Viele nehmen sie jeden Tag, um ihre Blutfettwerte zu kontrollieren. Jetzt zeigt eine Untersuchung einen verblüffenden Zusatzeffekt.
Überraschender SchutzKönnen diese Tabletten Demenz wirklich aufhalten?

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Überraschende Auswirkungen auf das Gehirn
Statine kennt man als Mittel gegen zu hohes Cholesterin, die Herzinfarkten und Schlaganfällen vorbeugen sollen. Aber diese Wirkstoffe haben womöglich noch eine andere Stärke. Eine Untersuchung aus Dänemark deutet jetzt darauf hin, dass sie auch die Gefahr einer Demenzerkrankung reduzieren könnten. Das gilt vor allem für eine spezielle Gruppe von Betroffenen. Die Vorbeugung ist extrem wichtig, weil es bis heute keine effektive Behandlung gegen Demenz gibt. Besonders Menschen mit Typ-2-Diabetes profitieren anscheinend von einer schnellen Therapie mit den Cholesterin-Medikamenten.
Ein Wissenschaftlerteam vom Universitätsklinikum Kopenhagen fand heraus: Eine schnelle Behandlung mit Statinen kann die Demenzgefahr über einen Zeitraum von zehn Jahren um satte 15 Prozent verringern. Selbst bei einem späteren Start der Therapie sank die Gefahr immer noch um zehn Prozent. Hohe Konzentrationen des ungünstigen LDL-Cholesterins zählen zu den bekannten Gefahren für eine Demenz. Das berichtet „DIE WELT“.
Analyse von mehr als 130.000 Diabetes-Fällen
Die Forscher analysierten für ihre Studie, publiziert im Fachjournal „The Lancet Regional Health – Europe“, die Informationen von 132.585 Menschen. Jeder Teilnehmer bekam zwischen 2006 und 2019 die Feststellung Typ-2-Diabetes und wurde vorher nicht mit Statinen therapiert. Anschließend wurde verglichen, wie die Demenzgefahr sich bei denjenigen entwickelte, die keine, frühzeitig oder verzögert Statine erhielten.
Tummas Ternhamar, der Hauptautor der Untersuchung, resümiert die Resultate: „Bei Menschen, die an Typ-2-Diabetes erkranken, war die Einnahme von Statinen mit einem geringeren Demenzrisiko verbunden, insbesondere bei frühzeitigem Therapiebeginn.“ Er kritisiert, dass Statine bei Diabetikern trotz Ratschlägen noch zu selten verwendet werden. Dabei reduzieren sie erwiesenermaßen die Gefahr für Herz-Kreislauf-Leiden und sind relativ preiswert.
Laut Ternhamar könnten die frischen Befunde ein zusätzliches, gewichtiges Argument liefern, Personen mit Typ-2-Diabetes und erhöhten LDL-Werten schnell zu therapieren. Die Wissenschaftler betonen allerdings, dass ihre Arbeit eine reine Beobachtungsstudie ist.
Ein kausaler Zusammenhang lässt sich daraus noch nicht mit Sicherheit ableiten; hierfür sind weitere Forschungen erforderlich. Trotzdem hebt die Analyse die immense Wichtigkeit der Vorbeugung hervor. Denn Fachleute gehen davon aus, dass durch das Reduzieren von Gefahrenquellen jeder zweite Fall von Demenz vermeidbar wäre. (red)
