Ebola-Ausbruch im Kongo: Helfer kämpfen gegen die Zeit.
Ebola-Drama im KongoHelfer im Wettlauf gegen die Zeit, Kapazitäten sind erschöpft

Copyright: Moses Sawasawa/AP/dpa
Experten sind alarmiert über die schnelle Ausbreitung und hohen Verdachtszahlen. (Archivbild)
Die Zahl der vermuteten Fälle geht in die Hunderte, und es gibt stetig mehr nachgewiesene Ansteckungen. Eine Woche, nachdem der Ebola-Ausbruch in der kongolesischen Provinz Ituri öffentlich gemacht wurde, kämpfen Fachleute und Einsatzkräfte in einem Wettlauf mit der Uhr. Die Befürchtung, dass sich die Seuche auf angrenzende Staaten ausbreitet, nimmt zu.
„Es kommt jetzt darauf an, rasch Isolier- und Behandlungskapazitäten an unterschiedlichen Orten einzurichten“, erklärt Maximilian Gertler. Er ist Epidemiologe an der Berliner Charité und war für Ärzte ohne Grenzen (MSF) schon oft bei Ebola-Einsätzen dabei. Aber die unsichere Lage in dem Krisengebiet sowie die logistischen Hürden im zweitgrößten Staat Afrikas gestalten die Situation äußerst schwierig.
„Kein Land hat so viele dieser Ausbrüche gehabt“

Copyright: Andrew Kasuku/AP/dpa
Medizinische Hilfsgüter sind bereits auf dem Weg in den Kongo, um den Ebola-Ausbruch zu bekämpfen (Archivbild)
„Wir schicken gerade viele Mitarbeitende mit Erfahrung in Ebola-Ausbrüchen in die betroffenen Regionen, um die bestehenden Teams zu unterstützen“, schildert Gertler die Strategie von MSF. Parallel dazu sei es notwendig, weiteres medizinisches Personal zu schulen. Ein Vorteil ist jedoch: Die Gegend hat reichlich Erfahrung mit der tödlichen Krankheit. Gertler unterstreicht: „Kein Land auf der Welt hat so viele dieser Ausbrüche gehabt“.
Gigantische Probleme bei der Logistik
Die Ausdehnung des betroffenen Gebiets, das an Uganda und den Südsudan angrenzt, bedeutet eine gewaltige logistische Schwierigkeit. Der Kongo hat beinahe die siebenfache Fläche von Deutschland, und Armut kennzeichnet viele Landstriche. „Man muss alles selbst organisieren, auch den Diesel für die Generatoren“, erläutert Gertler. Aus diesem Grund betreibt MSF in verschiedenen Städten Depots für den Notfall.

Copyright: Medecins sans Frontieres/dpa
Der Berliner Arzt Maximilian Gertler war für Ärzte ohne Grenzen schon mehrfach im Ebola Einsatz (Handout)
„Gegenwärtig ist Ärzte ohne Grenzen dabei, tonnenweise Schutzausrüstung und logistisches Material wie Generatoren, Kühlgeräte und natürlich zusätzliches Personal in die Region zu bringen“, berichtet der Arzt aus Berlin. Einsatzgruppen sind in Städten wie Bunia, Butembo oder Goma unterwegs, um Standorte für weitere Behandlungsstationen ausfindig zu machen.
Die Versorgungskette wird von der Hauptstadt Kinshasa, dem angrenzenden Uganda und sogar aus Europa heraus aktiviert. Die Hilfsorganisation hat fertige Ebola-Sets in Depots in Bordeaux und Brüssel eingelagert. Diese Behälter sind voll mit Schutzkleidung, Betten, Zelten, Infusionslösungen und Stromerzeugern. Sie lassen sich unmittelbar in die Krisenregion transportieren, sodass die Helfer ohne Verzögerung mit ihrer Tätigkeit beginnen können.
Alles voll „Keine Behandlung zur Verfügung“
Aber die Uhr tickt, und an einigen Orten sind die Aufnahmegrenzen schon überschritten. „Im Moment hören wir von vielen unserer Teams, dass sich bei ihnen ununterbrochen Verdachtsfälle vorstellen, für die keine Isolierkapazitäten vorhanden sind“, schildert Gertler aus Gesprächen mit seinen Kolleginnen und Kollegen. „Dann steht für diese Patienten unter Umständen keine Behandlung zur Verfügung. Außerdem besteht natürlich die Möglichkeit, dass diese Infizierten weitere Infektionen auslösen.“
Ebenso zeigt sich das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) besorgt. „Der Ausbruch breitet sich rasant in Gebieten aus, deren Gesundheitssysteme ohnehin schon schwach sind“, sagt Ariel Kestens, der zur IKRK-Delegation in Kinshasa gehört. Er appelliert: „Jetzt ist schnelles Handeln von höchster Priorität, denn die kommenden Tage sind entscheidend.“
Wie die Ansteckungsketten gestoppt werden sollen
Für die Eindämmung der Seuche gibt es zwei wesentliche Stützpfeiler: die Versorgung der Kranken und das Verfolgen von Kontaktpersonen. Spezielle „Contact Tracer“ machen die Ansteckungswege ausfindig und erfassen sämtliche Menschen, die mit einer infizierten Person in Berührung kamen. Über einen Zeitraum von 21 Tagen wird dann täglich bei ihnen nachgefragt, um den Gesundheitszustand zu kontrollieren.

Copyright: Medecins sans Frontieres/dpa
Der Berliner Arzt Maximilian Gertler kennt die Herausforderungen eines Ebola-Einsatzes aus eigener Erfahrung bei Ärzte ohne Grenzen (Handout)
Sofern sie keine Krankheitszeichen aufweisen, geht von Kontaktpersonen bei normalem Umgang keine Ansteckungsgefahr aus. „Aber bei Fieber müssen sie schleunigst und unter sicheren Bedingungen in ein Isolations- und Behandlungszentrum gebracht werden“, mahnt Gertler. Ergänzend dazu informieren ehrenamtliche Helfer des Roten Kreuzes im Kongo die Menschen direkt an der Haustür und mittels Radiosendungen über die Risiken und Anzeichen von Ebola. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
