Neuer Ebola-Ausbruch: Gegen diesen Erreger gibt es keinen Impfstoff.
Vorwurf an den WestenExperte: Bei uns gäbe es längst einen Ebola-Impfstoff

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In der Demokratischen Republik Kongo breitet sich das gefährliche Virus aus.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist wegen eines neuen Ebola-Ausbruchs in Zentralafrika in höchster Alarmbereitschaft. Das wirklich Schlimme an der Situation: Für den umgehenden Bundibugyo-Erreger gibt es keine zugelassene Impfung und auch keine besonderen Medikamente. Ein Desaster, das sich schon lange angekündigt hat.
Zwar führt das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) drei Vakzine gegen Ebola auf, doch sie wirken allesamt nur gegen den bekannten Zaire-Erreger (EBOV). Gegen das aktuell wütende Bundibugyo-Virus (BDBV) ist man schutzlos. „Alle Impfstoffe gegen das Bundibugyo-Virus sind noch im präklinischen Stadium“, erklärt César Muñoz-Fontela vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). Das bedeutet im Klartext: Kein einziger wurde jemals an Menschen erprobt.
„Wir hätten längst startklar sein können“
Es existiert nicht einmal ein Vorrat an Impfstoffdosen, um jetzt rasch Tests durchzuführen. Die Produktion würde sich über Wochen oder sogar Monate hinziehen, erklärt Marylyn Martina Addo vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Eine Unterlassung mit dramatischen Konsequenzen.

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Ein US-amerikanischer Arzt, der Kontakt zu Ebola-Infizierten in Uganda hatte, kommt in einem Krankenhaus in Prag an.
Dabei hatten Experten nach der verheerenden Ebola-Epidemie in Westafrika 2014/2015 mit mehr als 11.000 Todesopfern genau das gefordert. Ihre Warnung: Es müssen Vakzine gegen sämtliche bedrohlichen Ebola-Varianten entwickelt und für den Ernstfall eingelagert werden. „Hätten wir das vor zehn Jahren mit priorisierten finanziellen Ressourcen schon machen können“, sagt Addo, „wären wir jetzt vorbereitet gewesen“.
Auch Muñoz-Fontela unterstreicht: „Wir müssen Impfdosen und Therapeutika herstellen, die zumindest für klinische Studien bereitstehen. Und diese Strategie muss vor einem Ausbruch umgesetzt werden, nicht erst nach einem Ausbruch.“ Der Fachmann kritisiert, dass das Interesse an derartigen Krankheiten abseits von akuten Notlagen gering ist.
Bieten die vorhandenen Impfstoffe einen Schutz?
Einen winzigen Hoffnungsschimmer gibt es. Weil die Viren eine enge Verwandtschaft aufweisen, könnten die Antikörper der bestehenden Impfungen eventuell auch die neuen Viren unschädlich machen, so die Erklärung von Clara Schoeder vom Institut für Wirkstoffentwicklung der Universität Leipzig. Aber wie effektiv das wirklich ist, kann niemand sagen. Eine kleine Untersuchung mit Affen aus dem Jahr 2011 ergab zwar, dass drei von vier Tieren überlebten, aber krank wurden sie trotzdem.
Fachleute sprechen sich daher gegen einen vorschnellen Einsatz der alten Vakzine aus. Falls diese keine Wirkung zeigen, droht das schwer erarbeitete Vertrauen in die effektiven Ebola-Impfungen verloren zu gehen. „Dafür braucht man mehr Evidenz“, verlangt auch die UKE-Spezialistin Addo.
Was kann man für die Erkrankten tun?
Es gibt keine speziellen, genehmigten Therapien, stellt der Virologe Stephan Becker von der Universität Marburg klar. „Aber auch hier gibt es Antikörper, die im Tier vor Bundibugyo geschützt haben, allerdings nicht klinisch getestet sind.“

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Mitarbeiter des Roten Kreuzes in Schutzanzügen in einem Gesundheitszentrum in Rwampara, Kongo.
Eine gute unterstützende Behandlung in einer Spezialklinik ist deshalb von entscheidender Bedeutung. „Wir wissen, dass sich die Sterblichkeit dadurch erheblich senken lässt“, erklärt Torsten Feldt vom Universitätsklinikum Düsseldorf. Dazu zählen die Regulierung des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts, die Therapie von Blutungen und Organversagen sowie die Versorgung mit Sauerstoff und die Behandlung von Begleitinfektionen.
„Im Westen gäbe es längst medizinische Gegenmaßnahmen“
Die Weitergabe von Mensch zu Mensch ist der Motor von Ebola-Ausbrüchen. Laut Muñoz-Fontela beschleunigen gesellschaftliche Umstände wie Armut, Fluchtbewegungen und miserable Lebensverhältnisse die Verbreitung des Virus nach einem Ausbruch.
Der Chef der Gesundheitsbehörde Africa CDC, Jean Kaseya, kritisiert die Pharmakonzerne scharf. In Afrika lasse sich mit dem Bundibugyo-Virus kaum Geld machen. Seine ernüchternde Schlussfolgerung: „Aber glauben Sie mir, wenn es Bundibugyo in westlichen Ländern gäbe, dann wären die medizinischen Gegenmaßnahmen vorhanden.“ (dpa/red)
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