„Das könnte Leben kosten” Psychologen befürchten wegen Corona jetzt das Schlimmste

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Gerade viele ältere Menschen fühlen sich während der Corona-Krise isoliert.

Bonn – Psychologen befürchten einen Anstieg von Depressionen und Suiziden infolge der Corona-Krise.

„Viele Menschen haben derzeit ganz reale Ängste. Da ist es wahrscheinlich, dass Depressionen und Angststörungen vermehrt auftreten und somit auch Suizidalität zunehmen kann“, sagte die Präsidentin des Berufsverbandes Deutscher Psychologen (BDP), Meltem Avci-Werning, am Samstag dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Isolation sei eine große Belastung, fügte sie hinzu.

Psychisch labile oder kranke Menschen stünden wegen der Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie unter erhöhtem Druck, so die Expertin. Zudem fördere die überwiegend zu Hause verbrachte Zeit eine Zunahme von häuslicher Gewalt. „Beengte Wohnverhältnisse, Angst vor Arbeitslosigkeit, Überforderung bei der Beschulung der Kinder zu Hause – all das führt in vielen Familien zu großem Druck“, so Avci-Werning.

Die Isolation führe außerdem zu weniger sozialer Kontrolle. Kinder und Frauen bräuchten deswegen jetzt besonderen Schutz.

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„Die Anzahl von Menschen mit psychischen Erkrankungen wird während der Coronakrise zunehmen“, prognostizierte Avci-Werning. Sie forderte deswegen von der Bundesregierung, auch Psychologen und Psychotherapeuten besser vor einer drohenden Insolvenz aufgrund der Corona-Krise zu schützen.

Corona: „Die Versorgungsqualität geht gerade in den Keller“

„Die Versorgungsqualität geht gerade in den Keller“, sagte der Vorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Ulrich Hegerl, der „Rheinischen Post“ (Freitag) mit Blick auf das eingeschränkte Angebot in psychiatrischen Kliniken und Praxen, die planbare Behandlungen verschieben und Termine reduzieren, um die Versorgung von Akutpatienten zu garantieren.

„Das könnte Leben kosten“, so der Psychiater. Depressionen seien jährlich die Ursache für die meisten Suizide. „Durch die krankheitsbedingte Interesse- und Antriebslosigkeit fällt es sehr schwer, den Tag zu strukturieren, mit der möglichen Folge, dass die Betroffenen auch tagsüber grübelnd im Bett liegen“, erklärte Hegerl. Die Depressionshilfe empfiehlt Betroffenen, in Zeiten häuslicher Quarantäne aktiv zu bleiben und einen Tagesrhythmus zu pflegen.

Corona: Unsicherheit, Angst und Isolation erzeugen Stress

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde spricht auch von Risiken für bisher gesunde Menschen. „Andauernde Gefühle von Unsicherheit, Angst und Isolation erzeugen Stress und sind ein Risikofaktor für Gesunde,“ sagte Vorstandsmitglied Iris Hauth. Mögliche Folgen könnten Schlafstörungen, Angststörungen oder depressive Gefühle sein.

Die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie an der Alexianer St. Joseph Klinik in Berlin rechnet damit, dass schwer betroffene Corona-Patienten, Ärzte und Pflegekräfte in und nach der Krise traumatisiert sein könnten.

Beratung und Seelsorge in schwierigen Situationen

Ihre Gedanken hören nicht auf zu kreisen? Sie befinden sich in einer scheinbar ausweglosen Situation und spielen mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen? Wenn Sie sich nicht im Familien- oder Freundeskreis Hilfe suchen können oder möchten – hier finden Sie anonyme Beratungs- und Seelsorgeangebote:

Telefonseelsorge: Unter 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 erreichen Sie rund um die Uhr Mitarbeiter, mit denen Sie Ihre Sorgen und Ängste teilen können. Auch ein Gespräch via Chat ist möglich. telefonseelsorge.de

Kinder- und Jugendtelefon: Das Angebot des Vereins "Nummer gegen Kummer" richtet sich vor allem an Kinder und Jugendliche, die in einer schwierigen Situation stecken. Erreichbar montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr unter 11 6 111 oder 0800 – 111 0 333. Am Samstag nehmen die jungen Berater des Teams "Jugendliche beraten Jugendliche" die Gespräche an. nummergegenkummer.de

Muslimisches Seelsorge-Telefon: Die Mitarbeiter von MuTeS sind 24 Stunden unter 030 – 44 35 09 821 zu erreichen. Ein Teil von ihnen spricht auch türkisch. mutes.de

Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention: Eine Übersicht aller telefonischer, regionaler, Online- und Mail-Beratungsangebote in Deutschland gibt es unter suizidprophylaxe.de

(mg/kna)

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