Galeria Karstadt KaufhofBlick auf die Homepage zeigt jetzt das ganze Drama

Blick auf den Online-Shop von Galeria Kaufhof im Dezember 2022: Das insolvente Unternehmen Galeria Karstadt Kaufhof kämpft ums Überleben, auch der Online-Shop müsste dringend saniert werden.

Blick auf eine geschlossene Filiale von Galeria Kaufhof in der Kölner Innenstadt (Archivbild): Das insolvente Unternehmen Galeria Karstadt Kaufhof kämpft ums Überleben, auch der Online-Shop müsste dringend saniert werden.

Galeria Karstadt Kaufhof kämpft ums Überleben: Rund zweieinhalb Jahre nach der letzten drohenden Pleite ist Deutschlands letzte große Warenhauskette zahlungsunfähig. Welche Filialen gerettet werden können: ungewiss. Ein Blick in den Online-Shop aber zeigt, wie sanierungsbedürftig der Konzern ist.

von Martin Gätke (mg)

Galeria Karstadt Kaufhof steht erneut vor der Pleite: 131 Kaufhäuser und rund 17.000 Mitarbeitende, Kunden und Gläubiger sind von der Insolvenz betroffen. Es ist das nunmehr dritte Insolvenzverfahren seit 2009. 

Wie viele Filialen werden am Ende schließen müssen: 40, 50, mehr? Ab Januar soll es Gewissheit geben darüber, welche Standorte aufgegeben werden müssen. Fest steht: Galeria Karstadt Kaufhof plant „einen massiven Umbau seiner Warenhäuser und eine deutliche Reduktion der Filial-Struktur sowie die Umsetzung eines modernen Warenhaus-Konzepts“, so heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. 

Galeria Karstadt Kaufhof: Blick in den Online-Shop zeigt das Drama

Doch ein Blick in den Online-Shop zeigt, dass es nicht nur damit getan sein dürfte, denn am Ende wird nicht nur das Filial-Netz, der Beton, die Geschäfte in den Städten saniert werden müssen, sondern auch der E-Commerce-Bereich. Denn hier hat das Unternehmen dringenden Nachholbedarf, andere Konkurrenten haben den Markt hier längst erobert. Das schlechte Online-Geschäft dürfte eine große Mitschuld am aktuellen Drama bei Galeria Karstadt Kaufhof tragen.

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Die „Wirtschaftswoche“ hat den Online-Shop zusammen mit Wolfgang Thomas, Chef der Hamburger Digitalagentur NetzwerkReklame, analysiert – und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis.

Thomas hat den Online-Shop mit anderen Auftritten verglichen und fand heraus: Otto.de-Kundinnen und Kunden klicken sich nach Daten von Similarweb im Schnitt 5:49 Minuten durchs Sortiment, bei Zalando sieht es ähnlich aus. Dagegen sind die Besucherinnen und Besucher auf der Online-Seite von Galeria Kaufhof schon nach 3:50 Minuten wieder weg. Insgesamt landeten auch viel weniger Menschen dort: Über 50 Millionen waren es bei Otto im Oktober, rund 37 Millionen bei Zalando. Gerade einmal knapp über fünf Millionen steuerten den Online-Shop von Galeria an. 

Galeria Karstadt Kaufhof: Auch der Online-Shop ist sanierungswürdig

Thomas analysiert gegenüber dem Branchenmagazin: „Die deutlich kürzere Verweildauer könnte ein Indikator für weniger Verbundkäufe sein, was gerade beim Anspruch eines Vollsortimenters bedenklich ist.“ Heißt: Viele Kundinnen und Kunden packten demnach nur einen Artikel in den Warenkorb, stießen seltener als bei der Konkurrenz auf weitere Dinge, die sie kaufen wollen. 

Nicht nur das: Auch technisch steht es nicht gut um Galeria.de. In den Suchmaschinen sei die Seite schlechter auffindbar als andere Online-Shops. Der Sistrix-Wert, ein Maßstab für die Sichtbarkeit der Webseite, habe sich laut Experte in den letzten Jahren rückläufig entwickelt, da sind Otto, Peek & Cloppenburg & Co. besser. Die Kundschaft lande nur in Ausnahmefällen bei Galeria, wenn sie nach Produkten suchen. Hinzu kämen laut Thomas die zu langen Ladezeiten und zu hohe Preise, die sich mit anderen Angeboten nicht messen können. 

Um das zu ändern, müsste der Konzern auch im Online-Bereich ordentlich investieren – bei den aktuellen Verlusten kein leichtes Unterfangen. Vorerst wird das Management das Filialnetz drastisch verkleinern und wohl mindestens ein Drittel der Häuser schließen. Wie es dann weitergeht, bleibt abzuwarten.