Krach mit der Mutter? Warum der Zoff die Beziehung rettet.
Endlich Grenzen setzenSo lösen Töchter den ewigen Konflikt mit der eigenen Mutter

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Erwachsene Töchter sind in der Beziehung zu ihrer Mutter häufig sehr auf Harmonie bedacht.
Mama steht schon wieder unangemeldet vor der Tür. Der zehnte Schlafanzug zum Geburtstag. Und dann die Ratschläge zur Kindererziehung, die keiner wollte. Statt Klartext zu reden, was dich nervt, schluckst du den Frust runter. Alles für die gute Stimmung. Viele Frauen kennen das: Sie gehen dem Krach mit der eigenen Mutter aus dem Weg, um die Beziehung nicht zu gefährden.
Doch Streit ist kein Drama, betont Christiane Yavuz. Sie ist als Familienberaterin, Mediatorin und Coach aktiv. Auseinandersetzungen sind für sie kein Indiz für eine kaputte Beziehung. Vielmehr signalisieren sie, dass eine Neuausrichtung ansteht. «Konflikte zeigen zum Beispiel, dass die alten Rollen nicht mehr passen - und das ist kein Problem, sondern ein Entwicklungssignal.»
Eine Beziehung voller Gefühle
Dass gerade Töchter den Zoff mit der Mama scheuen, ist absolut nichts Besonderes. Die Verbindung zur Mutter ist oft die allererste und somit eine der wichtigsten im Leben. Yavuz, Verfasserin von «Tochter sein auf Augenhöhe», erklärt das so: «Dadurch ist damit eine hohe Emotionalität verknüpft – und es ist schwieriger, einen gesunden Umgang zu finden, weil man so nah dran ist».
Wer jedoch ständig «der Harmonie zuliebe und um des lieben Friedens willen» an einem ausweichenden Kurs festhält, läuft Gefahr, sich selbst aufzugeben. Die Konsequenz beschreibt Yavuz: «Der Konflikt verlagert sich an einen inneren Schauplatz. Man kämpft mit all diesen Themen innerlich – und merkt irgendwie: schon wieder nicht gesagt, was ich eigentlich wollte».
Im Grunde dreht sich alles um eine zentrale Sache, meint die Beraterin: «Wo sind meine Grenzen – und werden sie gewahrt und respektiert?». Diese Frage haben sich zahlreiche Frauen nie gestellt. «Mädchen haben aufgrund gesellschaftlicher Rollenbilder oft früh gelernt, sich mit Harmonie und Anpassung in die Familie zu integrieren. Das macht es ihnen schwer, konfliktsouverän zu werden.»
Richtig streiten: So klappt das Umdenken
Lässt sich das denn noch lernen? Ja! Der Anfang ist eine neue Denkweise. Du musst deine persönliche Haltung zu Streitigkeiten überprüfen. Laut Yavuz reagieren viele Frauen darauf mit Anspannung und Abwehr. Diese Reaktion muss man wahrnehmen, um zu begreifen: Auseinandersetzungen sind nicht nur nervig, sie haben einen Sinn. «Konflikte entstehen nicht, weil man nichts kann oder etwas falsch gemacht hat, sondern weil sie uns wie Warnleuchten am Auto auf etwas hinweisen, das wir uns genauer ansehen sollten», erklärt die Expertin.
Wer das begreift, kann Streit anders angehen: bewusster und souveräner statt ausweichend. Yavuz bezeichnet das als «Konfliktliebe». Auf diesem Weg helfen ein paar Taktiken: Finde erst für dich selbst heraus, was du willst und wo deine rote Linie ist, bevor du das Gespräch suchst. Leg dein schlechtes Gewissen ab – die eigenen Gefühle ernst zu nehmen, ist kein Undank. Und lerne, auch mal schlechte Stimmung zu ertragen. Mutter und Tochter müssen nicht die besten Freundinnen sein.
Warum sich der ganze Aufwand auch sonst im Leben lohnt
Zahlt sich das aus? Auf jeden Fall. Erwachsene Töchter lernen auf diese Weise, ihre persönlichen Grenzen zu erkennen, zu setzen und mitzuteilen. Und das ist noch nicht alles: «Alles, was wir für ein emotional gesundes Leben brauchen, können wir in der Gestaltung der Mutterbeziehung üben. Es hilft uns in ganz vielen anderen Bereichen», sagt Yavuz. Man trainiert ja nicht nur Grenzen, sondern auch den Umgang mit Gefühlen, Streit und Kommunikation. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
