Streik legt Flughäfen lahm Tausende Urlauber gestrandet, nicht nur Lufthansa-Flieger blieben am Boden

Der von Verdi initiierte Streik des Bodenpersonals der Lufthansa legte am Mittwoch (27. Juli) die Flughäfen in Frankfurt/Main und München lahm. 

Vor allem in Frankfurt am Main und in München brauchten Reisende am Mittwoch (27. Juli 2022) Nerven wie Drahtseile: Es bildeten sich lange Schlangen an den Schaltern, zahlreiche Passagiere strandeten am Airport und bangten um ihre Urlaube.

Der Grund: Gleich der erste Streik nach dem Corona-Schock hat Lufthansa und ihre Kundschaft hart getroffen. Und nicht nur die. Auch andere Airlines waren betroffen. Mitten in der Ferienzeit hat die Gewerkschaft Verdi mit einem Warnstreik des Bodenpersonals die Lufthansa lahmgelegt.

Streik bei der Lufthansa: Lange Schlangen in Frankfurt am Main

Nach der Absage von mehr als 1000 Flügen ging am Mittwoch (27. Juli 2022) an den Drehkreuzen Frankfurt und München fast gar nichts mehr, rund 134.000 Passagiere mussten ihre Reisepläne spontan ändern. Dafür könnte die Einigung mit den gefrusteten Beschäftigten jetzt aber ganz schnell kommen.

Während sich laut Verdi rund 5000 Beschäftigte an den Aktionen beteiligten und für höhere Gehälter demonstrierten, bangten in den Terminals zahlreiche Passagiere um ihre Möglichkeiten zum Weiterflug.

In Frankfurt am Main bildeten sich am Vormittag lange Schlangen meist ausländischer Passagiere vor den spärlich besetzten Umbuchungsschaltern. Den Kundinnen und Kunden seien je nach Flugziel unterschiedliche Lösungen angeboten worden, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Man habe extra Personal für diese Aufgabe eingeplant, die damit händelbar geblieben sei.

Grundsätzlich könnten Passagiere auf spätere Lufthansa-Flüge oder andere Gesellschaften umgebucht werden, wobei die freien Plätze meist knapp waren.

Frankfurt/Main: Nicht nur Lufthansa-Flugzeuge blieben am Boden

Am größten deutschen Airport in Frankfurt waren am Mittwoch 725 von 1160 geplanten Flügen abgesagt worden, wie ein Sprecher des Betreibers Fraport berichtete. Damit waren auch Flüge anderer Gesellschaften betroffen, die üblicherweise vom Lufthansa-Bodenpersonal mitbetreut werden.

Zu den 646 Lufthansa-Annullierungen kamen somit auch Flüge anderer Konzerngesellschaften wie Swiss, Austria, Brussels oder Air Dolomiti. Darüber hinaus konnten auch unter anderem Maschinen der Gesellschaften Croatian, United, Air Canada oder der polnischen LOT nicht abheben.

Flughafen München: 330 Flüge gestrichen, nicht nur bei Lufthansa

Ähnlich wie in Frankfurt sah es am Mittwoch (27. Juli) in München aus, wo Lufthansa selbst 330 Flüge abgesagt hatte, aber zusätzlich weitere Airlines betroffen waren. An den kleineren Flughafen-Standorten fielen meist nur die Verbindungen nach München und Frankfurt aus.

In Düsseldorf war es dem Flughafen gelungen, den Streik bei der Lufthansa-Tochter Leos zu umgehen, deren Fahrer üblicherweise die Flugzeuge von ihren Parkpositionen schieben. Diese Aufgabe wurde von anderen Dienstleistern erledigt.

Streik bei Lufthansa: Passagiere warten teils Tage auf Weiterreise

In Einzelfällen könne es laut Aussage der Lufthansa vorkommen, dass die Menschen mehrere Tage auf ihre Weiterreise warten müssten, hatte ein Sprecher im Terminal gesagt. Ein britischer Tourist auf dem Weg nach Singapur erzählt etwa, dass er sich bereits auf eine zweite Hotel-Nacht in Frankfurt einrichte. Ein Pärchen hatte noch keine Antwort auf seine Fragen erhalten: „Wir sind hier förmlich gestrandet. Wie und wann wir nach Mexiko kommen? Keine Ahnung!“

Verdi und Lufthansa hielten sich gegenseitig vor, für die Lage verantwortlich zu sein. Das Unternehmen habe bewusst darauf verzichtet, nach der Warnstreikankündigung noch einmal zu verhandeln, sagte Verdi-Streikleiter Marvin Reschinsky. Er hoffe nun auf ein schnelles, gutes Ergebnis.

„Wir erwarten ganz klar, dass Lufthansa in der nächsten Woche nachlegt, damit der Luftverkehr wieder läuft.“ Ein hoher Abschluss sei auch ein Entlastungssignal an das Bestandspersonal, wenn Lufthansa attraktivere Jobs für Neueinsteiger anbiete. „Die werden dringend gebraucht.“

Verdi-Streik bei Lufthansa läuft bis Donnerstag (28. Juli)

Ein erstes Angebot hat Verdi als zu niedrig abgelehnt. Die Gewerkschaft verlangt 9,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 350 Euro. Die Parteien haben sich für die Gespräche zwei Tage Zeit eingeräumt, was allein schon auf einen gewissen Abschlusswillen deutet.

Davon unabhängig läuft unter den Lufthansa-Piloten der Vereinigung Cockpit (VC) eine Urabstimmung, die ab August unbefristete Streiks möglich machen würde. Der Verdi-Ausstand hatte am Mittwochmorgen begonnen und sollte bis Donnerstag, 6 Uhr, dauern. (dpa)

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