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Brief-Katastrophe bei der Post DHL-Zusteller packt jetzt aus: „Ich bin völlig fertig“

Ein Paketzusteller sortiert und räumt in einer Zustellbasis von Deutsche Post DHL Pakete in ein Zustellfahrzeug.

Ein Paketzusteller sortiert und räumt in einer Zustellbasis von Deutsche Post DHL Pakete in ein Zustellfahrzeug. Das Unternehmen hat derzeit mit Problemen bei der Lieferung zu kämpfen, nun packt ein Zusteller aus.

Die Deutsche Post hat massive Probleme vor allem bei der Briefzustellung, die Beschwerden haben sich jüngst verdoppelt. Das Unternehmen führte die Corona-Pandemie als einen Grund an, doch nun packt ein Zusteller aus – und nennt andere Ursachen.

Sie kommen zu spät oder auch mal gar nicht, die Deutsche Post hat derzeit massive Probleme bei Brief- und Paketauslieferungen. In der vergangenen Woche hat das Bonner Unternehmen Stellung zu den Schwierigkeiten bezogen, hat mit einem hohen Krankenstand durch die Corona-Pandemie und einem angespannten Arbeitsmarkt argumentiert. Die Probleme seien „lokal“. 

Allein im Oktober seien rund 9700 Beschwerden eingegangen und damit fast doppelt so viele wie im September (5000), teilte die zuständige Bundesnetzagentur mit. In einigen Regionen fehlten bis zu 30 Prozent des Personals, ein hoher Corona-Krankenstand sei der Grund, erklärte Post-Vorstandsmitglied Nikola Hagleitner am vergangenen Mittwoch. Das führe dazu, dass von rund 50.000 Zustellbezirken aktuell 100 nicht bedient werden könnten. 

Deutsche Post DHL: Zusteller packt aus - „Ich bin völlig fertig“

Nun packt ein Zusteller gegenüber der „Wirtschaftswoche“ aus und nennt andere Gründe für die Probleme. „Die Leistungen, die wir gerade erbringen müssen, sind eine Zumutung“, wird der Mitarbeiter zitiert, der seit 25 Jahren Briefe und Pakete für die Deutsche Post austrägt. „Ich komme abends heim und bin völlig fertig.“

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In diesem Jahr hätten sich die Arbeitsbedingungen drastisch verschlechtert, erklärt der Zusteller. Die einstigen Stammbezirke, feste Bezirke, in welchem auch er Zusteller war, fallen seit dem Sommer weg. Nun gibt es sogenannte „Flexbezirke“, täglich wechselnde Arbeitsorte, wie der Mitarbeiter erklärt. 

Wenn einer der Mitarbeitenden ausfällt, etwa weil er oder sie krank ist, dann werden die Bezirke auf die anderen Zustellerinnen und Zusteller aufgeteilt. „Das führt zu viel mehr Arbeit, weil der zu vertretende Bezirk zuerst abgearbeitet werden muss“, erklärt der Bote. „Meistens schafft man am Ende des Tages dann seinen eigenen Bezirk nicht mehr und muss die entstehenden Rückstände am darauffolgenden Tag abarbeiten.“ 

Deutsche Post DHL: Neue „Flexbezirke“ sorgen für reichlich Kritik

Diese Umstrukturierung führe dazu, dass eben Briefe oder Pakete deutlich verspätet ankommen. Zudem könne der Mangel an Personal oft nicht aufgefangen werden. „Viele meiner Kollegen und Kolleginnen, die teilweise seit 15 bis 20 Jahren bei der Post sind, kündigen. Da muss einiges passieren, dass man nach so einer langen Zeit diesen Schritt geht“, sagt der Zusteller gegenüber der „Wirtschaftswoche“. „Unsere Vorgesetzten wollen neues Personal einstellen, aber die meisten kommen unter diesen Bedingungen nach dem Probearbeiten nicht noch einmal wieder.“

Die neuen „Flexbezirke“ seien zudem auch größer als die bisherigen. Für die Kolleginnen und Kollegen bedeute das ein Lauf um die Zeit, der Stapel an Briefen und Paketen vergrößere sich täglich. „Uns wurde die neue Regelung als leichteres Arbeiten verkauft, davon spüren wir aber nichts.“

Die Deutsche Post erklärt gegenüber dem Branchenmagazin auf Nachfrage, dass sie mit den neuen flexiblen Bezirken der steigenden Menge an Briefen und Paketen entgegenkommen wolle und diese Über- und Unterlasten ausgleichen sollen. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurde der Deutschen Post nach „gerade einmal in rund 25 Prozent aller Zustellbezirke das Konzept der Flexibilisierung angewandt.“ Doch bei dem Mitarbeiter komme die Erleichterung nicht an, so der Zusteller: „Uns wird gesagt, dass die Sendungsmengen weiter zurückgehen. Wir merken davon nichts.“

Zusteller der Deutschen Post: „Unter den aktuellen Bedingungen nicht lange auszuhalten“

Kritik zu der neuen Regelung mit den flexiblen Bezirken kommt indes auch von den Gewerkschaften, die erklären, dass die Zustellerinnen und Zusteller an die Stammbezirke gewohnt seien. Plötzlich heißt es, dass eine weitere Straße hinzukommt. „Das ist eine Herausforderung für die Mitarbeitenden, es wird über die Köpfe hinweg entschieden und damit sinkt auch die Akzeptanz“, wird Thorsten Kühn, Bereichsleiter Postdienste in der Verdi-Bundesverwaltung, zitiert.

Die Brief-Katastrophe der Deutschen Post, sie könnte sich auch noch bis in die Vorweihnachtszeit ziehen. Für die Zustellerinnen und Zusteller die stressigste Phase des Jahres. Der Mitarbeiter der Deutschen Post erklärt: „Unter den aktuellen Bedingungen kann man es da nicht lange aushalten.“

Die Deutsche Post selbst habe an einigen Stellschrauben gedreht, um die Zusendungen zu stabilisieren, erklärte der Vorstand: Zum einen gebe es zusätzliche Fahrzeuge, 4000 Stück. Zum anderen hoffe man auf das eigene Verwaltungspersonal, dass die Büros verlassen und in der Zustellung helfen soll. Statt rund tausend sollen nun zehntausend der Angestellten aushelfen. (mg)

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