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Gut im BeetKatrin Iskam sagt, wie's geht (und welche Fehler sie gemacht hat)

Bestsellerautorin, Comedienne und Krankenschwester Katrin Iskam in ihrem Garten

Copyright: lichtausbeute, Nicole Müller

Katrin Iskam in einem ihrer Elemente, dem Garten. Das andere ist die Bühne. Mit ihrem Programm „Gärtnern ohne viel Geschiss“ (ja, es gibt auch Gartentipps, ist aber in erster Linie Comedy und kein Gartenkursus) kommt sie dieses Jahr auch bei uns im Rheinland vorbei.

Katrin Iskam ist Bestsellerautorin, Comedienne, hat knapp 300.000 Follower und mag's im Beet unkompliziert. Hier gibt sie Tipps von Staude bis Seelenstreichler.

Es soll Menschen geben, die zwar einen Garten, aber keinen grünen Daumen haben. Oder solche, die gerade einen Garten (um-)gestalten dürfen und angesichts der Sintflut an Pflanzen, Geräten, Tipps und Sämereien gar nicht wissen, wo sie anfangen sollen. All denen (und den versierten Beet-Profis natürlich auch) hat der Heilige Fiacrius von Meaux, Schutzpatron der Gärtner, Katrin Iskam geschickt. Die Krankenschwester aus der Lüneburger Heide lebt das Motto ihres Comedyprogramms „Gärtnern ohne viel Geschiss“ im Beet und auf der Bühne. Hier gibt die 52-Jährige handfeste Tipps – die auch Spaß machen.

Fröhlich ist sie, die Bestsellerautorin mit knapp 300.000 Followern bei Instagram (@katrinsgarten). „Das liegt mir im Blut, ich versuche immer, Positives aus dem Negativen zu ziehen. Von Beruf bin ich Krankenschwester, da kann ich ja nicht missgelaunt in den Patientenzimmern erscheinen – ich muss die Menschen doch trösten, motivieren.“ Gilt das auch für ihre Pflanzen? „Bedingt. Wenn die nicht so wollen wie ich, rede ich schon mal Tacheles. Wenn sie dann immer noch nicht wollen, müssen sie halt ausziehen. Ich bin keine Gärtnerin, die ihre Pflanzen hätschelt, so etwas gibt es bei mir nicht, das muss alles ohne viel Geschiss über die Bühne gehen.“

Gärtnern ohne viel Geschiss: Warum Stauden dafür top sind

Und welche Pflanzen machen am wenigsten „Geschiss“? „Stauden! Ich liebe nachhaltige Stauden- und Gräserpflanzungen, die kommen jedes Jahr wieder.“ Heimische Stauden von Akelei bis Ziest „sind hierzulande gerade ein ganz großes Thema“, sagt Katrin Iskam. „Ich habe einen Mix – für mich muss ein Garten bunt sein. Ich habe auch Pflanzen aus anderen Ländern in meinen Beeten, Ausländerfeindlichkeit im Gartensektor finde ich gar nicht gut. Viele Pflanzen werden vielleicht in zehn Jahren mit unserem veränderten Klima gar nicht parat kommen. Da ist es doch gut, wenn man schon Gewächse aus anderen Ländern und Regionen hier hat: Lavendel aus der Provence, zum Beispiel. Kräuter aus dem Süden Europas kommen mit der Hitze und dem wenigen Wasser besser zurecht.“

Diese nach eigenen Worten gesunde Mischung aus Insektenmagneten und Pflanzen für die Seele macht es für Katrin Iskam, deren Chefgärtner-Dackel „Tyson“ sich in jedem Beet auskennt, als sei es sein Körbchen, aus: „Ich habe 80 Prozent insektenfreundliche Gewächse im Garten und 20 Prozent Pflanzen für die Seele, wie meine gefüllte, alte englische Rose. Die tut nur meiner Seele gut und hat keinen anderen Mehrwert. Und Garten soll ja für alle da sein. Für Mensch und Tier. Und ich finde es gerade in diesen Zeiten und dieser außenpolitischen Lage so wichtig, dass jeder, der es kann, sich da draußen seine eigene friedliche Insel im Grünen schaffen darf. Und solange eine gesunde Mischung da ist, ist es doch okay!“


Wer zwischen Büschen und Beeten werkelt, tut nicht nur seiner Fitness, sondern auch seiner Seele etwas Gutes. Gartenarbeit wirkt entspannend (sofern Sie nicht gerade Baumwurzeln entfernen oder einen Gartenteich ausheben).

  1. Schon 30 Minuten „Gärtnern“ senkt den Spiegel des Stresshormons Cortisol ab. Ein britisches Forscherteam fand heraus, dass Menschen, die regelmäßig im Garten arbeiten, generell viel niedrigere Stresslevel aufweisen als „unbegärtnerte“ Zeitgenossen.
  2. Laut australischer Studie haben Menschen, die regelmäßig im Garten arbeiten, ein um 36 Prozent geringeres Risiko, an Demenz zu erkranken.
  3. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Uni York stellten in einer Studie mit mehr als 200 Probanden fest, dass Gärtnern bei mittelschweren Depressionen und Ängsten helfen kann.
  4. Ein schwedisches Forscherteam zeigte in einer Langzeitstudie, dass nur 20 Minuten Gartenarbeit/Tag das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 27 Prozent senken.
  5. Wer im Garten arbeitet, schläft nachts besser, berichtet das Fachblatt „Journal of Affective Disorders“ unter Berufung auf eine großangelegte Unter-suchung mit 62.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

So schwer sei das im Übrigen gar nicht mit dem Garten, sagt Katrin Iskam: „Auch ein nicht ausgebildeter Gärtner kann sich einen Traumgarten anlegen – wenn er mit Herz und Leidenschaft dabei ist. Allerdings sollten gerade Anfänger schauen, welchen Boden sie haben, welche Lichtverhältnisse im Garten vorherrschen. Werden dann die entsprechenden Gewächse eingekauft und das Grüne nach oben gepflanzt, kann nicht viel schiefgehen!“ Sich selbst bezeichnet die Gartenexpertin als „Krankenschwester mit grünem Blut in den Adern“.

Als sie den Garten anlegte, als Autodidaktin, damals, vor rund 15 Jahren, lief lange nicht alles glatt. „Natürlich habe ich Fehler gemacht. Ich habe Waldfarn in die pralle Sonne gepflanzt und erst später gerafft, dass der Schatten will. Ich habe Rhododendron-Büsche für viel Geld geordert, weil ich die so toll fand in einem Park. Leider mochten die den Sandboden der Lüneburger Heide so gar nicht – sind eben Moorbeetpflanzen. Mein Mann fand solche Aktionen gar nicht witzig, der hat gemeint, dass irgendwann mal Schluss mit lustig sein muss.“ Deshalb ist bei Familie Iskam „Einbruch zwecklos – das Geld liegt im Garten!“


Hier ist Katrin Iskam auf der Bühne zu sehen:

  1. Am 15. April in der Kölner Flora
  2. Am 9. August bei der Landesgartenschau in Neuss
  3. Am 3. November in Düsseldorf im Savoy Theater

Bei allem Spaß hat die Autorin von vier Garten-Bestsellern auch wichtige Tipps: „In heimischen Gärtnereien kaufen, die idealerweise die Plastikpötte wieder zurücknehmen für neue Setzlinge. Die Beete zu mulchen, ist das Beste gegen Unkraut. Ich nutze dafür Herbstlaub und jetzt auch den Frühlingsschnitt. Das unterdrückt wahnsinnig das Unkraut. Und die dichte Bepflanzung meiner Staudenbeete – da sieht man keine Erde mehr – macht es fliegendem Beikraut besonders schwer, sich auszusamen. Und sollte ich am Rand doch mal was sehen, hol ich die Gabel aus der Küchenschublade – und gabel das auf. Für Unkrautstecher habe ich noch nie Geld ausgegeben – auch würde ich nie Jute oder Vlies als Frostschutz für Pflanzen kaufen: Man hat alte Bettlaken im Haus, Handtücher – das kann man alles verwenden.“ Der wohl schönste und grundlegendste Hinweis der Krankenschwester mit dem unerschütterlich grünen Daumen lautet: „Ein Garten muss nicht perfekt sein, es spielt keine Rolle, wie groß er ist. Wichtig ist, dass jeder in seinem Garten Spaß hat und seine Seele sich erfreuen darf!“

Das sind Katrins Garten-Lieblinge

  1. Auch wenn in Katrin Iskams Garten die Vielfalt blüht – einige Lieblingspflanzen hat sie: „Zum Beispiel die Schönaster, die Staude des Jahres 2026. Sie zieht Massen von Insekten an, blüht ausdauernd von Juni bis September und braucht – sehr angenehm – nicht ausgeputzt zu werden und kommt sowohl mit Trockenheit, mit feuchtem Boden, in Sonne und Halbschatten klar. Eben ein echter Allrounder, mit der Schönaster kann man nichts verkehrt machen. Die Schönaster sieht auch über den Winter noch äußerst attraktiv aus, wenn man – wie ich – alles stehen lässt. Die Rispen beispielsweise für die vielen Insekten, die darin überwintern.“
Schönaster (Kalimeris incisa), die Staude des Jahres 2026

Copyright: Tanya_Terekhina/Shutterstock

Den Namen „Schönaster“ trägt die schöne Aster mit Fug' und Recht. Nicht nur Menschen erfreuen sich an ihr (und ihrem Anblick), auch Insekten fliegen auf „Kalimeris incisa“.

  1. Salbei sei auch ein stets empfehlenswerter Garten-Genosse, sagt Katrin Iskam und verrät: „Gräser liebe ich, und es gibt so viele tolle Stauden – das heimische Sedum zum Beispiel. Es lockt wahnsinnig viele Bienen an und kommt auch mit Trockenheit klar. Wenn man die Blütenstände im Herbst nicht abschneidet, sieht Sedum über den Winter zauberhaft aus.“
Mediterrane Pflanzen lieben die Hitze und Trockenheit - auch die Fetthenne (Sedum) mag solche Bedingungen.

Copyright: picture alliance / dpa-tmn

Dicke Blätter, tolle Blüten: Sedum (auch etwas uncharmant als Fetthenne oder Fette Henne bekannt) ist übers ganze Gartenjahr ein Hingucker.

  1. Und Bergminze legt die Garten-Expertin (künftigen) Gärtnerinnen und Gärtnern ans Herz: „Sie ist pflegeleicht, blüht durch von Juli bis Oktober und duftet herrlich. Sie lockt Bienen an, ihre Blätter schmecken toll im Salat.“
Bergminze - Calamintha nepeta

Copyright: crystaldream/Shutterstock.

Üppig blühende Bergminze - ein wahrer Insektenmagnet.

Blühendes für Balkonien

Nicht jeder kann mit stolz geschwellter Brust und derber Latzhose über seine Latifundien schreiten und sich an den üppigen Beeten erfreuen: Viele Menschen haben „nur“ einen Balkon. „Was heißt nur? Auf dem Balkon geht so gut wie alles“, sagt Katrin Iskam. „Hier lässt sich prima ein Topfgarten anlegen. Denn so gut wie jede Staude, jedes Hochstämmchen wächst auch im Kübel – wenn der entsprechend groß ist.“ Ihr Rat: „Durch verschieden große Töpfe und unterschiedliche Wuchshöhen mehrere Ebenen schaffen – charmant!“ Auf dem Sonnenbalkon fühlen sich alle Sonnenanbeter-Stauden wohl – wie Lavendel, Katzenminze, Eisenkraut, Küchenschelle, Pfingstrose.

Kübelpflanzen wie Hortensie, Funkie (Hosta) und Grünlilie stehen auf einem Balkon

Copyright: Linda George/Shutterstock

Bringen Farbe in den Schatten: Kübelpflanzen wie die altrosa blühende Hortensie sowie Funkien (Hosta) mit ihren panaschierten Blättern brauchen alles andere als pralle Sonne.

Katrin Iskams Tipp für den Schattenbalkon: „Heuchera, also Purpurglöckchen. Die sind dank ihrer Laubfärbung auch im Winter attraktiv. Oder eine kleine Eibenkugel, ein Hortensienstämmchen oder eine Funkie (s. Foto). Die ist auf dem Balkon einfacher zu pflegen, weil Schnecken es selten bis in den fünften Stock schaffen!“ Im Beet sind die prächtigen Pflanzen mit den ausladenden, oft panaschierten Blättern leider oft ein Festmahl für einen gärtnerischen „Endgegner“ – die Nacktschnecke.

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