielen, und Weihnachten sind wir dann insolvent. Das hilft niemandem.“

Ein Blick in andere Länder lässt Tripcke ein wenig neidisch werden. In Österreich gebe es eine Art staatliche Vollkaskoversicherung, und Schweden, Finnland und die Schweiz könnten sich aufgrund deutlich besserer TV-Verträge retten, so Tripcke.

Adler Mannheim: Daniel Hopp findet 20-Prozent-Auslastung sogar schlechter als Geisterspiele

Geschäftsführer Daniel Hopp (Adler Mannheim) will die finanziellen Folgen einer Teilzulassung von Zuschauern in der Mannheimer SAP Arena genau abwägen. Die gemäß der Corona-Verordnung aktuell erlaubte 20-Prozent-Auslastung der Hallenkapazität sei „aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten sogar noch schlechter als Geisterspiele“, sagte Hopp dem „Mannheimer Morgen“ .

Auf die Frage, ob Handball-Bundesligist Rhein-Neckar Löwen am 11. Oktober gegen den TuSEM Essen erstmals wieder ein Heimspiel mit Zuschauern austragen könne, sagte Hopp: „Wir müssen mit all unseren Partnern noch einmal darüber sprechen – auch mit den Rhein-Neckar Löwen. Seit Monaten ist die finanzielle Belastung für die SAP Arena so groß, dass wir eigentlich keine Veranstaltung machen können, bei der wirtschaftliche Verluste von vornherein einkalkuliert sind.“

Das Hygiene-Konzept für die SAP Arena sei noch nicht freigegeben. „Bei der Landesverordnung steckt der Teufel im Detail. Es kann sein, dass wir die vollen 20 Prozent der Kapazität nutzen können, möglich sind aber auch nur 18 oder gar 15 Prozent“, sagte der 39-Jährige. Den 1,5-Meter-Abstand einzuhalten, falle bei der Bauweise der Arena zum Beispiel schwerer als in einem Fußballstadion, sagte Hopp. Er werde mit den Behörden vor Ort weitere Gespräche führen.

Kölner Haie: Spiele vor 3700 Zuschauern nicht wirtschaftlich vertretbar

Bei den Kölner Haien hatte Geschäftsführer Philipp Walter (46) mit Arena-Boss Stefan Löcher (49) ein Konzept entwickelt, welches 7500 Zuschauer in die Lanxess-Arena bringen könnte. Aktuell wären jedoch nur 3700 erlaubt in der 18.500 Zuschauer fassenden Arena. Für die Haie wären Spiele so nicht lange finanziell darstellbar.

Eishockey-Bundestrainer Toni Söderholm (42) macht sich angesichts der unsicheren Saison große Sorgen um die komplette Sportart: „Das wäre für die Spieler katastrophal“, sagte Söderholm am Dienstag zur Aussicht, dass die Saison coronabedingt möglicherweise abgesagt werden müsste. „Das wäre eine sehr schwierige Situation für die Nationalmannschaft.“

Eishockey-Bundestrainer Toni Söderholm leidet mit den Spielern

Söderholm arbeitet derzeit in Füssen mit einem Perspektivkader des Nationalteams. Wegen der Coronakrise hatte er das Nationalteam zuletzt beim Deutschland Cup im November 2019 betreut. „Man merkt, dass die Spieler sehr viel überlegen“, sagte der Finne weiter.
Die DEL will bis Freitag entscheiden, ob die Saison wie geplant am 13. November starten kann.
Sollte die Saison tatsächlich ganz abgesagt werden, kündigte Söderholm an, internationale Spielpausen in den Ligen intensiver als sonst für die Nationalmannschaft nutzen zu wollen. Zudem kündigte Bundestrainer an, dann „deutlich früher als sonst“ mit der WM-Vorbereitung starten zu wollen. Ob die geplante Weltmeisterschaft Ende Mai kommenden Jahres allerdings überhaupt wie geplant in Lettland und Belarus stattfinden kann, scheint derzeit ebenfalls unsicher. (ubo, sid, dpa)

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