Aldi und Lidl profitierenAnalyse zeigt: Inflation treibt Menschen in die Arme von Discountern

Blick auf eine Aldi-Filiale in London.

Die Lebensmittelhändler Aldi und Lidl setzen ihre Erfolgsstory in Großbritannien fort. Das Foto zeigt eine Aldi-Filiale in London.

Die hohe Inflationsrate in Großbritannien zeigt sich besonders stark bei Lebensmitteln. Immer mehr Bürgerinnen und Bürger im Königreich treibt das in die Arme der deutschen Discounter Aldi und Lidl. Deren wachsender Einfluss zeigt sich aber auch noch auf andere Weise.

„Aldi Price Match“ – das bedeutet so viel wie „gleicher Preis wie bei Aldi“. Bei Großbritanniens zweitgrößter Supermarktkette Sainsbury's hängen Schilder mit dieser Aufschrift inzwischen in fast allen Regalen. Der deutsche Discounter und sein Konkurrent Lidl (englische Aussprache: Liddl) sind schon seit Jahren auf dem britischen Lebensmittelmarkt eine feste Größe.

Mit der unangefochtenen Dominanz der „big four“, wie die großen Ketten Tesco, Sainsbury's, Asda und Morrisons einst genannt wurden, ist es längst vorbei. Im vergangenen Jahr löste Aldi Morrisons als viertgrößter Supermarktkette ab. Zwar gilt noch immer der Satz: „Sag mir, wo du einkaufst, und ich sage dir, welcher Klasse du angehörst.“ Doch die hohe Inflation scheint immer mehr Menschen aus der Mittelschicht in die Arme der deutschen Discounter zu treiben.

Aldi liegt auf Platz vier der größten britischen Supermarktketten

Das ist auch das Ergebnis einer kürzlich veröffentlichten Analyse des Marktforschungsunternehmens Kantar. Britische Medien hatten zwar berichtet, dass die deutschen Discounter unter Druck geraten seien, nachdem sie im dritten Quartal leicht Marktanteile verloren hatten. Doch Kantar, das die Zahlen zusammengetragen hat, unterstützt diese Interpretation nicht, wie ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur in dieser Woche sagte.

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Aldi hat in Großbritannien inzwischen 10,1 Prozent Marktanteil und liegt auf Platz vier der größten britischen Supermarktketten, bei Lidl sind es 7,6 Prozent – das waren jeweils 0,1 Prozentpunkte weniger als noch im Quartal davor. Britische Zeitungen nahmen das zum Anlass, das Ende des Siegeszugs der deutschen Discounter auszurufen. „Britische Supermärkte starteten eine Preiskrieg-Offensive“, hieß es im „Telegraph“.

Bei dem leichten Rückgang im dritten Quartal seien jedoch beispielsweise saisonale Effekte einzubeziehen, sagte der Kantar-Sprecher und fügte hinzu: „Wir würden diese Interpretation nicht unterstützen.“ Aldi bleibe die am schnellsten wachsende Supermarktkette in Großbritannien.

Im Vergleich zum Vorjahr legten die beiden Discounter kräftig beim Umsatz zu. Aldi verzeichnete ein rekordverdächtiges Wachstum von 17,1 Prozent, bei Lidl waren es 16 Prozent. Zwar verlangsame sich das Wachstum etwas, doch das sei auch im Zusammenhang mit einem sehr starken Zuwachs im Vorjahr zu sehen. Der Erfolgskurs dürfe sich fortsetzen, prognostizierte Kantar-Handelsexperte Fraser McKevitt. Hintergrund sei, dass die Inflationsrate für Lebensmittel in Großbritannien zwar gesunken sei, aber mit 12,2 Prozent noch längst kein Grund zum Feiern für Haushalte.

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„Unsere Daten zeigen, dass noch immer 95 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher besorgt sind über die Auswirkungen steigender Lebensmittelpreise“, sagte McKevitt laut Mitteilung. Einzig bei den Energiekosten sei die Besorgnis unter den Briten genauso groß, so der Experte.

Davon profitierten die Discounter. Erst kürzlich eröffnete Lidl in Großbritannien sein weltweit größtes Logistikcenter in Luton nahe London. Insgesamt hat Lidl inzwischen in Großbritannien 960 Filialen. Die Expansion ist dem Unternehmen auch ein Defizit wert. Wie Lidl kürzlich mitteilte, verzeichnete die britische Tochter im vergangenen Geschäftsjahr ein Minus von 76 Millionen Pfund (etwa 88 Millionen Euro). Es komme darauf an, den Preisunterschied zu den herkömmlichen Supermärkten zu bewahren, sagte Lidl-GB-Chef Ryan McDonnell.

Aldi will 500 weitere Filialen in Großbritannien bauen

Aldi, das Anfang September das 1000. Geschäft aufmachte, verkündete vor wenigen Tagen, zusätzlich noch einmal 500 Filialen im Königreich bauen zu wollen. Das sei ein langfristiges Ziel, aber keineswegs eine Obergrenze, hieß es in einer Mitteilung.

Die Krise der Lebenshaltungskosten hat in Großbritannien nicht nur die Position der Discounter gestärkt, sondern auch die Einkaufsgewohnheiten der Briten insgesamt verändert. Immer häufiger setzten nun auch die traditionellen Supermärkte auf Eigenmarken-Produkte. Deren Anteil an den Einkäufen der Briten liegt laut Kantar inzwischen bei mehr als der Hälfte. (dpa)