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Vom Altar zur ScheidungEx-Hochzeitsplanerin organisiert jetzt krasse Trennungs-Partys

Freunde feiern eine Party

Copyright: Eugenio Marongiu/Westend61/dpa-tmn

Die Scheidungsparty mit Freunden kann ein Ritual sein, um den Übergang zwischen zwei Lebensabschnitten zu zelebrieren.

Keine Tränen mehr: Zunehmend mehr Frauen machen aus dem Ehe-Ende ein Fest.

Ehe-Aus als Grund zum Feiern! Ein Phänomen erobert Deutschland – Frauen zelebrieren ihre Trennung. Ein frischer Start ins Leben – und der will zelebriert werden! Trennungsfeste gewinnen nicht nur in der Hauptstadt an Zuspruch. Diese neuartigen Zeremonien dienen dazu, Vergangenes loszulassen und zugleich einen neuen Lebensabschnitt zu begrüßen. Nadine Schafhausen ist eine Pionierin, die diese Bewegung prägt.

Der Anstoß kam durch ihre persönliche Trennungsfeier 2011. Sie erkannte das Geschäftspotenzial bei einem Event mit Tänzer, Kuchen und vielen Gästen. „Danach habe ich mich wieder als Frau gefühlt“, äußert sich Schafhausen, die nun als „Scheidungsengel“ agiert. In ihrem früheren Beruf plante sie Hochzeiten. „Das ist gar kein so großer Unterschied, ob man eine Hochzeit oder eine Scheidungsparty organisiert“, findet sie, wie die dpa meldet.

Zwischen Spa-Besuch und Schrottauto-Action

Der Kreativität für das Fest sind keine Grenzen gesetzt. Für Unentschlossene stehen fertige Angebote zur Wahl: von der Zerstörung eines Autos bis hin zum Abend in einer Tabledance-Bar. Das günstigste Angebot beginnt preislich bei 500 Euro und umfasst einen Entspannungstag mit Saunagängen, Beauty-Behandlung und Massagen.

„Wir entwickeln gemeinsam Ideen“, erläutert Schafhausen. „Die Kundin muss sich aber darüber im Klaren sein, dass das nicht nur 100 Euro kostet.“

Expertin nennt es: „Ein wuchtiges, destruktives Ritual“

Solche Feste sind aus seelischer Perspektive ein bedeutsames Ritual für den Übergang, meint die Paartherapeutin Valeska Riedel. „Weltweit begehen Menschen ihre Lebensübergänge mit Ritualen“, führt sie aus. Vergleichbar mit Taufzeremonien oder Eheschließungen verstärken Anwesende die Bedeutung des Moments.

Ein Angebot von Nadine Schafhausen erfreut sich aktuell großer Nachfrage: Es umfasst Styling sowie eine Fotosession, bei der das Hochzeitskleid zerrissen wird. Falls die Klientin ihr eigenes nicht mehr besitzt, stellt der „Scheidungsengel“ ein Ersatzkleid als Symbol zur Verfügung.

„Das Brautkleid zu zerschneiden, ist ein sehr wuchtiges, destruktives und rückwärtsgewandtes Ritual“, bewertet Valeska Riedel. Wenn dies jedoch im Beisein von Freundinnen geschieht, die Zuspruch geben, kann der Akt auch eine stärkende und mutmachende Wirkung haben.

Trennungsschmerz: Warum Männer anders ticken

Schafhausens Klientel ist beinahe ausschließlich weiblich. „Männer schließen damit schneller ab und brauchen keine Party“, lautet ihre Beobachtung. Darin erkennt die Therapeutin Riedel allerdings überholte Rollenmuster. In einer Ehe würden Frauen häufiger eigene Bedürfnisse zurückstellen, weshalb ein Fest helfen könne, den angestauten Kummer über das Ende zu verarbeiten.

„Männer machen das eher mit sich aus, sie gehen vielleicht mit Freunden etwas trinken und dann muss es abgeschlossen sein“, so Riedel.

Ein solches Fest ist jedoch nur eine Möglichkeit der Verarbeitung. Entscheidend ist, sich mit Personen zu umgeben, die einem wohlgesonnen sind. „Eine Scheidung, selbst wenn sie gefeiert wird, ist und bleibt das Ende einer Hoffnung und ist so gesehen auch ein Anlass für Trauer und Tränen“, mahnt die Expertin. Wenn diese Gefühle verdrängt werden, können sie sich später umso heftiger bemerkbar machen – ähnlich einer nicht auskurierten Erkältung. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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