Chef von Stiftung Warentest spricht Klartext„Das Produkt von Uschi Glas war eines der schlechtesten“

Hubertus Primus, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Warentest (hier 2014), geht zum Jahresende in den Ruhestand.

Hubertus Primus, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Warentest (hier 2014), geht zum Jahresende in den Ruhestand.

Stiftung Warentest. In Deutschland klingen diese zwei Worte wie eine Verheißung: Produkte, die hier empfohlen werden, kann ich bedenkenlos kaufen. Seit sechs Jahrzehnten testet die mit Abstand bekannteste Stiftung in Deutschland. Nun gibt ihr scheidender Chef wertvolle Tipps.

von Martin Gätke (mg)

Die Produkte haben sich in den vergangenen sechzig Jahren massiv geändert, sind digitaler geworden, moderner, praktischer, leiser, schneller, besser. Doch das Prinzip von Stiftung Warentest ist immer gleich geblieben: Die Tests sind unabhängig, die Methoden wissenschaftlich.

Produkte, die ein gutes bis sehr gutes Prädikat bekommen, drucken sich dieses stolz auf ihre Verpackungen. Darauf kann sich Deutschland einigen, darauf vertrauen noch viele Menschen – obwohl das Vertrauen in viele andere Institutionen und auch in die Politik immer mehr schwindet.

Stiftung Warentest: Diese Punkte hätten wir gern früher gewusst

Doch gilt die Regel: Teuer ist meist auch immer besser? Nicht immer, erklärt Deutschlands oberster Warentester Hubertus Primus, der nun nach 33 Jahren auf dem Chefsessel in Rente geht. Die Journalistin und Digitalexpertin Julia Bönisch übernimmt zum 1. Januar 2024 seinen Vorstandsposten.

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Gegenüber dem „Tagesspiegel“ erklärt Primus, welche günstigeren Produkte überraschend gut sind und bei welchen es sich wirklich lohnt, mehr Geld auszugeben. Hier vier wesentliche Punkte, die wir gern früher gewusst hätten: 

  • Diese Billig-Produkte sind überraschend gut: „Wir haben schon früh festgestellt, dass alle Hautcremes dieselben Bestandteile haben. Die billigen sind daher genauso gut wie die teuren. Aber davon konnte ich noch nicht mal meine eigene Frau überzeugen.“ Primus erklärt weiter, dass es bei Cremes um mehr geht als nur die Bestandteile. „Der Geruch spielt eine Rolle, das Wohlbefinden … wissenschaftliche fundierte Tests stoßen da an ihre Grenzen.“
  • Auch hier kann man Geld sparen: Matratzen. Das erklärt Primus so: „Die Matratzen von Bett1 oder Emma kosten gerade mal 200 Euro und sind von uns mit ‚gut‘ getestet. Unsere Qualitätsurteile haben dazu beigetragen, dass sich diese Produkte durchgesetzt haben.“ Auch bei Lebensmitteln schneiden billigere Eigenmarken der Supermärkte genauso gut oder besser als die teure Markenware ab, so Primus. Eigenmarken seien preiswerter, weil sie kein Geld für Marketing ausgeben, „können von der Qualität aber voll mithalten. Das haben wir in Tests über viele Jahre herausgefunden“.
  • Hier sollten wir mehr Geld ausgeben: „Gerade bei Waschmaschinen stehen Preis und Qualität in einem direkten Verhältnis. Wir haben mal eine Billigwaschmaschine der Marke „Candy“ getestet, die ist beim Dauertest regelrecht explodiert. Scharfkantige Teile flogen drei Meter weit. Das war gefährlich.“ Wer wenig Geld hat, sollte sich lieber eine gute Maschine gebraucht zulegen, als zu einer billigen zu greifen. „Waschmaschinen halten zwölf Jahre, die kann man gut Secondhand kaufen.“
  • Hier ist teuer auch besser: Bei Smartphones lohne sich auch ein höherer Preis, so Primus. „Apple und Samsung sind einfach die besten. Aber auch diese Handys kann man ja gut gebraucht kaufen.“

Primus erinnert in dem Interview auch noch einmal an den Rechtsstreit um die „Uschi Glas Hautnah Face Cream“, den Stiftung Warentest 2006 für sich entschieden hatte. „Eine der schlechtesten Cremes, die wir je getestet haben“, so Primus. „Sie enthielt unglaublich viele Konservierungsstoffe. Ich habe damals gesagt: Selbst wenn die Welt untergegangen ist, wird noch eine Dose ‚Hautnah Face Cream‘ durchs All fliegen. Die Probanden haben Pickel bekommen.“

Hier an der EXPRESS.de-Umfrage zur Stiftung Warentest teilnehmen:

1964 wurde die Stiftung Warentest gegründet, im kommenden Jahr feiert sie also Geburtstag. Nach mehr­jähriger Vorbereitung im Bundes­wirt­schafts­ministerium hat der damalige Bundes­kanzler Konrad Aden­auer die Absicht verkündet, ein neutrales Warentest­institut zu gründen. Und das existiert bis heute erfolgreich. 

Im März 1966 erscheint mit dem April­heft die erste Ausgabe der Zeit­schrift „DER test“. Preis damals: 1,50 Mark. Getestet wurden darin unter anderem Nähmaschinen und Küchen-Handmixer. Ein Test im zweiten Heft sollte die Deutschen damals darüber aufklären, dass sich die meisten elektrischen Heizkissen nur durch ihren Stoffbezug voneinander unterscheiden. Ein weiterer behandelte Deodorants.