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Ende ohne Schrecken 8 Tipps, wie eine Trennung nicht zur Schlammschlacht wird

Paar hat Streit

Eine Trennung stellt beide Partner vor Herausforderungen. 

Köln – Wenn eine Beziehung endet, ist Streit oft vorprogrammiert. Beide Ex-Partner befinden sich einer hochemotionalen Situation und müssen trotzdem sachliche Dinge klären wie: Wie sagen wir es den Kindern? Wer wohnt in Zukunft wo? Oder: Was machen wir mit der gemeinsamen Firma?

Nadja von Saldern betreibt mit ihrem Ehemann eine Praxis für Paartherapie in Berlin und begleitet ehemalige Paare durch diesen schwierigen Prozess: „Wir gehen nicht nur in eine ungewisse Zukunft und müssen Trauerarbeit leisten, sondern wir müssen auch noch auseinanderdividieren, was über so lange Zeit zusammengewachsen ist“, erklärt sie in ihrem Buch „Glücklich getrennt – Wie wir achtsam miteinander umgehen, wenn die Liebe endet“ (Ullstein Verlag).

Eine friedliche Trennung kann nur gelingen, wenn die sachlichen Themen geklärt sind

Für die Paartherapeutin ist klar: „Viele Streitigkeiten während der Trennung haben nichts mit der aktuellen Situation zu tun, sondern sind Altlasten aus der zu Ende gehenden Beziehung.“ Sich Trennende sollten sich klarmachen, woher diese Emotionen kommen und warum sie so stark sind. „Eine friedliche Trennung kann nur gelingen, wenn die sachlichen Themen geklärt sind“, meint von Saldern.

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Warum kommt es überhaupt so oft zu einem Rosenkrieg nach einer Trennung? Es stehen sich zwei Parteien gegenüber, die sich einmal sehr geliebt haben und sehr gut kennen. „Diese zwei Menschen kämpfen mit allen Mitteln gegeneinander. Beide kennen sich so gut, dass die Kampfstrategien gezielter gesetzt werden können und damit treffsicherer sind“, erklärt Nadja von Saldern in ihrem Buch. Außerdem komme es zum sogenannten Säbelzahntiger-Effekt: Fühlen wir uns von Partner potentiell existenziell bedroht, reagieren wir instinktiv – ähnlich wie ein in die Enge getriebenes Tier.

Eine einvernehmliche Trennung ist in vielerlei Hinsicht erstrebenswert, leicht ist aber nicht. Von Saldern dazu: Auch wenn es schwer ist, sollten wir versuchen die friedlich gestimmte Seite zu aktivieren und uns klarzumachen, dass abwehrendes Verhalten nicht zum Ziel führen wird.

Wie eine friedliche Trennung gelingen kann – acht Tipps:

Die Trennung und die Schmerzen akzeptieren

Es dauert unter Umständen sehr lange, bis wir mit einer Trennung unseren Frieden machen und abschließen können. Zuvor müssen wir verstehen, warum es nicht geklappt hat und das Ende der Beziehung akzeptieren. „Alles, was wir nicht annehmen und akzeptieren können, bekämpfen wir“, erklärt von Saldern. Das wäre in diesem Fall der Ex-Partner und damit der Anfang eines Rosenkriegs mit ungewissem Ausgang.

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„Ich“- Botschaften senden

Wenn eine Beziehung scheitert, dann ist die Paar-Kommunikation meist schon länger gestört. Wenn dann noch einer der Partner die Trennung möchte, macht es das für beide Seiten nicht einfacher. Lautes Lospoltern ist keine gute Idee, auch wenn man lange aufgestaute Emotionen loswerden möchte. „'Du'-Botschaften aktivieren den Säbelzahntiger-Effekt und bringen uns in die Defensive, was den Kampf beginnen lässt.“ Paartherapeutin von Saldern empfiehlt: „Ich“- statt „Du“-Botschaften und sich klar machen, dass es in der Natur der Sache liegt, dass die Interessen des Partners nun unseren gegenüberstehen. Der Partner darf nun anders denken. Wenn wir verstehen, dass es okay ist, unterschiedliche Meinungen zu haben, können wir die Meinung des Anderen auch akzeptieren.

Den Ex-Partner nicht mehr kritisieren

Kritik am Ex-Partner, auch wenn sie noch gerechtfertigt ist, ist nach der Trennung Tabu. Wenn das schon in der Beziehung schwierig war, wird es nach der Trennung nicht auf einmal gelingen. Lieber Wünsche und konstruktive Vorschläge formulieren. Und wenn der Ex-Partner einen kritisiert, darf man ruhig antworten, dass man das nicht mehr möchte.

Nicht nur schimpfen, sondern eigene Bedürfnisse benennen

Schon in einer Beziehung haben wir viele Bedürfnisse, die vielleicht nicht immer erfüllt wurden. Nach einer Trennung kommen neue hinzu: beispielsweise wollen wir respektvoll behandelt werden, eine Entschuldigung hören, einen Neuanfang machen oder auch finanziell abgesichert sein. Um diese Bedürfnisse erfüllt zu bekommen, gilt es eine zielführende Strategie anzuwenden.

„Die beste Strategie, ein Bedürfnis erfüllt zu bekommen, besteht immer noch darin, einen Wunsch zu äußern“, macht von Saldern klar. Das Gegenüber könne dann mit „Ja“ oder „Nein“ antworten – was akzeptiert werden müsse. Wer ein „Nein“ nicht akzeptieren könne, habe eventuell eher einen Befehl oder eine Erwartung als einen Wunsch formuliert und trägt so dazu bei, dass der Konflikt eher eskaliert.

Zuhören

Manchmal kann aber auch die noch so vorsichtig formulierteste Nachricht beim Empfänger einen Nerv treffen, wird etwa wie ein Befehl aufgefasst und löst umgehend alte, negative Gefühle aus. Statt gleich auszuflippen sollten Empfänger erst einmal zuhören, so von Saldern, und zwar so „neutral und sachlich wie möglich.“ Das gelinge aber nur, wenn man sich selbst und seine Emotionen völlig zurücknehme. Zum aktiven Zuhören gehört auch: nachfragen und bestätigen, dass man etwas verstanden hat. Ziel ist es, den Wunsch des Gegenübers herauszuhören und zu verstehen was der andere gerade braucht.

Von der Schuldfrage ablassen

Es ein menschlicher Reflex: Wenn etwas scheitert, suchen wir einen Schuldigen. Doch in Beziehungsfragen ist das wenig zielführend. „Wer nach einem Schuldigen sucht oder sich selbst schuldig spricht, der arbeitet nichts auf, sondern bleibt im Problem haften.“ So werde die Schuldfrage zum Nebenkriegsschauplatz, denn objektiv wird sie nie beantwortet werden. Hat nicht jeder für sich genommen Recht? Und wenn beide Seiten meinen, im Recht zu sein: Was bringt dann die Feststellung der Schuld?

Oftmals wird dem Partner die Schuld gegeben, der den finalen Schlussstrich gezogen und somit die „Einheit der Familie“ beendet hat. Es erfordere lange Gespräche, um die Einsicht zu vermitteln, dass nicht derjenige, der die Familie auflöst, der Schuldige ist, sondern die kaputte Paarbeziehung der Grund dafür war.

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Loslassen

Wir können lernen loszulassen. Im Grunde genommen tun wir das unser Leben lang – wir verabschieden uns von einer Wohnung, einem Haustier oder von verlorenen Gegenständen. Je öfter wir loslassen, desto weniger Angst haben wir davor. Von Saldern vergleicht diesen Prozess mit einem Abend im Kino: Die Beziehung ist der Film. Ist dieser vorbei, die Beziehung also abgeschlossen, sitzen wir noch versunken im Sessel und lesen den Abspann. Dann stehen wir auf und gehen nach Hause. „Wir denken noch lange über den Film nach, aber wir wissen, dass er zu Ende ist und das Leben geht weiter. “ Ihr Tipp: Sich klarmachen und aufschreiben, wann und wie oft man im Leben schon von Dingen Abschied genommen hat. Das macht es leichter.

Nicht gleich zum Anwalt rennen

Von Saldern, die früher selbst als Rechtsanwältin gearbeitet hat, weiß: „Wenn trennungswillige Paare gleich zum Anwalt gehen, dann geschehen auf beiden Seiten häufig Dinge, die das Vertrauen zueinander schwächen oder Zweifel schüren, die zu einer Verhärtung der Fronten führt.“

Ein Anwalt tue seine Pflicht, indem er anfange, einen juristisch zu beraten – das verlaufe meist konträr zu den Interessen der Gegenpartie. „Wir brauchen Rat, aber keine Stimmungsmache“, erklärt sie das Dilemma. Ihr Tipp: Wenn eine Trennung ansteht und etwa eine Ehe geschieden werden soll, nicht auf direktem Weg zum Anwalt gehen, „sondern in Ruhe überlegen, was gerade sinnvoll ist.“

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Nadja von Saldern „Glücklich getrennt – Wie wir achtsam miteinander umgehen, wenn die Liebe endet" von Ullstein, 15 Euro

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