Im Meeting einig, danach alles vergessen? Das hilft.
Alle nicken, keiner weiß wasWas hinter Meeting-Amnesie steckt und was Sie dagegen tun können

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Im Meeting lächeln alle und nicken - später weiß keiner mehr, was eigentlich beschlossen wurde.
Jeder stimmt zu, niemand sagt dagegen – doch 14 Tage später schwirrt bei allen eine andere Fassung des Beschlusses im Kopf herum. Oder es ist komplett weg. Kommt dir das aus deinem Berufsalltag bekannt vor? Dieses Problem ist als Meeting-Amnesie bekannt. Wir zeigen dir, was die Gründe sind und wie du im Joballtag etwas dagegen unternehmen kannst.
„Meeting-Amnesie beschreibt das Phänomen, dass ein Team ein Meeting verlässt, scheinbar einig ist – alle nicken, keiner widerspricht – und zwei Wochen später jeder eine andere Version der ‚getroffenen Entscheidung‘ im Kopf hat. Oder schlimmer: gar keine mehr“, erläutert die Wirtschaftspsychologin sowie Unternehmensberaterin Eva Schulte-Austum.
Die Symptome dafür sind typisch: Beschlüsse, die schon feststanden, werden in der nächsten Besprechung wieder aufgerollt. Jobs wurden zwar delegiert, doch keiner übernimmt die Verantwortung. Das Sitzungsprotokoll ist zwar per Mail raus, doch ungelesen geblieben. Und in der folgenden Runde staunen Kollegen mit ungläubigen Blicken: „Das haben wir so beschlossen?“
Warum passiert das? Von Schein-Einigkeit bis zur Entscheidungs-Erschöpfung
Meistens spielen diverse Elemente eine Rolle. Eine Ursache liegt in der kognitiven Überforderung. Im stressigen Job-Alltag ist euer Kopf ohnehin schon voll. Schulte-Austum erklärt: „Das Gehirn priorisiert. Was emotional wenig aufgeladen ist und keine klare Struktur hat, speichert es schlechter“.
Ein zusätzlicher Aspekt ist die Schein-Einigkeit. Ein Kopfnicken bedeutet nicht immer Zustimmung. Häufig möchten Leute nur die Harmonie bewahren oder waren gedanklich abwesend. Dieses Nicken simuliert lediglich Konsens. Dazu gesellt sich die Ermüdung durch Entscheidungen: „Je mehr Entscheidungen ein Mensch an einem Tag trifft, desto schlechter wird die Qualität der späteren“, führt die Wirtschaftspsychologin aus.
Greta Silver, Autorin und Expertin für Mitarbeitermotivation, sieht ein Kernproblem in einem von Unsicherheit geprägten Arbeitsklima. Erkundigungen wie „Wofür genau machen wir das eigentlich?“ kommen zu kurz, aus Sorge, unangenehm bemerkt zu werden. Das Resultat laut Silver: „Jeder geht mit seiner eigenen Wahrheit nach Hause“.
Wer ist besonders anfällig für die Meeting-Amnesie?
Typische Situationen wurden von Schulte-Austum ausgemacht. Besprechungen in großen Unternehmen haben oft den Zweck der reinen Absicherung, getreu der Devise: Wer keine Entscheidung trifft, macht auch keine Fehler. Dadurch bleibt am Ende auch nichts hängen.
Speziell gefährdet sind zudem Firmen, die sich in Umbruchphasen befinden, zum Beispiel durch die Digitalisierung. Es herrscht eine hohe emotionale Anspannung und eine gewaltige Informationsflut. Schulte-Austum meint dazu: „Das Gehirn wählt aus – und lässt vieles fallen“. Das Arbeiten von zu Hause aus kann die Vergesslichkeit ebenfalls fördern. Denn bei einem Videoanruf fehlt der sogenannte „räumliche Anker“ – etwa ein spezifischer Ort oder eine Person –, den das Hirn als Gedächtnisstütze benötigt.
So kämpft ihr erfolgreich gegen den Gedächtnis-Blackout
Greta Silver rät, dass es zuallererst ein Klima braucht, in dem jeder den Mut hat, frei zu reden. Ihr Vorschlag ist, eine Konferenz auch mal anders zu starten, zum Beispiel mit Erkundigungen wie: „Worüber regt ihr euch hier wirklich auf?“ oder „Welche Idee wurde hier vielleicht viel zu früh aufgegeben?“.
Von Eva Schulte-Austum kommt der Rat für den einfachen, aber extrem wirksamen „Wer macht was bis wann“-Satz. Zum Schluss jeder Besprechung resümiert jeder Teilnehmer der Reihe nach: „Ich nehme mit: X. Ich erledige: Y. Bis: Z.“ Das nimmt fast keine Zeit in Anspruch, hat aber eine große Wirkung.
„Es ist neuropsychologisch hocheffizient – denn: Wenn ich etwas laut ausspreche, verankere ich es tiefer im Gedächtnis als wenn ich es nur höre“, sagt die Expertin. Zudem wird bei einer solchen Abschlussrunde unmittelbar klar, falls eine Person alles komplett anders aufgefasst hat als das übrige Team.
Nicht nur die Chefs sind in der Pflicht
Doch die Meeting-Amnesie ist keineswegs nur ein Thema für die Führungsebene. Jeder, der nicht die Leitung hat, kann ebenfalls aktiv werden. Im Joballtag heißt das: nachfragen, falls etwas unklar ist, und selbst die Initiative ergreifen. Silver führt aus: „Die Energie eines Unternehmens verändert sich. Menschen hören anders zu, wenn sie nicht mehr Zuschauer, sondern Mitgestalter sind.“ (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
